HalbleiterindustrieNewsWirtschaftspolitikzAufi

US-Chipindustrie findet Chinas Antworten auf US-Wirtschaftskrieg „besorgniserregend“

Die US-Mikroelektronik - hier ein Intel-Wafer - dominiert mit 55 % Anteil ganz klar den Halbleiter-Weltmarkt. Europas Antel wrd auf nur 6 % geschätzt. Foto: Intel
Die Regierung in Washington will die US-Mikroelektronik, die an Wettbewerbsfähigkeit verloren hat, durch Subventionen und Wirtschaftskriege wieder aufzupäppeln. Da die Chinesen mit gleicher Münze antworten, wirft ihnen die Biden-Regierung unfaire Praktiken vor. Foto: Intel

Washington, 3. Januar 2024. Die US-Halbleiterindustrie ärgert sich darüber, dass China auf die Boykotte und Wirtschaftskriege der USA mit dem Versuch reagiert, sich von amerikanischen Zulieferungen unabhängiger zu machen. Der Branchenverband „Semiconductor Industry Association“ (SIA) reagierte damit auf Ankündigungen der Biden-Administration, eine „Handelsuntersuchung gemäß Abschnitt 301“ einzuleiten, um ihren Sanktionskurs gegen China verschärfen zu können.

Amerikaner verärgert: Chinesen wollen sich nach US-Boykotten von US-Chips unabhängiger machen

„Peking arbeitet daran, durch angebots- und nachfrageseitige Maßnahmen eine ‚unabhängige und kontrollierbare‘ Halbleiterindustrie in China zu entwickeln“, argumentiert SIA-Präsident John Neuffer in Washington. „Besonders besorgniserregend“ findet er, dass die Chinesen nun mit gleicher Münze heimzahlen wollen, was die Amerikaner ihnen vorgemacht haben. Speziell gehe es dabei um „die jüngsten Forderungen in China, die Beschaffung von US-Chips einzuschränken, und die damit verbundenen Behauptungen, amerikanische Chips seien ,nicht mehr sicher oder zuverlässig’“. Eben dies hatte die US-Regierung in der Vergangenheit gerne als Argument verwendet, um chinesische Technologieprodukte zu boykottieren oder mit hohen Strafzöllen zu belegen.

„Angesichts der Verbreitung von Halbleitern in unserer gesamten Wirtschaft – von alltäglicher Unterhaltungselektronik und Autos bis hin zu militärischen Systemen und KI-Rechenzentren – fordern wir das Büro des US-Handelsbeauftragten dringend auf, bewusst vorzugehen und während des gesamten Prozesses eng mit der Industrie zusammenzuarbeiten“, fordert nun SIA-Chef Neuffer. „Damit Amerika der weltweite Wirtschafts- und Technologieführer bleibt, müssen wir in der Halbleitertechnologie führend sein und belastbare Lieferketten für kritische Vormaterialien aufbauen, die in der Chipproduktion verwendet werden.“ Dabei werde der Verband auch mit dem neuen Präsidenten Donald Trump zusammenarbeiten.

US-Präsident: Chinesen sind unfair, weil sie auch ihre Halbleiterindustrie fördern

Zuvor hatte US-Präsident Joe Biden den Chinesen „unfaire Handelspraktiken im Halbleitersektor“ vorgeworfen, vor denen er die US-Chipindustrie schützen müsse. Speziell ärgert er sich darüber, dass die Wirtschaftsplaner in China ähnlich wie die USA ihre eigene Halbleiterindustrie subventionieren, ausbauen und unabhängiger von Amerika machen wollen. Damit reagieren die Chinesen auf milliardenditierte Subventionsprogramme von Trump und Biden für die US-Halbleiterindustrie und die wachsenden Exportverbote von Chips und Chipfertigungs-Anlagen gen China. Trotz dieser Versuche der US-Regierung, ein Erstarken der chinesischen Mikroelektronik mit protektionistischen Mitteln zu verhindern, legen die Chipfabriken im Reich der Mitte in puncto Technologie und Produktionsvolumen weiter zu. Mittlerweile haben die Chinesen eine recht starke Position in der Produktion älterer Chips aufgebaut. Zudem entwickeln sie zunehmend auch eigene Halbleiter-Anlagen, um trotz Embargo in die Sub-10-Nanometer-Welt vorzudringen.

Dies stuft Biden als „unfair“ ein und will den Wirtschaftskrieg gegen China verschärfen. Unter anderem möchte er Behörden verbieten, bestimmte chinesische Technologieprodukte zu kaufen, außerdem inländische Hersteller bei Aufträgen bevorzugen lassen und auch Länder jenseits der USA auf den Anti-China-Kurs einschwören. Letzteres könnte unter anderem darauf hinauslaufen, dass die USA den Druck auf „befreundete“ Staaten verstärken, die Chinesen nicht mehr zu beliefern und von ihnen weniger zu kaufen.

Autor: Oiger

Quellen: SIA, US-Präsidentenbüro

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger