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„Voll homomorphes Rechnen“: Cyberagentur will Daten gar nicht erst entschlüsseln

Hinter der voll homomorphen Verschlüsselung steckt die Idee, Daten gar nicht erst zu dechiffrieren und sie dennoch analysieren zu können. Abb.: KI ChatGPT, Prompt: Heiko Weckbrodt
Hinter der voll homomorphen Verschlüsselung steckt die Idee, Daten gar nicht erst zu dechiffrieren und sie dennoch analysieren zu können. Abb.: KI ChatGPT, Prompt: Heiko Weckbrodt

Quantentechnologie eröffnete neue Gefahren, aber auch Chancen gegen neugierige Spione

Halle, 2. Oktober 2025. Quantentechnologien versprechen zwar abhörsichere Telefonate und andere Kommunikation, die einfach nicht zu knacken ist. Erfahrungsgemäß finden Hacker aber Angriffspunkte selbst in solchen Fällen – und die sind meist an den Endpunkten solcher Kommunikationsstrecken zu finden: Um sich über eine Quantenverbindung zu unterhalten oder Informationen auszutauschen, liegen diese Töne beziehungsweise Daten spätestens dort im Klartext vor, wo die größte Schwachstelle sitzt: beim Menschen. Dieses Einfallstor will nun die Bundes-Cyberagentur in Halle durch das Projekt „Encrypted Computing“ (EC2) schließen.

Konzept: Daten liegen nie im Klartext vor und werden auch für Verarbeitung nicht dekodiert

Die Forscher setzen dabei auf „Voll homomorphe Verschlüsselung“. Diese „Fully Homomorphic Encryption“ (FHE) bedeutet: Wenn Partner, die einander nicht 100pro vertrauen, verschlüsselte Daten über sichere Leitungen austauschen, dann werden diese Daten auch für die Verarbeitung beim Empfänger gar nicht erst dekodiert. Bisher scheiterte diese Idee meist am exorbitanten Aufwand, um eine Analyse der geschützten Daten zu ermöglichen, ohne dass diese im Klartext vorliegen. „Verfahren aus dem Bereich der voll-homomorphen Verschlüsselung basieren beispielsweise auf mathematischen Problemen, die nach derzeitigem Kenntnisstand selbst durch Quantencomputer nicht effizient lösbar sind“, heißt es in der Projektbeschreibung der Cyberagentur. „Diese gelten daher als quantensicher und werden – nach derzeitigem Stand – als besonders zukunftssicher angesehen.“

Einsatz beim Militär und in Geheimdiensten, aber auch für Schutz von Gesundheitsdaten denkbar

Als Anwendungsszenarien gelten beispielsweise die Verarbeitung verschlüsselter Gesundheits- und Behörden-Daten, aber auch der FHE-Einsatz im Militärsektor und beim industriespionage-sicheren Cloud-Computing in der Wirtschaft.

„Eine Schlüsseltechnologie, um Vertrauen in einer zunehmend digitalisierten und von Quantencomputern bedrohten Welt zu sichern“
Professor Zoltán Mann von der Uni Halle-Wittenberg

Und die Zeit drängt: Da eine praktisch nutzbare Quantenkommunikation über größere Entfernungen nach und nach in greifbare Nähe rückt, ebenso der Einsatz von Quantencomputern als universelle Code-Knacker wächst auch der Bedarf an abgesicherten Lösungen für die Endpunkte vermeintlich „abhörsicherer“ Leitungen. Insofern sei verschlüsselte Datenverarbeitung eine Schlüsseltechnologie, um Vertrauen in einer zunehmend digitalisierten und von Quantencomputern bedrohten Welt zu sichern, betonte Cybersicherheits-Professor Zoltán Mann von der Uni Halle-Wittenberg während einer Fachtagung in der Cyberagentur in Halle.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Bundes-Cyberagentur, Wikipedia, Oiger.de

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger