Kriegsfolgen treffen jeden Tag immer mehr Branchen

IHK Dresden erwartet schwere Wirtschaftsschäden für Sachsen durch US-Angriff gegen Iran
Dresden, 25. März 2026. Der israelisch-amerikanische Angriffskrieg gegen den Iran richtet in der sächsischen Wirtschaft erheblichen Schaden an. Das geht aus einer Einschätzung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Dresden hervor.
„Entwicklung im Nahen Osten erfüllt uns mit großer Sorge“
„Die Entwicklung im Nahen Osten erfüllt uns mit großer Sorge“, erklärt IHK-Präsident Andreas Sperl. „Die direkten und indirekten Folgen betreffen mit jedem Tag immer mehr Branchen.“

Paralysierte Golfregion ist für einige Schlüsselzulieferungen schwer ersetzbar
Zwar seien weder Israel noch der Iran mit 210 beziehungsweise 28 Millionen Euro Exportwert zentrale Außenhandelspartner für den Freistaat, räumt der Kammerpräsident ein. Aber rechne man die teilweise paralysierte Golfregion ein, dann kommen noch mal über eine halbe Milliarde Euro Handelsvolumen dazu. Außerdem sind einige Schlüsselzulieferungen auf die Schnelle nur schwer ersetzbar für Branchen, die im Freistaat und Mitteldeutschland eine wichtige Rolle spielen, ergänzt IHK-Sprecher Lars Fiehler: Die Chipindustrie braucht Helium unter anderem aus Katar – wobei die Dresdner Chipfabriken auf solche Abhängigkeiten bereits seit einige Zeit durch mehr Helium-Recycling reagieren. Essentielle Grundstoffe für die Petrochemie und Düngeindustrie kommen ebenfalls aus der Golfregion. Auch braucht die Elektronikindustrie Brom als Flammschutzmittel für die Leiterplatten-Fertigung. Und dafür sind Israel und Jordanien die wichtigsten Quellen.
Vom Taxi über die Chipfabrik bis zum mobilen Pflegedienst: Probleme fressen sich durch immer mehr Teile der Wirtschaft
Hinzu kommen die erheblichen Kostensteigerungen für Speditionen, Taxis, mobile Pflegedienste, international verkettete Industriezweige und andere Branchen: durch die stark gestiegenen Dieselpreise, unterbrochene und verzögerte Lieferketten, Konsumzurückhaltung sowie all jene Preissteigerungen, die sich seit dem US-Angriff durch alle Zuliefernetze fressen. Zudem sei damit zu rechnen, dass durch die Preisbildungsmechanismen in Deutschland auch die ohnehin hohen Strompreise hierzulande noch einmal einen Sprung nach oben machen, prognostiziert die Kammer.
Unternehmen versuchen schon seit Corona, ihre Lieferketten krisenfester zu machen
Zwar hätten Teile der sächsischen Wirtschaft aus den Lieferketten-Krisen durch Corona, die Suezkanal-Blockade und den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine dazugelernt und sich zusätzliche Zulieferquellen erschlossen, betont IHK-Hauptgeschäftsführer Lukas Rohleder. „Als Kammer unterstützen wir diese Diversifizierung. Aber aus eigener Erfahrung in der freien Wirtschaft weiß auch IHK-Präsident Sperl, dass dies oft leichter gesagt als getan ist: „So etwas lässt sich nicht von heute auf morgen machen“, sagt er. „In manchen Branchen dauert es Jahre, bis ein neuer Schlüsselzulieferer gefunden und zertifiziert ist.“
IHK: Bund soll Energiesteuer senken
Als Antwort auf die Preistreiberei an der Zapfsäule, die Endverbraucher wie Unternehmen empfindlich trifft, fordert die IHK Dresden nun ein schärferes Vorgehen der Kartellbehörden gegen die Öl-Multis, Energiesteuer-Senkungen durch den Bund sowie weitere Bemühungen von Land, Bund wie auch von den Unternehmen, sich durch zusätzliche Wind- und Solaranlagen oder andere Quellen unabhängiger von den Preisspekulationen auf den Energiemärkten zu machen. „Ein Zuwachs erneuerbarer Energien würde uns krisenfester machen“, ist Sperl überzeugt. Allerdings müssten Netz- und Energiespeicher-Ausbau damit Schritt halten. Auf kurze Sicht sei zudem womöglich mit einem gegenteiligen Trend zu rechnen, wenn der Flächenbrand im Nahen und mittleren Osten nicht bald endet: „Wenn sich alle anderen Energieträger verteuern, wird Kohle im nächsten Winter wieder eine größere Rolle spielen“, prognostiziert Rohleder.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: IHK DD, Silicon Saxony, Oiger-Archiv, Bundesumweltministerium

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