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Keine der weltweit 50 patentstärksten Unis befindet sich in der EU

Alexander Lee präpariert ein Experiment in der Cfaed-Abteilung für oragnische Bauelemente. Foto: Heiko Weckbrodt
Alexander Lee präpariert an der Exzellenzuni Dresden ein Experiment in der Cfaed-Abteilung für oragnische Bauelemente. Foto: Heiko Weckbrodt

Studie von IfW Kiel und TU Danzig zeigt auch innerhalb Europa große Ungleichgewichte

Kiel/Danzig/Dresden, 20. Dezember 2024. Die EU-Staaten drohen wissenschaftlich-technisch immer mehr den Anschluss zur Weltspitze zu verlieren, wenn man die akademische Erfindungsstärke zugrunde legt. Das geht aus einer Studie unter Leitung des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel hervor. Demnach melden über 70 Prozent der europäischen Unis melden gar keine Patente an. Zudem „befindet sich keine Hochschule aus einem EU-Mitgliedstaat unter den 50 weltweit führenden Patenthochschulen, die von den USA und China dominiert werden“, warnen die IfW-Forscher. Zudem konzentrieren sich die wenigen patentstarken Unis vor allem in nur vier EU-Ländern: in Deutschland, Frankreich, Belgien und der Schweiz.

„Starke Polarisierung der Hochschulpatente“

„Die starke Polarisierung der Hochschulpatente in Europa gibt Anlass zu großer Sorge. Patente sind wichtige Instrumente für den Technologietransfer und dienen als Schlüsselindikatoren für das Wissen, das von den Universitäten auf den Markt gelangt“, betont Studien-Mitautorin Aleksandra Parteka von der TU Danzig. „Um den wirtschaftlichen, sozialen und politischen Zusammenhalt in Europa zu fördern, muss sichergestellt werden, dass kein Land und keine Region in der Innovationslandschaft zurückbleiben.“

Seit Brexit ist EU nicht mehr in Top 50 vertreten

Trotz eines stetigen Anstiegs der Patentanmeldungen von europäischen Universitäten im Laufe der Zeit konnte sich laut IfW nur die Universität Oxford und das Imperial College London unter den Top 50 der Welt platzieren. „Nach dem Brexit ist keine Universität aus einem EU-Mitgliedstaat mehr in der Rangliste vertreten.“

„Verheißt nichts Gutes für Wettbewerbsfähigkeit Europas“

„Das Fehlen von EU-Universitäten in der Spitzengruppe ist äußerst besorgniserregend und verheißt nichts Gutes für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit Europas“, ergänzt Holger Görg vom IfW Köln. „Angesichts drohender Handelskriege sowohl mit den USA als auch mit China muss die EU schnell und umfassend handeln: Forschungskooperationen mit Großbritannien nach dem Brexit fördern und eine schnellere Kommerzialisierung der universitären Forschung in Europa durch weniger Bürokratie und mehr Mittel unterstützen.“

USA und China führend

Wie sich die Weltlage beim Wissenstransfer geografisch von Europa weiter weg verschoben hat, zeigt die Dominanz der Nordamerikaner und Chinesen: Von den 50 Universitäten, die zwischen 2020 und 2022 weltweit an der Spitze standen, befinden sich 19 in den USA und 18 in China. Was wiederum auch zeigt, dass die Behauptung, Chinas Wirtschaft wachse nur durch Plagiate und Dumping-Löhne, schon lange nicht mehr zu halten ist.

In der Top 100 hält Dresden für Ostdeutschland die Fahne hoch

Ein etwas differenziertes Bild ergibt sich, wenn man weiter zurück blickt und das Spitzenfeld etwas weiter fasst und die 100 patentstärksten Unis weltweit in den Jahren 1980 bis 2019 betrachtet: Hier steht vor allem Deutschland vergleichsweise gut da, aber auch Frankreich, die Schweiz und die Benelux-Staaten. Ostdeutschland taucht hier insbesondere mit der Exzellenz-Uni Dresden in der Top 100 auf.

Quelle: IFW Kiel

Wissenschaftliche Publikation:

„A dataset on knowledge creation and patenting by European Higher Education Institutions (KC-HEI)“ von Aleksandra Parteka, Piotr Płatkowski, Sabina Szymczak und Joanna Wolszczak-Derlacz, in: GUT FME Working Paper Series A, No. 2/2024 (73), Fundstelle im Netz hier

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger