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Milliarden-Markt für Hirn-Schnittstellen erwartet

Wie kommt das Gehirn mit völlig unbekannten Situationen zurecht? Visualisierung: Dall-E
Visualisierung: Dall-E

IDTechex geht von 8 % Jahreswachstum aus

Cambridge, 4, August 2024. Der Markt für Schnittstellen zwischen Gehirn und Computer wächst bis 2045 auf über 1,6 Milliarden Dollar. Das hat das britische Marktforschungs-Unternehmen „IDTechex“ aus Cambridge prognostiziert. Zu erwarten seien jährliche Umsatz-Zuwächse von über acht Prozent für Unternehmen, die dafür Schädelelektroden, Chips, Steuersoftware, Anwendungslösungen, aber auch nicht-invasive Technik wie etwa Spektrometer oder andere Sensoren herstellen.

Neue Therapien, mehr Lebensqualität für Gelähmte – und Potenzial in Konsumelektronik

Die wichtigsten Einsatzzwecke für solche direkten Kommunikationswege zwischen Hirn und Maschine sind in der Medizin zu finden: Hier machen die Versuche, mit Schädelelektroden und Chip-Implantaten beispielsweise Querschnittsgelähmten oder Tetraplegie-Patienten wieder etwas Lebensqualität zurück zu geben, bereits heute spürbare Fortschritte. Auch haben Mediziner – beispielsweise im Uniklinikum Dresden – vielversprechende hirngesteuerte Computerspiel-Therapien entwickelt, damit Kinder die Langzeitfolgen von Schädel-Hirn-Traumata zu überwinden. Mittels EEG-Schnittstellen haben die Ärzte zudem eine „Neuro-Feedback-Therapie“ für hyperaktive Kinder entwickelt. Zu erwarten ist des Weiteren, dass künftig Gehirn-computer-Schnittstellen eine wachsende Rolle für hirnimpuls-gesteuerte Exoskelette spielen. Neue Anwendungen nahen aber auch in der Konsumelektronik, für Assistenzsysteme und für Geräte, die augmentierte und virtuelle Realitäten (AR und VR) unterstützen, prognostizieren die Analysten.

Sophie Schwab hat sich mit Gehirnstrom-Elektroden verkabelt - gleich wird sie mit der bloßen Kraft ihrer Gedanken Videospiele steuern. Foto: Heiko Weckbrodt
Auch EEG ist eine Form der Hirn-Schnittstelle. Das Archivfoto zeigt´Sophie Schwab, die sich am Unikliniukum Dresden mit Gehirnstrom-Elektroden verkabelt hatte – um mit der Kraft ihrer Gedanken Videospiele zu steuern. Foto: Heiko Weckbrodt

Trend geht zur nicht-invasiven Schnittstelle

Neben Implantaten werden sich in Zukunft voraussichtlich auch nicht-invasive Schnittstellen stärker verbreiten – und damit wohl überhaupt erst den Boden für einen echten Massenmarkt bereiten. Dabei handelt es sich um Technik, die von außen Gehirnaktivitäten erkennt und interpretiert. Dazu gehören die klassische Elektroenzephalographie (EEG), aber auch äußere Mikroelektrodenarrays, die funktionelle Nahinfrarot-Spektroskopie (fNIRS) und tragbare Geräte für die Magnetoenzephalographie (MEG).

An neuen Gehirn-Computer-Schnittstellen arbeiten einerseits weltweit zahlreiche Forschungsinstitute und vermutlich auch das Militär, aber in zunehmendem Maße auch private Unternehmen. IDTechex listet in der Analyse „Brain Computer Interfaces 2025-2045“ rund 20 solche Firmen auf, darunter auch bekannte Vertreter wie Neuralink und Blackrock Neurotech.

Autor: hw

Quellen: IDTechex, Wikipedia, Oiger-Archiv

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger