Brückeneinsturz und Wirtschaftsflaute verhageln Sachsens Hafenbilanz

SBO-Gütertransporte per Schiff sind um 5,5 % geschrumpft – Retter war der kombinierte Verkehr per Lkw und Zug
Dresden, 12. Februar 2025. Die deutsche Wirtschaftsflaute und der Einsturz der Carolabrücke in Dresden haben den „Sächsischen Binnenhäfen Oberelbe“ (SBO) die Bilanz verhagelt: Insgesamt schlugen die SBO-Häfen in Dresden, Riesa, Torgau, Mühlberg, Decin und Lovosice im Jahr 2024 rund 2,65 Millionen Tonnen Güter um – und damit 1,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Das hat SBO-Chef Heiko Loroff heute im Alberthafen Dresden mitgeteilt. Auch die Umsätze seien gesunken, dennoch habe der Verbund unterm Strich einen Gewinn erwirtschaftet.
Wasserstraße Elbe war nach Einsturz der Carolabrücke 5 Monate dicht
Vor allem das ursprüngliche Kerngeschäft schwächelt: Mit Binnenschiffen schlug die Hafengruppe nur noch 106.120 Tonnen Waren und Material um. Das waren 5,64 Prozent weniger als im Vorjahr. „Der Teileinsturz der Carolabrücke im September 2024 und die damit verbundenen Auswirkungen einer fast fünfmonatigen Sperrung der Wasserstraße Elbe“ seien dafür wesentlich verantwortlich, hieß es vom Unternehmen. Hinzu komme „die allgemeine schwierige wirtschaftliche Lage zurückzuführen, welche die in den Häfen ansässigen Unternehmen stark beeinflusst“.
Investitionen in Schnell-Umschlag zwischen Container-Laster und Zug bessern Bilanz auf
Umso mehr haben sich die SBO-Investitionen der vergangenen Jahre in neue Umschlaganlagen für den kombinierten Transport per Eisenbahn und Lkw ausgezahlt: „Beim Güterverkehr per Eisenbahn erreichte der Hafenverbund mit insgesamt 1,21 Millionen Tonnen den dritthöchsten Eisenbahngüterumschlag in seiner Geschichte“, berichtet Hafen-Kapitän Loroff. Erheblich waren vor allem die Zuwächse in den Häfen Dresden mit +43,86 %, in Torgau mit +129,44 % und Lovosice mit +26,92 %. „Hier wurden vor allem Trailer, Holzprodukte, Schrott, Getreide, Sojaschrot, Düngemittel und Salz per Waggon umgeschlagen“, heißt es vom Unternehmen.
Trailerport 2 im Alberthafen Dresden kostete 5,7 Millionen Euro
Gerade in Dresden hatten die SBO zuletzt mehrere Millionen Euro investiert, um den schnellen Container-Umschlag von Lastern auf Güterzüge und umgekehrt auszubauen. So hat der „Trailerport“ im Alberthafen Dresden insgesamt 20.371 Lkw-Sattelauflieger mit einem Volumen von rund 500.000 Tonnen per Eisenbahn verladen – ein Plus von über einem Viertel. Angesichts der steigenden nach Bahntransporten im kombinierten Verkehr gerecht zu werden, baute das Unternehmen für 5,7 Millionen Euro einen zweiten Trailerport auf der Südseite des Dresdner Hafens. Dieser zweite Schnell-Umschlagplatz zwischen Straße und Schiene ging Mitte 2024 in Betrieb.
Auch in Riesa sind Millioneninvestitionen in kombinierten Verkehr geplant
Mit Blick auf die steigende Nachfrage wollen die SBO nun auch im Hafen Riesa ein neues Terminal für den „kombinierten Verkehr“ (KV) bauen. Bis 2028 soll dort ein trimodales Terminal mit sechs Ladegleisen für den Schienenverkehr, Containerumschlag- und Zwischenabstellbereiche, zwei Container-Vollportalkräne für den Umschlag zwischen Binnenschiff, Eisenbahn und Lkw sowie Straßenanbindungen für den Lkw-Zubringerverkehr entstehen. Zwar hat der Umweltverband „BUND“ dieses neue Terminal wiederholt als unnötig, lärm- und umweltbelastend kritisiert. Loroff dagegen sieht eine starke Nachfrage dafür und hat inzwischen auch einen Planfeststellungsbeschluss für das neue KV-Terminal in Riesa in der Tasche.
Autor: hw
Quellen: SBO, Oiger-Archiv

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