Neue Kreislauf-Plaste mit Sollbruchstellen fürs Recycling

Chemie-Großforschungszentrum CTC lockt „Aevoloop“ nach Leipzig
Delitzsch/Leipzig, 20. Mai 2025. Damit sich Kunststoffe künftig leichter wiederverwerten lassen, baut das junge Unternehmen „Aevoloop“ eine Art „Sollbruchstellen“ in die Moleküle ein. Um diese Technologie für den Massenmarkt weiterzuentwickeln, siedelt sich die Firma nun in Leipzig an – in der Nähe des neuen Großforschungszentrums „Center for the Transformation of Chemistry“ (CTC) in Delitzsch. Das geht aus Mitteilungen des CTC und der Bundes-Sprungagentur „Sprind“ aus Leipzig hervor.
Erfolg der Kunststoffe wurde ihr Manko: Plaste-Müllflut war bei Erfindung nicht absehbar
Hintergrund: Plaste, Elaste und andere Kunststoffe sind an für sich breit nutzbar und auch auf absehbare Zeit kaum völlig ersetzbar. Zum Umweltproblem sind sie eben gerade wegen ihres massenhaften Einsatzes geworden, weil die Recycling-Methoden mit diesem Wachstum nicht Schritt gehalten haben: „Kunststoffe wurden in den 1950er Jahren erfunden, aber seitdem nie wieder grundlegend molekular verändert“, argumentiert Philipp Kessler, der „Aevoloop“ gemeinsam mit dem Erfinder Manuel Häußler ursprünglich in Konstanz gegründet hat. „Sie wurden einfach nicht für heutige Probleme designt, Recycling war kein Thema, diese immense Plastikflut nicht absehbar.“

Neue Kunststoffe gleich für Wiederverwertung designt
Daher entwickelte Häußler ein Verfahren, um Plasteabfall zu oxidieren, dadurch dessen lange Molekülketten in kleine Teile zu zerlegen und die dann wieder zu Polymeren zu verketten – aber eben mit besagten „Sollbruchstellen“. Die machen den Kunststoff laut Aevoloop weder kurzlebiger noch instabiler. Sie können jedoch in einem chemischen Recyclingverfahren gezielt wieder geöffnet werden und können dadurch womöglich unendlich oft wiederverwenden, sei es nun in der Spritzgießmaschine, im 3D-Drucker oder Extruder. „Man könnte einen Schnuller aus unseren Kunststoffen machen und zum 18. Geburtstag wird ein Autositz daraus – und die molekularen Bausteine wären immer noch im gleichen Kreislauf“, zitiert „Sprind“ die Aevoloop-Gründer. Als Ausgangsstoffe dienen Chemikalien auf Basis einer symbiotischen Co-Kultur aus Algen und Hefe, die sich wiederum aus altem Speiseöl oder Plaste-Abfall ernähren.
Pilotanlage geplant
Von Sprind hat die Firma eine knappe Million Euro Anschubfinanzierung bekommen, inzwischen beschäftigt Aevoloop 14 Menschen. Nun steht für die Gründer eine Pilotanlage auf der Agenda – und die Nachbarschaft zum neuen CTC könnte dabei helfen. Das wiederum ist eines von zwei Großforschungszentren, das Bund und Land mit ihren Kohleausstiegs-Geldern finanzieren.
Autor: hw
Quellen: Sprind, Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung/CTC, Aevoloop

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