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Heinleins „Starship Troopers“: Plädoyer für eine Militärdiktatur

Der Feind ist der Käfer - Szene aus verhoevens Keinwand-Adaption. Abb.: BSF/Buena Vista

Der Feind ist der Käfer – Szene aus verhoevens Keinwand-Adaption. Abb.: BSF/Buena Vista

Was Verhoevens Film überspitzte, war dem Romanautor todernst
Robert A. Heinlein (1929). Foto.: US-Navy, Wikipedia, Public domain

Robert A. Heinlein (1929). Foto.: US-Navy, Wikipedia, Public domain

Was würde man heute von jemandem halten, der das Wahl- und Bürgerrecht vom abgeleisteten Militärdienst abhängig machen wollte? Der Krieg nach dem evolutionären Prinzip „Der Stärkste hat das Recht und die Pflicht anzugreifen“ befürwortete? Jeder Politiker, Autor oder andere Verkünder solcher Ideen wäre unten durch in jeder Demokratie. Nicht so vor 50 Jahren: 1959 rührte Sci-Fi-Autor und Ex-Liberaler Robert Heinlein, beeinflusst wohl auch durch seine Zeit in der US-Navy, in „Starship Troopers“ für eben solch ein politisches System die literarische Werbetrommel. Und damit stieß er auf einige Resonanz – bis hin zu Paul Verhoevens umstrittener Verfilmung von 1997, die im Fernsehen grundsätzlich gekürzt gezeigt wird.

Fragte man sich bei Verhoeven („Robocop“, „Total Recall“) noch: „Ist das Satire oder meint der Mann das vielleicht wirklich ernst?“, so kann man nach der Lektüre der Romanvorlage letztere Frage recht klar beantworten: Verhoeven hat den Stoff karikativ überspitzt, Heinlein hingegen war es mit seinen faschistoiden Vorschlägen bitterernst.

Der Feind ist der Kommunisten-Käfer

Wer die Story nicht kennt, hier die Kurzfassung: In naher Zukunft herrscht eine – in idealisierten Farben gemalte – Militärdiktatur auf der Erde, Stimmrecht haben nur Veteranen. Und die stürzt die Menschheit in den Krieg mit einer insektoiden außerirdischen Rasse, der „der Kommunismus evolutionär eingeprägt“ ist, in der das einzelne Individuum nichts zählt – da kann man nur mutmaßen, dass Heinlein den Korea-Krieg der USA und den Konflikt mit China (mit all seinen Klischees auf amerikanischer Seite) im Hinterkopf hatte. Kurz vor Kriegsausbruch meldet sich der junge Johnnie Rico zum Militärdienst und wir verfolgen mit ihm Drill und Unterwerfung in der Rekrutenausbildung der „Mobilen Infanterie“, die erste, desaströse Offensive der Menschen gegen den Heimatplaneten der „Bugs“ und die folgenden Scharmützel bis hin zur Gefangennahme der ersten „Brain Bugs“.

Trailer der Verfilmung:

Dass das Buch viele Fans fand (und findet), war und ist unter anderem wohl auch auf die militärische Hightech, mit der die Infanterie in Heinleins Zukunft ausgestattet ist, zurückzuführen: Ausrüstungen wie Sprung-Panzeranzüge, Atomgranaten und Kriegsraumschiffe werden genüsslich beschrieben. Moralische Skrupel haben in dieser Welt keinen Platz. Dass der Feind in Massen getötet gehört, ist hier selbstverständlich.

Wahlrecht nur für Veteranen
Kriegsgefangene töten? - in "Starship Troopers" keine Frage. Abb.: BSF

Kriegsgefangene töten? – in „Starship Troopers“ keine Frage. Abb.: BSF

Was auf den ersten Blick wie einfach gestrickte US-Science-Fiction der 1950er anmutet, ist indes gespickt mit langen philosophischen Ausführungen und Exempeln, mit denen uns Heinlein vor Augen führen will: Die klassischen Demokratien, in der alle mitreden können, sind dem Untergang geweiht, nur unter einer starken Führung wird eine nahezu ideale Gesellschaft entstehen. Und die wird per Akklamation durch Veteranen eingesetzt, denn nur die – so Heinlein – haben durch das zusammenschweißende Grunderlebnis von Krieg und Militärdienst das Verantwortungsbewusstsein und das Kameradschaftsgefühl, um die Menschheit zu führen.

Loblied auf barbarische Strafen

Diese Argumentation mutet dem heutigen Leser umso absurder an, wenn er liest, wie sich Heinlein die ideale Soldaten-Ausbildung vorstellt (aus der sich später das „Wahlvolk“ rekrutiert): Eine brutale Erziehung inklusive barbarischer Prügel- und Todesstrafen zum stumpfen Befehlsempfänger, der keine Fragen jenseits taktischer Einsatzbesprechungen stellt. Nun ja, den Drill-Spruch „Was uns nicht tötet, macht uns härter“ kennt man ja auch gewissen anderen Armeen…

Abb.: Amazon

Abb.: Bastei Lübbe / Amazon

Heinleins „Utopie“ mutet umso bizarrer an, wenn man sich vor Augen hält, wie nahe eigentlich sein oligarchischer Gesellschaftsentwurf an den „realsozialistischen“ Parteidiktaturen im Ostblock steht – obzwar man deutlich merkt, dass der Autor viele klassische Philosophen studiert hat, fehlte ihm da wohl einiges Wissen über den Kommunismus seiner Zeit, wie sich dieser in der Praxis darstellte.

Man kann insofern nur hoffen, dass solche „Idealisten“ wie Heimlein nie (wieder) an die Macht kommen: Sie würden ruckzuck eine brutale Diktatur errichten und uns in den nächsten Krieg stürzen. Heiko Weckbrodt

Robert A. Heinlein: „Starship Troopers“, 1959 (deutsch: „Sternenkrieger“, 1979) vergriffen, zu (überhöhten) Preisen teils noch gebraucht erhältlich, bei Amazon USA als englisches Kindle-Buch (ASIN: B004EYTK2C, zehn Dollar)

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