Handwerker kritisieren Sachsens Industriefokus

Kammer fordert vom Wirtschaftsminister Kurswechsel
Dresden, 27. August 2025. Die sächsische Wirtschaftspolitik soll sich künftig stärker aufs Handwerk statt die Industrie fokussieren. Das hat die Dresdner Handwerkskammer in einem sogenannten „Brandbrief“ an Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) und die Fraktionsvorsitzenden im Landtag gefordert.
„Wer das Handwerk verliert, verliert nicht nur Wirtschaftskraft – er verliert regionale Stabilität“
Aus dem Brief der Handwerkskammer Dresden
„Die sächsische Wirtschaftspolitik scheint sich allein auf industriepolitische Ansätze zu konzentrieren“, kritisiert darin die Kammer. „Viele Handwerksmeisterinnen und Handwerksmeister fragen, wer in der aktuellen Koalition sich um die Belange von Handwerk und Mittelstand kümmert.“ Ein Richtungsschwenk sei gesamtgesellschaftlich dringend nötig: „Wer das Handwerk verliert, verliert nicht nur Wirtschaftskraft – er verliert regionale Stabilität, soziale Balance und den Kern einer funktionierenden Demokratie.“
Handwerker wollen weniger Sozialabgaben, Bürokratie und Energiekosten
Notwendig sei ein Kurswechsel, der die Bedürfnisse kleiner und mittlerer Betriebe in den Fokus rückt. Die Handwerker fordern vor allem weniger Sozialabgaben, geringe Energiekosten und bürokratischen Lasten. Außerdem wünscht sich die Handwerkskammer weitere sächsische Programme zur Fachkräftesicherung, „schnelle Investitionen in Infrastruktur und Bildung sowie pragmatische Unterstützungen bei Betriebsnachfolgen“.
Konflikt um Leuchtturm-Politik in Sachsen schwelt schon seit Dekaden
Hintergrund: Schon seit Jahrzehnten schwelt in Sachsen ein Konflikt um hohe Subventionen für Chipfabrik-Ansiedlungen und ähnliche Hilfen für die Industrie-Leuchttürme. Viele Handwerker und Mittelständler kritisieren diesen wirtschaftspolitischen Kurs und wollen, dass der Freistaat kleine Unternehmen viel mehr unterstützt – echte Mittelständler nach gesamtdeutschen Maßstäben gibt es in Ostdeutschland ohnehin kaum.
Bröckelt noch junges Bündnis zwischen Chipindustrie und Regionalwirtschaft?
Noch vor kurzem schien der Konflikt zwischen Handwerkern und Industrie ein Stück weit entschärft, als Mikroelektronik-Unternehmen und Handwerkskammer – vermittelt durch die Staatsregierung – eine Art Bündnispakt vor allem in der Fachkräfte-Frage schlossen. In diesem Zuge räumten die Kammervertreter auch die belebenden wirtschaftlichen Impulse der großen Fabs für die gesamte Wirtschaft in Sachsen ein. Zudem haben beide Seiten viele ähnliche Forderungen gemeinsam: Die hohen Energiekosten und Sozialabgaben beispielsweise ärgern den Bäcker genauso wie die Mikroelektronik-Fabrik.
Fachkräftegewinnung, aus Berlin verordnete Mindestlohn-Sprünge, ausufernde Berichtspflichten und andere Bürokratie-Auswüchse belasten kleinere Unternehmen freilich viel stärker, weil sie überproportional viel Zeit, Personal und andere Ressourcen binden. Wohl auch, weil bei vielen Handwerkern inzwischen die Schmerzgrenze erreicht ist, fordern deren Interessenvertreter nun wieder lautstärker mehr Hilfen für Bäcker, Fleischer, Dachdecker & Co. ein.
Autor: Oiger
Quellen: HWK DD, Oiger-Archiv

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