Alle Artikel mit dem Schlagwort: Diktatur

Der Einband von "Wir sind ein Volk! – Oder? Die Deutschen und die deutsche Einheit", herausgegeben von Freya Klier. Abb.: Herder-Verlag

„Die einen wurden Lehrmeister, die anderen Lehrlinge“

Im Sammelband „Wir sind ein Volk! – Oder?“ reflektieren 20 Akteure 30 Jahre deutsche Einheit Herbert Wagner kann sich noch gut an diesen Vorabend der deutschen Wiedervereinigung vor 30 Jahren entsinnen: Der Elektronikingenieur war Oberbürgermeister von Dresden geworden und saß nun in seinem Dienstzimmer und lauschte der neuen Zeit entgegen: „Vor dem Dresdner Rathaus flogen vereinzelte Feuerwerkskörper“, erinnert er sich an den 2. Oktober 1990. „Wer nicht bis Mitternacht warten konnte, ließ bereits die Sektkorken knallen.“

In der Volksrepublik Bubunne, die nicht nur in ihren Fahnen an Nordkorea erinnert, herrscht die Diktatur der Frauen. Szenenfoto: Pandastorm

„Jacky im Königreich der Frauen“: Geschlechter-Klamauk in der Pferdchen- Volksrepublik

Französische Komödie kehrt Rollenbilder um In der Volksrepublik Bubunne laufen die Dinge etwas anders lang als bei uns: Die Männer müssen Ganzkörperschleier tragen und kochen, die Frauen gehen in die Fabriken und fahren Panzer. Ponys und Pferde sind die heiligen Kühe diesem Matriarchat, das verdächtig an Nordkorea erinnert. Der junge Jacky (Vincent Lacoste) nimmt dieses System als gottgegeben – er ist kein Rebell wie sein Onkel, der Macho-Gigolo Julin (Michel Hazanavicius). Seinen Ausweg aus der Trostlosigkeit eines Wüstendorfes sieht der junge Mann in der künftigen Diktatorin Bubunne XVII. (Charlotte Gainsbourg), in die er sich unsterblich verliebt hat. Doch seine Vettern behandeln ihn wie ein Aschenputtel und wollen verhindern, dass er sich der Herrscherin in spe auf dem großen Ball in der Hauptstadt vorstellt…

"Dreamfall Chapters" punktet mit poetisch anmutenden Bilderwelten. Abb.: BSF

„Dreamfall Chapters“: Die „Längste Reise“ geht weiter

Norwegisches Episoden-Adventure holt kämpferische Zoë nach acht Jahren aus dem Koma Am Ende der längsten Reise, der „Longest Journey“, schien der Kampf gegen die übermächtigen Zukunftskonzerne in der Cyberpunk-Welt „Stark“ und gegen die düsteren Magier in der Gegenwelt „Arkadia“ verloren: Verraten von ihrer Mutter, sank Zoë Castillo zum Schluss des Erfolgs-Adventures „Dreamfall – The Longest Journey“ vor acht Jahren ins Koma einer Traummaschine. Und ihr zweites Ich in Arcadia, April Ryan, wurde von den Pfeilen des Gegners hingestreckt. Doch nun endlich erzählt der norwegische Spiele-Entwickler Tørnquist die schön-traurige Geschichte weiter: Im Episoden-Aventure „Dreamfall Chapters“ wecken wir Zoë aus ihrem Tiefschlaf und nehmen den Kampf gegen die Diktatur der Technologiekonzerne wieder auf.

Abb.: Piper-Verlag

Die Welt ist ein unterirdischer „Silo“

US-Autor Hugh Howey entwirft in seiner Sci-Fi-Dystopie eine Diktatur auf 150 Etagen Die Welt ist ein Silo, 150 Stockwerke tief in die Erde gegraben. Ein paar Hundert oder Tausend Menschen leben darin, wer weiß das schon genau? Die Bürgermeisterin vielleicht oder der Silo-Sheriff ganz oben, in der obersten Etage, direkt unter der Erdoberfläche. Oder die IT-Abteilung mit ihren immer brummenden Servern im 34. Sub-Stockwerk. Die Mechaniker, Versorgungsarbeiter und Hydroponik-Gärtner in den unteren Etagen, die so gut wie nie in ihrem Leben den mühsamen Aufstieg über die schier endlose Wendeltreppe wagen, bestimmt nicht. Juliette ist eine von ihnen – und sie ist anders. Sie beginnt Fragen zu stellen, fragt, woher die IT-Abteilung ihre allesbeherrschende Macht im Silo bezieht. Wozu die tödlichen „Reinigungen“ gut sind, bei denen aufmüpfige Silosklaven in nutzlosen Schutzanzügen in den Tod auf die Oberfläche geschickt werden. Warum Menschen sterben, die Fragen stellen, so wie sie. Erzählt wird diese klaustrophobisch-dystopische Sci-Fi-Story über die Menschheit nach der Apokalypse von Hugh Howey. Und sein Buch „Silo“ ist in mehrerer Hinsicht etwas ganz Besonderes.