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China überholt Deutschland bei Roboterdichte

Blick auf einen Roboter-Greifarm im Meleghy-Werk Reinsdorf. Foto: Heiko Weckbrodt
Foto: Heiko Weckbrodt

Reich der Mitte weiter auf Automatsierungskurs

Frankfurt am Main, 21. November 2024. China hat Deutschland bei der Industrie-Roboterdichte überholt. Das hat die „Internationale Förderation für Robotik“ (IFR) in Frankfurt am Main mitgeteilt. Demnach werkeln im Reich der Mitte inzwischen 470 Einheiten pro 10.000 Beschäftigten in Industriebetrieben, in Deutschland sind es 429. Das Überholmanöver hatten Branchenverbände bereits seit einiger Zeit vorhergesagt.

Erst 2019 war China überhaupt in die Top-10 aufgerückt

„China hat massiv in Automatisierungstechnik investiert und rangiert bei der Roboterdichte 2023 nach Südkorea und Singapur auf dem dritten Platz, vor Deutschland und Japan“, erklärte IFR-Präsident Takayuki Ito. „Das ist besonders bemerkenswert, weil China erst 2019 die Top-10 im weltweiten Ranking erreicht hatte.“

Roboterdichte im internationalen Vergleich. Grafik: IFR
Roboterdichte im internationalen Vergleich. Grafik: IFR

Lohndumping-Zeiten in China schon lange vorbei

Dies mag man als Indiz dafür sehen, dass Deutschland immer weniger imstande ist, mit der internationalen Entwicklung in seinem ehemaligen Kernsektor – der Industrie – mitzuhalten. Oder eben als Hinweis, dass die Zeiten, in denen China seine Produkte nur durch „Dumping-Löhne“ international zu Kampfpreisen verkaufen konnte, schon lange vorbei sind: Durch Automatisierung, Skalierung und Innovationen ziehen die Chinesen an immer mehr klassischen Industrieländern vorbei, bügeln auch nach und nach ihre altbekannten Qualitätsprobleme aus. Und dies in einem Tempo, von denen die Deutschen nur träumen können. Beim Durchschnittseinkommen für alle Sektoren liegt China zwar immer noch nur bei etwa einem Viertel der deutschen Werte. Doch zum Beispiel bei den Ingenieurgehältern in der Industrie gleichen sich die Niveaus immer mehr an.

Dynamik in Asien am höchsten

Generell spielt sich der Trend zur Hochautomatisierung durch Roboter derzeit nicht etwa in den klassischen Hochlohn-Ländern wie eben Deutschland am schnellsten ab, sondern in Fernost – wenn auch von einem etwas niedrigeren Niveau aus: Asien komme mittlerweile auf eine Roboterdichte von 182 Einheiten pro 10.000 Beschäftigte im verarbeitenden Gewerbe, teilte die IFR mit. „Das ist ein Anstieg von 7,6 %. Die Volkswirtschaften Südkoreas, Singapurs, Chinas und Japans gehören zu den zehn am stärksten automatisierten Ländern.“ Nordamerika liegt die Roboterdichte bei 197 Einheiten pro 10.000 Beschäftigte – ein Anstieg um 4,2 %. In der EU liegt die Roboterdichte zwar bereits bei 219 Robotern pro 100.000 Arbeitnehmern. Doch der Anstieg betrug zuletzt nur noch 5,2 Prozent. Wobei man fairerweise auch berücksichtigen muss: Auf dem Pfad zur Hochautomatisierung sind die ersten Schritte am leichtesten, die letzten Prozentpunkte aber nur mit sehr hohem Aufwand erreichbar.

Autor: hw

Quellen: IFR, Oiger.de, Eglitis-Media

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger