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Umfrage: Gorbi brachte DDR zu Fall, nicht der Westen

Michael Gorbatschow brachte die DDR zu Fall, sind 33 Prozent der Deutschen überzeugt. Fotos: DDR-Regierung, Wikipedia (GNU-Lizenz), Yuryi Abramochkin/ Nowosti, Wikipedia, CC3-Lizenz, Montage: hw
Michael Gorbatschow brachte die DDR zu Fall, sind 33 Prozent der Deutschen überzeugt. Montage: hw Fotos: DDR-Regierung, Wikipedia (GNU-Lizenz), Yuryi Abramochkin/ Nowosti, Wikipedia, CC3-Lizenz

Stiftung Aufarbeitung ließ Deutsche befragen

Berlin, 3. November 2014: Es war in erster Linie Michael Gorbatschows Reformpolitik von „Perestroika“ (Umbau) und „Glasnost“ (Transparenz), die die DDR zusammenbrechen ließ, meint ein Drittel der Deutschen – und damit eine relative Mehrheit der Bürger in Ost wie West. Das hat eine „infratest“-Telefonumfrage unter 1015 Bundesbürgern im Auftrag der Berliner „Bundesstiftung Aufarbeitung“ ergeben. An zweiter Stelle wurde die ostdeutsche Wirtschaftskrise genannt, während nur etwa jeder Zehnte die Politik des Westens oder die Oppositionsbewegung innerhalb der DDR als wichtigste Gründe für den politischen Kollaps der SED-Diktatur nannte.

Eppelmann: Mauerfall durch Bürger erzwungen

Rainer Eppelmann. Foto: Stiftung Aufarbeitung
Rainer Eppelmann. Foto: Stiftung Aufarbeitung

„Ohne Gorbatschow wäre die Oppositionsbewegung in der DDR möglicherweise gescheitert“, schätzte Stiftungs-Vorsitzender Rainer Eppelmann ein – der Pfarrer und spätere CDIU-Politiker galt vor 1989 selbst als Protagonist der Opposition. „Klar ist aber auch, dass die Mauer nicht gefallen ist, weil die Herrschenden in der DDR plötzlich einsichtig geworden wären. Die Grenzöffnung ist von den Bürgern der DDR in den Kirchen und auf der Straße erzwungen worden.“

Grafik: Stiftung Aufarbeitung
Grafik: Stiftung Aufarbeitung

Interesse an DDR-Vergangenheit lässt nach

Allerdings lässt ein Vierteljahrhundert nach dem Mauerfall das Interesse der Deutschen an der DDR-Vergangenheit spürbar nach. Das spiegelt sich beispielsweise in sinkenden Anträgen auf Akteneinsicht in der Stasi-Unterlagenbehörde, aber auch in der „infratest“-Umfrage. Dort nämlich plädierten 60 Prozent der Befragten dafür, den Blick lieber nach vorne zu richten. Nun 38 Prozent wünschen sich, mehr über die DDR-Geschichte zu erfahren.

Jüngere wollen allerdings mehr erfahren

Bemerkenswert allerdings: Unter den jüngeren Deutschen im alter zwischen 14 und 29 Jahren, die die DDR selbst nicht mehr (bewusst) erlebt haben, haben 58 Prozent ein verstärktes Interesse an diesem Abschnitt der deutschen Geschichte. Und der ist längst noch nicht auserzählt und so erforscht, wie gemeinhin angenommen wird: „Viele mögen glauben, dass zur DDR alles gesagt sei“, hatte erst jüngst Günther Heydemann, der Direktor des Dresdner Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung (HAIT), im Oiger-Gespräch eingeschätzt. „Doch das ist ein Trugschluss.“ Autor: Heiko Weckbrodt

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

Heiko Weckbrodt hat Geschichte studiert, arbeitet jetzt in Dresden als Wirtschafts- und Wissenschaftsjournalist und ist Chefredakteur und Admin des Nachrichtenportals Oiger. Er ist auch auf Facebook, Twitter und Google+ zu finden.

2 Kommentare zu „Umfrage: Gorbi brachte DDR zu Fall, nicht der Westen

  • SHARP

    Dass Glasnost und Perestroika nicht aus purer Menschenfreude getrieben wurden sondern ganz reale Gründe hatten (die für sich schon so ausgeprägt waren, dass Gorbatschows Politik 1985 viel zu spät kam), stellt der Artikel doch gar nicht in Abrede.
    (Konkret macht er zu den Gründen von Gorbatschows Reformen keine Aussage.)

    Der Auftrieb für die innere Opposition war aber bedeutend. Nach meiner persönlichen Beobachtung waren sogar weite Teile der bewaffneten Kräfte 1989 so pro-Perestroika eingestellt, dass der Einsatz von Waffengewalt in der DDR relativ schnell nach hinten losgegangen wäre.

  • Wolf-D. Soppart

    Schwachsinn! Gorbatschow hat den gesetzmäßigen Zerfallsprozess nur beschleunigt.

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