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Dresden lockt mit kooperativen Geist exzellente Forscher aus aller Welt an

Blick in den Aquarienkeller des Dresdner Max-Planck-Instituts für Genetik: Hier halten die Forscher Hunderte Zebra-Fische für DNA-Experimente. Kooperation mit der Uni ist hier an der Tagesordnung. Abb.: Jürgen Lösel, Mediaserver Dresden

Blick in den Aquarienkeller des Dresdner Max-Planck-Instituts für Genetik: Hier halten die Forscher Hunderte Zebra-Fische für DNA-Experimente. Kooperation mit der Uni ist hier an der Tagesordnung. Abb.: Jürgen Lösel, Mediaserver Dresden

Eugene Myers. Abb.: MPI-CBG

Eugene Myers. Abb.: MPI-CBG

Dresden, 23. September 2012: Dass die TU Dresden kürzlich den Zuschlag vom Bund als Elite-Uni bekam, hing wesentlich an den dort geknüpften Netzwerken universitärer und außeruniversitärer Forscher: Denn in der sächsischen Landeshauptstadt, so schätzen nicht nur „Ur-Dresdner“ Forscher, sondern auch viele zugezogene Akademiker ein, arbeiten Wissenschaftler aus der Universität und den außeruniversitären Forschungsinstituten deutlich enger und besser zusammen als in vielen anderen deutschen Städten. „Dresden ist einer der Orte weltweit, wo über Kooperation nicht nur gesprochen wird, sondern wo die Leute auch wirklich zusammenarbeiten“, lobte beispielsweise Bioinformatik-Guru Eugene Myers – der Amerikaner war erst kürzlich nach Sachsen gekommen, um hier ein neues Zentrum für Systembiologie (Wir berichteten) zu leiten.

Auch Prof. Liu Hao Tjeng, einer der neuen Direktoren am „Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe“, zeigte sich „sehr beeindruckt“ vom kooperativen und internationalen Forschungsklima in Dresden. Insbesondere lobte der gebürtige Indonesier auch die Internationale Schule in Dresden, die Forschern mit Kindern den Wechsel nach Dresden erleichtere. Ähnlich äußerte sich Prof. Elisabeth Knust, die aus Westdeutschland an die Elbe kam, um hier am „Max-Planck-Institut für Zellbiologie und Genetik“ zu forschen. „Dresden vibriert“, brachte sie es auf den Punkt. Das liege wohl auch am fruchtbaren Boden einer wissenschafts-affinen Bürgerschaft: „Wenn wir hier populärwissenschaftliche Veranstaltungen organisieren, ist die Resonanz der Bevölkerung immer enorm.“

Standort-Nachteil: Schlechte Flugverbindungen

Auch das – im Bundesvergleich – recht dichte Kita-Netz in Dresden lobten die Forscher als Standortvorteil. Sie kritisierten allerdings die schlechten internationalen Flugverbindungen von und in die sächsische Landeshauptstadt.

Mittlerweile ist die sächsische Landeshauptstadt nicht nur eines der wichtigsten Mikroelektronik-Zentren Europas, sondern hat sich national und international auch einen guten Ruf als wichtigster Standort für Material-, Nano- und Organikelektronik- sowie Medizinforschung erarbeitet. Und das hat nicht nur mit langen Wissenschaftstraditionen und Weichenstellungen zu DDR-Zeiten zu tun, sondern auch mit wirtschafts- und wissenschaftspolitischen Entscheidungen von Land und Bund in der Nachwendezeit.

Freistaat lockte mit Startgeld Forschungsesellschaften an

Denn zunächst wurde der Internationalisierungskurs des Forschungsstandortes nach der politischen Wende vor allem durch die bundesweit nahezu einzigartige Dichte von Instituten außeruniversitärer Forschungsgesellschaft von Helmholtz über Fraunhofer und Max Planck bis hin zu Leibniz-Gemeinschaft gestützt. „Das ist auch auf klare Bekenntnisse des Freistaates“, glaubt Prof. Andreas Leson, Vizechef des „Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik“ (IWS) in Dresden-Gruna. „Denn um zum Beispiel Fraunhofer-Institute wie unseres anzusiedeln, ist eine Startausstattung durch das jeweilige Land notwendig – und Sachsen war da agiler als andere ostdeutsche Länder.“

Und der Zufluss fähiger Wissenschaftler aus dem In- und Ausland in solche Institute hat wiederum die Internationalisierung der TU Dresden vorangetrieben, die zu DDR-Zeiten zwar gute Beziehungen gen Osten, aber kaum in Richtung Westen hatte. Durch die Berufung außeruniversitärer Forscher an die Uni, den Austausch von Studenten und Doktoranden und gemeinsame Lehrveranstaltungen war freilich nicht von Anfang an eine Selbstverständlichkeit: „Uni-Professoren sind ja nicht alle solche Fettweis-Typen, die vernetzt sind und auch mit der Wirtschaft eng zusammenarbeiten“, meint Wieland Huttner, einer der Direktoren des Planck-Instituts für Genetik in Anspielung auf den TU-Professor Gerhard Fettweis, der die Exzellenz-Bewerbung der Dresdner Uni wesentlich mit vorangetrieben hat. „Da gab es schon manche Kollegen, die Angst vor der Zusammenarbeit hatten und Bedenken, dass wir der TU die besten Doktoranden und Studenten wegnehmen“. Diese Startschwierigkeiten hätten sich aber längst gegeben.

Uni und Institute teilen sich in Geräte-Investitionen

Inzwischen sei man sogar so weit, dass sich Uni und Planck-Institute gemeinsam Geräte anschaffen, um sie besser auszulasten. „Ein DNA-Sequenzer etwa kostet rund eine halbe Million Euro, wird aber in der Regel nur zu 20 Prozent ausgelastet“, nennt Dr. Ivan Baines vom Genetikinstitut ein Beispiel. „Mittlerweile tun wir uns bei solchen Anschaffungen mit den Uni-Kollegen zusammen.“

Auch gemeinsame Neubauten sind längst kein Tabu mehr. Dazu gehört das Bio-Innovationszentrum in der Johannstadt, in der TU-Genetiker, Planck-Forscher und deren Ausgründungen sowie weitere Bio-Firmen sitzen, aber auch das Max-Bergmann-Zentrum für Biomaterialien, in dem TU-Forscher und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Polymerforschung (IPF) zusammen arbeiten. Und von dieser Kooperation haben auch die Studenten etwas. „Wir bringen zum Beispiel mit unseren Lehrkräften rund 100 Semesterwochenstunden an der TU ein“, betont IPF-Direktorin Prof. Brigitte Voit.

Sabine v. Schorlemer. Abb.: Land Sachsen

Sabine v. Schorlemer. Abb.: Land Sachsen

Auch Sachsens Wissenschaftsministerin Sabine Schorlemer (parteilos) zeigte sich erfreut über die enge Kooperation über Uni-Schranken hinweg. „Dass die TU Dresden kürzlich den Zuschlag als Exzellenz-Uni bekommen hat, ist wesentlich auf diese Verschränkung zwischen TU und außeruniversitären Instituten zurück zu führen“, ist sie überzeugt. Heiko Weckbrodt

Zahlen und Fakten:

– In Ostdeutschland hat Dresden die höchste Akademikerquote: 17,4 Prozent der Dresdner haben einen Hoch- oder Fachhochschulabschluss. Im deutschlandweiten Vergleich entspricht dies Platz 5. Einige Vergleichsstudien gehen sogar von einer Akademiker-Quote von rund 20 Prozent aus, was Dresden bundesweit an die Spitze setzen würde.

– Hier sind zwölf Fraunhofer-Institute und -einrichtungen angesiedelt – bundesweit ein Spitzenwert. Außerdem gibt es hier drei Max-Planck-Institute, fünf Leibniz-Institute und ein Helmholtz-Zentrum.

– Neben der TU Dresden gibt es neun weitere Hochschulen

– In Dresden sind rund 42.000 Studenten immatrikuliert, davon etwa 36.500 an der TU

Kategorie: Forschung

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Heiko Weckbrodt hat Geschichte studiert, arbeitet jetzt in Dresden als Wirtschafts- und Wissenschaftsjournalist und ist Chefredakteur und Admin des Nachrichtenportals Oiger. Er ist auch auf Facebook, Twitter und Google+ zu finden.

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