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Elektroautos-Absatz legt weltweit um ein Viertel zu

Qualität und Service bleiben zwar umstritten, doch technologisch fahren die Chinesen fahren den deutschen Autobauern voran - vor allem im Stromer-Sektor. Einige Modelle von BYD mit Range Extender kommen laut Unternehmensangaben auf über 1000 Kilometer Reichweite. Foto: BYD
Qualität und Service bleiben zwar umstritten, doch technologisch fahren die Chinesen fahren den deutschen Autobauern voran – vor allem im Stromer-Sektor. Einige Modelle von BYD mit Range Extender kommen laut Unternehmensangaben auf über 1000 Kilometer Reichweite. Foto: BYD

Trendforce-Analyse sieht chinesische Hersteller weit vorn

Taipeh, 24. November 2025. Der weltweite Absatz von Elektroautos und Hybriden legt in diesem Jahr um ein Viertel auf 20,4 Millionen Wagen zu. Das prognostiziert das Marktanalyse-Unternehmen „Trendforce“ aus Taipeh und stützt sich dabei auf die bisherigen Quartalsergebnisse. Für 2026 erwarten die Analysten einen weiteren Absatz-Zuwachs um zwölf Prozent.

BYD behauptet Position als Marktführer

Marktführer im Segment der „Neue-Energien-Vehikel“ (NEVs), zu denen die Chinesen sowohl Akku-Stromer wie auch Hybride zähle, bleibt laut Trendforce mit großem Abstand BYD: Der chinesische Platzhirsch kommt derzeit auf einen globalen Marktanteil von 15,4 Prozent. Elon Musks US-Konzern „Tesla“ sehen die Analysten bei 13,4 Prozent und damit auf Rang 2. Die Folgeplätze teilen sich dann wieder chinesische Hersteller: SAIC-GM-Wuling, Geely, Leapmotor und Xpeng. Erst auf Platz 7 und damit weit abgeschlagen landet mit Volkswagen ein europäischer Konzern. VW sei vor allem „aufgrund deutlicher Rückgänge in China“ so weit abgerutscht, heißt es in dem Marktbericht.

Teilmarkt für Stromer mit Reichweiten-Verlängerer boomt

Speziell in China spielen neben Stromern mit Akku als Energiequelle auch Hybride wieder eine große Rolle. Im Segment der „Plug-in-Hybridfahrzeuge“ (PHEV) sieht Trendforce zwar im Reich der Mitte „eine zunehmende Marktsättigung und einen harten Wettbewerb“, der auch Marktführer BYD trifft. Aber als Wachstumsmarkt gelten derzeit vor allem „Elektrofahrzeuge mit Reichweitenverlängerung“ (REEVs). Dabei handelt es sich um Modelle, in denen der Antrieb elektrisch, die Energiequelle jedoch eine Verbrenner-Maschine ist. Viele chinesische Kunden schätzen an dem Konzept vor allem zwei Vorteile: Range-Extender-Autos erreichen erhebliche Reichweiten von über 700, teils sogar über 1000 Kilometern und sie sind nicht auf Ladesäulen angewiesen – wichtig vor allem auf dem Lande, aber auch in unterversorgten Stadtvierteln mit hohem Anteil von großen Mietwohngebäuden. Erst kürzlich hatte auch der ehemalige Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD) für einen stärkeren Hybrid-Fokus in der kriselnden sächsischen Autoindustrie plädiert.

Marktführerschaft begann mit simplen Elektrofahrrädern und Blei-Akkus

Hintergrund der chinesischen Dominanz im NEV-Markt: Chinas Wirtschaft war bereits in den 1990er Jahren massiv in die Elektromobilität eingestiegen, damals vor allem über die Produktion simpel gestrickter Elektrofahrräder. Aus diesen Erfahrungen, Nachfrage- und Skalierungseffekten schöpften die Chinesen später bei der Entwicklung hochwertiger, exportfähiger E-Bikes, Elektromopeds und schließlich von Elektroautos. Als zweite Entwicklungslinie kam die preiswerte Massenproduktion von Akkumulatoren hinzu, die durch die niedrigen Energiepreise – wichtig zum Beispiel für die langen Elektroden-Trockungsstrecken – begünstigt wurde. Dies führte zu besonderen Kosten- und Expertise-Vorteilen der chinesischen Industrie bei der E-Auto-Fabrikation: Unternehmen wie BYD vereinen erfolgreiche und großformatige Akku- wie auch Stromer-Produktion in einem Konzern und können dadurch ganz anders als die westliche Konkurrenz an der Kostenschraube und an den Fahrzeug-Parametern drehen. Zudem gelten die Chinesen längst als Experten darin, Neuerungen weltweit zu kopieren, aber auch eigene Innovationen hervorzubringen und dann sehr schnell in eine preiswerte Massenproduktion zu überführen.

Inzwischen

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Trendforce, Oiger-Archiv, Wikipedia, Deutsche Welle, VDA

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger