Innovative Pilotanlage säubert Bergbau-Abwasser

Freiberger Kaskade arbeitet autonom und versorgt sich selbst mit Energie
Freiberg, 18. September 2025. Um schmutziges Abwasser aus Alt-Bergbauhalden zu säubern, haben Freiberger Forscher einen autonomen Filter konstruiert. Der versorgt sich über eine Solaranlage und Akkus selbst mit Strom, filtert Schwefel, Alu, Cadmium und andere Bergbaureste aus dem Wasser – und neutralisiert es auch gleich noch. Das geht aus einer Mitteilung der Bergakademie Freiberg hervor, die das Projekt „Mindmontan“ gemeinsam mit der Geos-Ingenieurgesellschaft und dem Förderverein Montanregion Erzgebirge vorangetrieben hatte. Die Pilotanlage läuft nun an der Spülhalde Hammerberg und soll Vorbild für weit größere Reinigungsanlagen weltweit werden.
Sickerwässer auch 50 Jahre nach der Stilllegung noch kontaminiert
„Die Sickerwässer, mit denen wir hier arbeiten, sind auch mehr als 50 Jahre nach der Stilllegung der Spülhalde noch stark durch Aluminium, Cadmium, Zink, Mangan und weitere Metalle kontaminiert“, erklärt die Freiberger Projektleiterin Prof. Sabrina Hedrich. „Außerdem sind sie durch niedrige pH-Werte und hohe Sulfatkonzentrationen belastet. Auch wenn für Menschen keine Gefahr besteht, müssen wir dringend Lösungen finden, um die Belastung für die Natur zu minimieren.“
1. Stufe neutralisiert saures Wasser
Die nun vorgestellte Anlage arbeitet nach dem Kaskadenprinzip: Von Speicherbehältern aus fließt das Wasser durch die kaskadenartig aufgebaute Behandlungsanlage, wo es Schritt für Schritt gereinigt wird. In der ersten Behandlungsstufe wird der pH-Wert des sauren Wassers mit Hilfe eines Kalksteinfilters von zirka 4,9 auf neutrale pH-Werte zwischen 6,5 und 7,0 angehoben. Dabei fällt auch das im Wasser gelöste Aluminium als Aluminiumhydroxid aus und kann aufgefangen werden.
Erklärvideo (Mindmontan):
Bioreaktor holt Metalle aus dem Abwasser
Die zweite Behandlungsstufe ist ein sogenannter Bioreaktor, in dem sich eine Mischung aus Kalkstein, Holzchips, Stroh und Kompost befindet – der sogenannte Biomix. Er bietet beste Lebensbedingungen für Bakterien, die aus dem Sulfat des Sickerwassers Hydrogensulfid produzieren. Dieses sorgt wiederum dafür, dass die enthaltenen Metalle als Metallsulfide ausgefällt und im Biomix zurückgehalten werden. Die dritte und letzte Stufe ist ein Pflanzenbecken, das als natürliche Kläranlage restliche Schadstoffe und Schwebstoffe aus dem Wasser filtert.
„Naturbasierte, passive Wasserbehandlungstechnologien sind dringend erforderlich“
Christine Stevens vom sächsischen Umweltamt
Ein Hintergrund für das Projekt ist die EU-Wasserrahmenrichtlinie, laut der bis 2027 alle europäischen Gewässer einen guten ökologischen und chemischen Zustand erreicht haben sollen. „Allein in Sachsen verfehlen über 1300 Kilometer an Bächen und Flüssen den guten Zustand aufgrund der bergbaubedingten und teilweise sehr hohen Metallbelastungen, die vom Entstehungsort flussabwärts weitertransportiert werden. Besonders betroffen sind die Einzugsgebiete der Freiberger und Zwickauer Mulde“, erklärt Christine Stevens, Referentin für Gewässerschutz vom Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. „Kostengünstige und langfristig nachhaltige Lösungen, wie die im Projekt Mindmontan entwickelten naturbasierten, passiven Wasserbehandlungstechnologien sind dringend erforderlich. So können die Umweltauswirkungen des hiesigen historischen und potenziellen neuen Bergbaus minimiert werden.“
Quelle: Bergakademie Freiberg

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