IWH-Prognose: Ostdeutsche Wirtschaft kriselt besonders

Demografischer Wandel und fehlende Rüstungsindustrie verlängern Flaute im Osten
Halle/Görlitz, 15. April 2025. Weil Ostdeutschland weniger Rüstungsbetriebe hat als der Westen, der demografische Wandel in der ehemaligen DDR zudem stärker wirkt als im Rest der Republik, wird die deutsche Wirtschaftsflaute den Osten in diesem und im kommenden Jahr besonders deutlich treffen. Das geht aus einer Prognose des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) hervor. Ohne den wachsenden Berliner Dienstleistungssektor wäre die Lage in Ostdeutschland laut dieser Analyse noch prekärer.
Makroökonom Holtemüller: Schwund an Arbeitskräften belastet die ostdeutsche Wirtschaft zunehmend
„In den kommenden Jahren wird der demographisch bedingte Schwund an Arbeitskräften die ostdeutsche Wirtschaft zunehmend belasten“, meint IWH-Maroökonomiker Oliver Holtemöller. Schon im vergangenen Jahr sei die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten im Osten um 0,1 Prozent zurückgegangen, während sie im Westen um 0,4 Prozent zugelegt habe. „Zudem dürfte das Gros der Rüstungsinvestitionen in Westdeutschland erfolgen, denn dort liegen die Schwerpunkte der deutschen Rüstungsindustrie“, betonen die Hallenser Forscher. „Alles in allem dürfte die Produktion in Ostdeutschland im Jahr 2025 stagnieren (Deutschland +0,1%). Im Jahr darauf ist die Expansion nach vorliegender Prognose mit 1,1% um zwei Zehntel Prozentpunkte geringer als in Deutschland insgesamt.“
Große Teile von Ostdeutschland demografisch und industriell ausgeblutet
Hintergründe: Seit der Wende sind viele Fachkräfte mangels Perspektiven aus Ostdeutschland weggezogen, darunter besonders viele junge Frauen. Andererseits hat es nur vergleichsweise Zuzügler gegeben. Daher durchläuft der Osten die Überalterung der Gesellschaft und andere Effekte des demografischen Wandels in höherem Tempo als die alten Bundesländer. Zudem ist in ostdeutschen Flächenländern wie Meckpomm nur noch wenig Industrie übrig geblieben, hier spielt die binnenmarkt-orientierte Wirtschaft wie etwa Einzelhandel längst die dominierende Rolle. Von dem Trumpschen Handelkriegen, dem Krise der deutschen Autoindustrie sowie anderen Industrie- und Außenhandels-Problemen sind diese Bundesländern daher ein Stück weit abgekoppelt – aber haben auch weniger davon, wenn die Weltwirtschaft wieder anspringt. Ausnahmen sind ein Stück weit Sachsen und Thüringen mit Mikroelektronik, Autofabriken, Optikwerken und anderen Industriebranchen sowie der Brandenburger Speckgürtel um Berlin und der Dienstleistungssektor in der Bundeshauptstadt selbst.
Wenig Impulse für den Osten durch deutsche Aufrüstung erwartet
Ein Großteil der deutschen Unternehmen wiederum, die mindestens teilweise militärische Güter herstellen, sind in Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz und NRW konzentriert. Solche Betriebe gibt es hingegen in ganz Ostdeutschland nur wenige, etwa der Waffenhersteller Haenel in Suhl oder das KNDS-Werk in Görlitz. Von daher dürfte der Osten auch nur wenig vom erwarteten Sonderaufschwung durch die deutsche Aufrüstung profitieren.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: IWH, Wikipedia, Oiger-Archiv, SWR

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