Den #kreuzknoten kann nur der Roboter dirigieren

Dresdner Sinfoniker loten zur „Hybrid-Biennale“ die Grenzen des Menschlichen und Maschinellen in der Musik aus
Dresden, 7. Oktober 2024. Mit ihrer bereits angekündigten „Robotersinfonie“ eröffnen die „Dresdner Sinfoniker“ am 12. und 13. Oktober 2024 das Festival für digitale Kunst „Hybrid-Biennale 2024“ im Festspielhaus in Dresden-Hellerau. Das haben die Musiker angekündigt, die zugleich das 25. Jubiläum ihres Ensembles feiern.
Ouvertüre ist den Datenkraken unter den Künstlichen Intelligenzen gewidmet
„Beim Geburtstagskonzert geht es um den Einfluss neuer Technologien in Kunst und Gesellschaft“, betonen die Dresdner Sinfoniker: „Ein Cobot – also eine Maschine, die per Definition mit Menschen im direkten Kontakt zusammenarbeitet – dirigiert einen Teil der neuen Kompositionen.“ Den ersten Teil des Konzertes bestreiten die Menschen noch ganz allein, widmen sich allerdings thematisch bereits den „Künstlichen Intelligenzen“ (KI): 16 Blechbläser und 4 Schlagwerker spielen zunächst das Werk „f..A..lling. l..I..nes. (better stay human)“ von Markus Lehmann-Horn als Uraufführung. Die Konzert-Ouvertüre sei dem „nun kontinuierlichen Datamining der KIs gewidmet“, erklärte der Komponist. Zugleich solle sie „möglichst schwer verdaulich für die KI-Analyse-algorythmen“ sein. Danach folgt Wieland Reissmanns „Colours of Seikilos“.
Mensch und Maschine sollen sich künstlerisch entknoten
Nach der Pause werde Dirigent Michael Helmrath die Leitung des Orchesters an den kollaborativen Roboter übergeben: „In #kreuzknoten von Wieland Reissmann, einer weiteren Urauführung, kann die Maschine ihre Fähigkeiten ausspielen“, kündigen die menschlichen Musiker an: „Zwei der drei Roboterarme leiten das Orchester durch sich überkreuzende Tempi. Während ein Teil der Musikerinnen langsam beginnt und akzeleriert, retardiert eine andere Gruppe.“ #kreuzknoten sei aufgrund seiner rhythmischen Finesse von einem Menschen nicht zu dirigieren. Der Komponist erwartet laut eigenem Bekunden voller Spannung, wie die vertrackte „Verknotung“ von den Musizierenden und den zwei Roboterarmen „entknotet“ werde.
Meisterwerk der Mikroelektronik offenbart dem Komponisten die Unverzichtbarkeit des Menschen
Daran schließe sich ein Werk an, das der Komponist und Jazz-Pianist Andreas Gundlach speziell für dieses Konzert der Dresdner Sinfoniker geschrieben habe. In „Semiconductor’s Masterpiece“ beweise der kollaborative Roboter seine Fähigkeit, „das geteilte Ensemble mit mehreren, unabhängig agierenden Armen durch komplexeste Passagen zu führen“. Der Komponist selbst meint dazu: „Beim Experimentieren mit der Robotersinfonie wurde mir immer deutlicher, welch unglaubliches Geschöpf so ein Mensch ist. Sehr komplex ist ja schon der mechanische Vorgang des Dirigierens – aber wieviel mehr noch die Frage nach Ästhetik und Geschmack.“ Für die Kunst sei der Mensch insofern „unverzichtbar“.

Die Hybrid-Biennale: Konzerte Installationen, Performances und ein Symposium
Die Hybrid-Biennale 2024 soll vom 12. bis 27. Oktober 2024 im Festspielhaus Hellerau an drei Wochenenden mit Konzerten, Installationen, Performances und einem Symposium den Wandel von künstlerischen, architektonischen und kulturellen Räumen und Prozessen im digitalen Zeitalter thematisieren, heißt es von den Veranstaltern. Dabei arbeiten Künstler, Ingenieure von Ceti-Zentrum Dresden, Schüler und weitere Akteure zusammen.
Zum Auftakt-Wochenende sind die Robotersinfonie und eine Aktion des Gymnasiums Dresden-Johannstadt geplant: Die Schüler wollen im Vermittlungsprojekt „Spot.Me“ einen Roboterhund choreografieren. Das zweite Wochenende steht dann unter dem Motto „Who‘s Your City“. Einem Gespräch der Kultursoziologin Martina Löw mit Birte Sonnenberg und der Game-Installation „Morphogenic Angels“ von KEIKEN folgt die Performance „NEW ILLUSION“ des japanischen Regisseurs und Schriftstellers Toshiki Okada. heraus. Die brasilianische Künstlerin Stefanie Egedy will mit ihrer Sound-Installation „B.A.S. Bodies and Sound“ das Festspielhaus Hellerau „um kaum ortbare und doch massive akustische Räume erweitern“. Die Ausstellung „IntercityStrudel” dokumentiert Arbeiten von Studenten der HfBK Dresden.
Am dritten Wochenende untersucht das Symposium „Black Box White Cube XR“ am 25. und 26. Oktober, wie Raumkonzepte für Musik, Darstellende und Bildende Künste im Zeitalter radikaler digitaler Transformationen weiterentwickelt werden können. Außerdem inszeniert das japanisch-französische Duos Nonotak das audiovisuelle Konzertprojekt „Shiro“ (japanisch für „weiß“).
Außerdem wollen die Biennale-Künstler in den Dresdner Stadtraum expandieren: Im Kraftwerk Mitte sind jeweils donnerstags bis samstags von 16 bis 19 Uhr Videoarbeiten zu sehen. Auch sind zwei Partys geplant: „Space Out: Hybrid X objekt klein a“ am 18.10. ab 23 Uhr im „objekt klein a“ sowie am 26.10. ab 22 Uhr in der Robotron-Kantine.
Mehr Infos: hellerau.org/hybrid-biennale
Quellen: Dresdner Sinfoniker, Hellerau – Europäisches Zentrum der Künste

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