Ifo: Wirtschaft erholt sich endlich (leicht)
Auslastung steigt, neue Freihandels-Verträge und VW-Erholung sorgen für Hoffnung
München, 10. Februar 2026. Langsam häufen sich die Indizien für eine leichte Erholung der deutschen Wirtschaft: In Umfragen beginnt sich das Geschäftsklima zu verbessern und nun beginnt sich Auslastung der Produktionskapazitäten zu steigern. Die ist laut einer Erhebung des Ifo-Instituts aus München im Januar 2026 auf 83,6 Prozent etwas gestiegen.
Ifo-Konjunkturchef sieht „Beginn einer Erholung“
„Den konjunkturellen Tiefpunkt hat die deutsche Wirtschaft offenbar hinter sich gelassen und steht am Beginn einer Erholung“, meint Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. „Allerdings liegt der Auslastungsgrad immer noch um über zwei Prozentpunkte unter seinem langfristigen Durchschnitt.“

Autoindustrie besser ausgelastet
Die Signale aus Industrie, Handel, Bau und Dienstleistungssektor bleiben ohnehin widersprüchlich. Die niedrigsten Werte seien im Januar in der Textil- (70,3 Prozent) und Lederindustrie (65 Prozent), die höchsten in der Autoindustrie (82,3 Prozent) zu beobachten gewesen, berichtet Ifo. Im Bauhauptgewerbe lag die Kapazitätsauslastung mit auch unter dem langjährigen Durchschnittswert, das hat aber auch mit dem besonders kalten Winter zu tun.
Freihandels-Abkommen, VW-Erholung und stützende Impulse aus Wachstumsbranchen
Die zarten Stabilisierungs-Signale dürften auch psychologische Gründe haben: Die Merz-Regierung hat ein paar kleinere Reformen auf den Weg gebracht, die EU hat neue Freihandelsverträge jenseits der USA vereinbart, unter anderem mit Indien und Südamerika. Das dürfte das Vertrauen einiger Unternehmer gestärkt haben, dass sich Investitionen in Deutschland wieder lohnen könnten. Zudem hat sich das Zugpferd der deutschen Industrie, der Automobilbau, wieder etwas gefangen. Beispielsweise haben sich die Stromerverkäufe von Volkswagen nun doch etwas verbessert. Zudem gibt es auch Branchen, die stabilisierend wirken. Konkret für Sachsen hatten die IHKs dafür erst kürzlich die Mikroelektronik, Medizintechnik und KI-Systeme als Beispiele genannt.
Nur Note 4 für Wirtschaftspolitik von Merz-Regierung
Einen Aufschwung am Horizont belegen diese Indizien aber nicht. Soloselbstständige und Kleinstunternehmen gaben der Wirtschaftspolitik der Merz-Regierung die Schulnote „4“. Auch hatte eine andere Ifo-Umfrage vor wenigen Tagen gezeigt, dass die deutsche Industrie an Wettbewerbsfähigkeit verloren hat – und zwar langfristig. 53 Prozent der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer gehen mittlerweile davon aus, dass die Technologieführerschaft künftig vom Ausland übernommen wird oder bereits übernommen wurde – vor allem durch Wettbewerber aus China und den USA. Das geht aus einer Studie von Allensbach und FTI-Andersch hervor. „Dass eine Mehrheit der Maschinenbauer den Verlust der Technologieführerschaft erwartet, hätte vor wenigen Jahren noch als undenkbar gegolten“, betont Philipp Oemler von FTI-Andersch den Ernst der Lage. „Wir sehen das im Markt heute schon in einigen Fällen wie beim Werkzeug- und Spritzgussmaschinenbau.“ Gefragt seien „gezielte Anpassungen von Geschäftsmodellen, Portfolios und Wertschöpfung an die neuen Wettbewerbsrealitäten“.
Viele verlagern Produktion ins Ausland
Als Antwort auf die zunehmenden strukturellen Brüche setzen laut der Umfrage viele Maschinen- und Anlagenbauer „auf eine Kombination aus technologischen, organisatorischen und strategischen Anpassungen“: 72 Prozent verlagern Produktionsschritte in Regionen mit niedrigeren Kosten oder bereiten dies vor. Viele Unternehmen bauen aber auch zusätzliche Software- und KI-Kompetenzen auf und richten ihr Geschäft stärker auf spezialisierte Nischenmärkte aus.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: Ifo, Oiger-Archiv, Allensbach, FTI-Andersch

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