Fraunhofer plant Instituts-Neubau in Dresden-Reick

„IVV“ soll 2026 die erste größere Ansiedlung im lang geplanten Wissenschaftspark Ost werden
Dresden, 29. April 2025. In Dresden-Reick baut Fraunhofer ab dem kommenden Jahr einen neuen Forschungskomplex. Entsprechende DNN-Informationen hat nun die Fraunhofer-Gesellschaft auf Anfrage bestätigt. „In der Tat ist ein Neubau für den Standort Dresden des Fraunhofer-Instituts für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV geplant“, heißt es dazu von der Forschungsgesellschaft aus München.
Millioneninvestition absehbar
Konkrete Details wie die Investitionssumme oder die geplante Kubatur wollte Fraunhofer zwar noch nicht nennen. Aber es dürfte sich wohl um zweistelligen Millionenbetrag handeln und ein mehrgeschossiges Gebäude, das Labore, Technika und Büros umfasst. Entstehen soll der Neubau im Wissenschaftspark Dresden-Ost. Die wäre dann auch die erste größere Ansiedlung in dem entstehenden städtischen Gewerbegebiet zwischen Reicker Straße, Lohrmannstraße und Bahndamm, das seit Jahren nur langsam konkrete Formen annimmt.

IVV-Forscher sind auf Maschinenbau und nachhaltige Reinigungsprozesse spezialisiert
Im IVV Dresden entwickeln Ingenieure um den Maschinenbau-Experten Prof. Jens-Peter Majschak an neuen Verpackungs- und Verarbeitungsanlagen, Reinigungsprozessen sowie digitalen Automatisierungslösungen für Lebensmittelhersteller, Kosmetik, Pharmaindustrie und andere Branchen. Sie benötigen dafür beispielsweise Analyselabore, Technika für die Erprobung neuer Roboter und Anlagen-Reinigungssysteme, Versuchsstände für besonders leicht zu öffnende Verpackungen und dergleichen mehr. Der Dresdner Institutsteil residiert bisher an der Heidelberger Straße im Gewerbegebiet Coschütz-Gittersee, in dem es kaum noch Ausbau-Reserven gibt. Im Wissenschaftspark Ost hingegen sind die Fraunhofer-Forscher voraussichtlich die ersten, die sich dort ansiedeln, und bekommen damit mehr Platz für ihre Forschungen und perspektivisch auch Raum für künftige Erweiterungen.
Später Etappensieg für Ex-Wirtschaftsbürgermeister Hilbert absehbar
Für Wirtschaftsbürgermeister Jan Pratzka (CDU) und auch Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) ist die geplante Ansiedlung ein wichtiger Etappenerfolg: Am Wissenschaftspark Ost an der Reicker Straße doktoren die städtischen Wirtschaftsförderer schon seit weit über zehn Jahren herum. Das Projekt geht noch auf die Zeit zurück, als Hilbert Wirtschaftsbürgermeister war. Ursprünglich befand sich auf dem Areal um den Rudolf-Bergander-Ring ein Plattenbauviertel, das nach der Wende peu à peu abgerissen wurde. Geblieben sind davon nur wenige Reste wie eine Schule und das Domizil des Kindernotdienstes.

Ursprünglich sollte Gewerbegebiet mehr als doppelt so groß werden
Hilbert wollte ursprünglich ringsherum rund 45 Hektar Gewerbeflächen entwickeln und eine Straßenverbindung unter dem Bahndamm hindurch zum Fraunhofer-Campus an der Winterbergstraße schaffen. Denn von den dortigen Energietechnik-Forschern gab es viele Ausgründungspläne, daher war auch zunächst ein Energietechnologie-Schwerpunkt für den Wissenschaftspark Ost vorgesehen.
Bahnunterführung auch nach jahrelangen Verhandlungen nicht in Sicht
Gegen die ambitionierten Pläne gab es jedoch Widerstand von Kleingärtnern und anderen Anliegern. Zudem hat die Stadt bis heute keine Erlaubnis für eine Bahndamm-Unterführung bekommen. Und für den Ausbau der – ursprünglich nur für ein Wohngebiet konzipierten – Anliegerstraßen und anderer Erschließungsprojekte rückte der Stadtrat über die Jahre hinweg nur einen Teil der veranschlagten Summen heraus. Folge: Seit über einer Dekade geht es mit dem Wissenschaftspark Ost nur in homöopathischen Dosen voran.
„Beim Planungsrecht sind wir inzwischen recht weit fortgeschritten“
Steffen Rietzschel, Amtsleiter Wirtschaftsförderung Dresden
Nun aber ist Wirtschaftsförderungs-Chef Steffen Rietzschel überzeugt, genug infrastrukturelle und bürokratische Hürden ausgeräumt zu haben, um 2026 die ersten Firmen und Institute ansiedeln zu können. Dafür soll unter anderem auch noch eine Erschließungsstrecke von der Lohrmannstraße aus entstehen. „Beim Planungsrecht sind wir inzwischen recht weit fortgeschritten“, gibt sich Rietzschel vorsichtig optimistisch. Von der Hilbert-Vision, hier einen der größten Gewerbeparks von Dresden zu schaffen, ist indes nicht mehr viel übrig geblieben: Der Wirtschaftsförderer peilt inzwischen nur noch eine Größe von rund 20 Hektar als Zielgröße an.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: FHG, LHD, Oiger-Archiv
Das Fraunhofer IVV arbeitet unter anderem auch an Roboter-Greifer, die Obst sortieren, ohne es zu zerquetschen.
Messung von Plastik-Emissionen mit Chemosensoren im Fraunhofer IVV.

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