Ifo Dresden: Wuchernder Staatsapparat ist Gift für Privatwirtschaft und verzögert Innovationen

Statt auf den demografischen Wandel mit Digitalisierung zu antworten, heuern Bund, Länder und Kommunen immer mehr Leute an
Dresden, 19. Februar 2025. Während Industrie und andere produktive Unternehmungen wegen der Wirtschaftsflaute, wachsende Bürokratie und zu schnell wachsender Kosten im Wochentakt Tausende Stellen streichen, gibt es einen Sektor in Deutschland, der weiter wächst: die Bürokratie. Und das ist in vielerlei Hinsicht Gift für das Land, wie das Ifo-Institut in Dresden in einer Studie herausgearbeitet hat.
Staat entzieht produktiven Sektor Fachkräfte und bindet immer mehr Steuergelder
Denn die Bürokratie mit ihren wuchernden Regelwerken bindet nicht nur immer Ressourcen in den Betrieben und schwächt ihre Wettbewerbsfähigkeit, sondern verschärft mit ihrem Personalhunger auch die Fachkräfteprobleme in der Privatwirtschaft und verzögert längst überfällige Rationalisierungs- und Digitalisierungsschübe in Deutschland. „Überdies steigen die Kosten, weil sich die Löhne der öffentlich Beschäftigten an denen der Privatwirtschaft orientieren, ohne gleichermaßen produktiver zu werden“, warnt Ifo-Forscher Marcel Thum. „Diese zusätzlichen Kosten müssen die Steuerzahler tragen.“

Auch in Sachsen verschläft Staat den demografischen Wandel
Und der öffentliche Sektor zeige auch kaum eine Neigung, sich an die demografische Entwicklung und vor allem die schrumpfende Zahl der Erwerbstätigen anzupassen, betont der Finanzwissenschaftler. So wachsen seit etwa 2007 die Personalstärken bei Bund, Ländern, Kommunen und Sozialversicherungen stetig an – von damals noch knapp unter vier Millionen auf nun über 4,5 Millionen Beschäftigte. Auch in Sachsen, dass Ifo Dresden noch einmal besonders unter die Lupe genommen hatte, sei die Entwicklung „nicht wesentlich anders“, schreibt Thum in seinem Aufsatz „Verschläft der öffentliche Sektor die Anpassung an den demografischen Wandel?“. Da die Bevölkerung in Sachsen zurückging, hätte auch das Personal im öffentlichen Sektor reduziert oder konstant gehalten werden müssen, meint der Forscher. „Tatsächlich ist die Beschäftigtenzahl je 1000 Einwohner seit 2007 nahezu kontinuierlich angestiegen.“ Zwar sei der Wunsch nachvollziehbar, zum Beispiel mehr Lehrer und Polizisten zu haben – doch dann müsse der öffentliche Sektor eben Personal anderswo einsparen.

Politisches Alltagsgeschäft führt zu Anheuerwellen – die dann Jahrzehnte nachwirken
Dass der Staat personell wächst, während Bevölkerung und Einnahmen schrumpfen, folge wiederkehrenden Mustern, meint Thum: „Eine Erklärung liegt sicher im politischen Druck, zusätzliche Personalmittel in die Bereiche zu lenken, die in der öffentlichen Debatte gerade hoch im Kurs stehen“, argumentiert er. „Fallen viele Unterrichtsstunden aus, müssen neue Lehrerinnen eingestellt werden, weil dies einfacher ist als die Ursachen für den Unterrichtsausfall – zum Beispiel ein hoher Krankenstand – zu beheben. Machen Einbrüche und Diebstähle Schlagzeilen – ganz egal ob die tatsächliche Kriminalitätsrate steigt oder nicht –, muss der Polizeiapparat aufgestockt werden. Das neue Personal ist dann aber für 30 oder 40 Jahre eingestellt. Einen Personalabbau gibt es im öffentlichen Sektor anders als in der Privatwirtschaft kaum.“
„Diese Entwicklung überfordert auf Dauer die Steuerzahler“
Dies binde nicht nur Steuermittel und Personal, sondern verhindere auch strukturelle Innovationen, warnt der Ifo-Forscher: „Während Unternehmen Automatisierung nutzen und Arbeitsprozesse verschlanken, werden im öffentlichen Dienst neue Stellen geschaffen, statt alte Aufgaben und Prozesse zu hinterfragen“, meint Thum. „Diese Entwicklung überfordert auf Dauer die Steuerzahler. Sie gefährdet langfristig aber auch die gesamte Wirtschaft, da ihr der öffentliche Sektor die Arbeitskräfte entzieht. Damit verschärft er den Fachkräftemangel in der gesamten Wirtschaft.“ Stattdessen müsse die öffentliche Verwaltung endlich die Digitalisierung vorantreiben, um mit den Effizienzgewinnen Personal einzusparen.
Autor: hw
Quelle: Ifo Dresden
Wissenschaftliche Publikation:
„Verschläft der öffentliche Sektor die Anpassung an den demografischen Wandel?“ von Marcel Thum, in: „ifo Dresden berichtet“, 1/25, Fundstelle im Netz hier

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