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Gewerkschafter kündigen Kurzdemo vor Bosch-Chipfabrik Dresden an

Bosch-Chipfabrik Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt
Bosch-Chipfabrik Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

IG Metall kritisiert: Tarifverhandlungen stagnieren

Dresden, 23. Oktober 2024. Weil die seit Juni andauernden Verhandlungen um einen Tarifvertrag mit Bosch in Dresden aus ihrer Sicht stagnieren, haben Gewerkschafter für heute Mittag eine Kurz-Demo vor den Werktoren im Dresdner Norden angekündigt. Man wolle damit „gegen die Blockadehaltung ihres Arbeitgebers in den laufenden Tarifverhandlungen protestieren“, heißt es von der Industriegewerkschaft (IG) Metall.

Gewerkschaft fordert 35-Stunden-Woche

„Auch nach vier Verhandlungsrunden ist keine Bewegung am Verhandlungstisch zu verzeichnen“, kritisieren die Gewerkschafter. „Während die Beschäftigten die Einführung der 35-Stunden-Woche sowie eine Angleichung der Entgelte an das Niveau der sächsischen Metall- und Elektroindustrie fordern, hält der Arbeitgeber an der 40-Stunden-Woche fest und erwartet vom Tarifvertrag ,Kostenneutralität’“.

Die IG Metall wiederum fordert ähnliche Mitbestimmung wie an anderen Bosch-Standorten. „Die Dresdner Sonderrolle muss beendet werden“, meint Ingenieur Andreas Fischer, der Mitglied in der Tarifkommission ist.

Bosch: Brauchen wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen

„Wir bestätigen, dass zwischen der IG Metall Dresden und der Werkleitung des Bosch Halbleiterwerks in Dresden Sondierungsgespräche zu einer Tarifbindung des Werks stattfinden“, erklärte eine Bosch-Sprecherin dazu auf Oiger-Anfrage. „Bislang konnten die Gesprächsparteien keinen Konsens zu den Verhandlungspunkten finden. Als Halbleiteranbieter brauchen wir Rahmenbedingungen, mit denen wir innerhalb der Branche und in der Region wettbewerbsfähig sind. Arbeitgeberseitig setzen wir auf eine flexible Entgeltsystematik innerhalb der bei Bosch etablierten Entgeltbänder, die sich auf den Tarifvertrag der IG Metall stützen.“

Gewerkschaften haben seit Jahrzehnten in Ostdeutschland einen schweren Stand. Das gilt auch für viele Chipfabriken in Sachsen. Insbesondere beim US-stämmigen Halbleiter-Auftragsfertiger „Globalfoundries“ hatten die Gewerkschaftler lange gebraucht, um ein Abkommen mit der Dresdner Geschäftsleitung zu erwirken. Inzwischen versuchen sich IG Metall wie auch die Bergbau-Gewerkschaft „IG BCE“, sich als Halbleiter-Gewerkschaften neu zu profilieren.

Quellen: IG Metall Dresden, Oiger-Archiv

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger