„Licht am Ende des Tunnels“: Wirtschaftsforscher heben Prognose an

Neue Hoffnung nach Regierungswechsel, aber auch Aufrüstung und privater Konsum sorgen für Impulse
Kiel/München/Halle, 12. Juni 2025. Getrieben von Aufrüstung, mehr Zuversicht und steigenden Konsumausgaben, sieht die deutsche Wirtschaft nun endlich wieder „Licht am Ende des Tunnels“, schätzt das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) ein. Daher haben das IfW wie auch Ifo in München sowie das „Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle“ (IWH) ihre Prognosen für Deutschland endlich wieder angehoben, statt sie stetig herunter zu korrigieren, wie es seit Corona und der Ampel-Zeit usus war.
Demnach legt die deutsche Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 0,3 bis 0,4 Prozent zu – statt nur um 0,1 Prozent, wie noch im Frühjahr prognostiziert. Das ist zwar weit weniger als die Wachstumsraten in Ländern wie China (Prognose: 4,8 Prozent) oder Vietnam (Prognose: 7 Prozent), aber doch endlich ein Hoffnungsschimmer für die lange Zeit in der „Multikrise“ gefangenen deutschen Unternehmen. Größte Unsicherheitsfaktoren bleiben aber nach wie vor die sprunghafte Zollpolitik und die Wirtschaftskriege von US-Präsident Donald Trump gegen den Rest der Welt.
Optimismus speist sich aus Kurswechsel in Berlin
„Die Krise der deutschen Wirtschaft hat im Winterhalbjahr ihren Tiefpunkt erreicht“, meint Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. „Ein Grund für den Wachstumsschub sind die angekündigten Fiskalmaßnahmen der neuen Bundesregierung.“ Der zunehmende Optimismus speise sich „vermutlich auch aus der Hoffnung, dass mit der neuen Koalition der wirtschaftspolitische Stillstand endet und es im Handelsstreit mit den USA zu einer Einigung kommen wird“.
IfW: Industrie hat nach zweijähriger Abwärtsfahrt die Talsohle erreicht
Ähnlich sieht das IfW-Konjunkturchef Stefan Kooths aus Kiel: „Die Frühindikatoren bestätigen unsere Einschätzung, dass die Industrie nach zweijähriger Talfahrt nun – auf niedrigem Niveau – ihren Boden gefunden hat.“ Die Aufwärtssignale kommen laut Kooths vor allem vom deutschen Binnenmarkt und nicht aus dem Außenhandel, wie sonst üblich: „So steigt der private Konsum nach zweijähriger Durststrecke wieder merklicher, und auch die Unternehmensinvestitionen drehen nach und nach ins Plus.“
Trumpsche Wirtschaftskriege bleiben größtes Risiko – und ziehen Welthandel abwärts
Speziell auch für Ostdeutschland sehen die Hallenser IWH-Ökonomen einen Wachstumstrend: Sie gehen für die ostdeutsche Wirtschaft von einem Wachstum um 0,4 Prozent im Jahr 2025 sowie um 0,9 Prozent im Jahr 2026 aus. Aber auch sie sehen für das volkswirtschaftliche Wohl und Wehe der gesamten Bundesrepublik die größten Risiken durch Trump-Attacken und die darauf folgenden Reaktionen aus Peking, Brüssel, Berlin et cetera: „Ein erhebliches Risiko für die deutsche Konjunktur liegt in einer möglichen Eskalation der US-Handelskonflikte“, warnt IWH-Konjunkturchef Oliver Holtemöller. Weiter heißt es in der IWH-Prognose: „In der zweiten Jahreshälfte 2025 wird der Welthandel aufgrund der Zollerhöhungen in den USA wohl deutlich zurückgehen. Unter der in dieser Prognose getroffenen Annahme, dass die Handelskonflikte nicht eskalieren, kommt es aber zu keiner Rezession. Alles in allem steigt die Weltproduktion nach vorliegender Prognose in den Jahren 2025 und 2026 um jeweils 2,3%.“
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: Ifo München, IfW Kiel, IWH, Invest in Germany, Oiger-Archiv

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