HalbleiterindustrieNewsWirtschaftspolitikzAufi

Keine Unterstützung für Globalfoundries-Pläne

Links entsteht der Bürotrakt, rechts die eigentliche Chipfabrik. Foto: Heiko Weckbrodt
Archivfoto von der Baustelle der Bosch-Chipfabrik in Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Interesse an einem Mikroelektronik-Arbeitgeberverband für Sachsen tendiert gegen Null

Dresden, 13. März 2020. Der Plan von Globalfoundries (GF) Dresden, einen eigenen Mikroelektronik-Unternehmerverband in Sachsen zu gründen, stößt weiter auf wenig Begeisterung in der Branche und Landespolitik. Der Elektronik-Konzern Bosch zum Beispiel, der derzeit in Dresden eine Chipfabrik baut und aus GF-Sicht zu den natürlichen Gründungsmitgliedern des gewünschten Halbleiter-Arbeitgeberverbandes gehören sollte, gab sich bedeckt: Zum Vorschlag selbst wollten sich die Schwaben nicht konkret äußern. Sprecher Simon Schmitt betonte lediglich, Bosch stehe zur Sozialpartnerschaft und Tarifbindung in Deutschland.

Wirtschaftsministerium: Haben derzeit ganz andere Probleme

Auch das sächsische Wirtschaftsministerium, auf dessen Unterstützung GF-Standortchef Thomas Morgenstern gehofft hatte, kommentierte die Vorschläge des US-stämmigen Halbleiterunternehmens zurückhaltend: Die Landesregierung werde sich da nicht einmischen, sie wolle jeden „Eindruck einer Einflussnahme von außen vermeiden“, hieß es auf Anfrage. Allerdings hofft man im Ministerium von Martin Dulig (SPD) nach eigenen Bekunden, dass sich GF und die „Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) doch an den Verhandlungstisch setzen und ohne weitere Streiks einigen. „Wirtschaft und Gesellschaft insgesamt stehen derzeit ohnehin vor großen Herausforderungen“, gab Referent Christian Adler die Meinung im Dulig-Ministerium wieder.

Auch Infineon und X-Fab winken ab

Der IGBCE-Landesbezirk Nordost hatte GF Dresden zuletzt mit einem Warnstreik unter Druck gesetzt, um Verhandlungen über einen Tarifvertrag zu erzwingen. Dies aber lehnt der Dresdner Chipfabrik-Chef Morgenstern kategorisch ab – er fürchtet laut eigenem Bekunden aus den Gewerkschaftsforderungen langfristig hohe finanzielle Belastungen durch eine Tarifbindung. Er möchte daher gern einen Arbeitgeberverband speziell für die Mikroelektronik in Sachsen gründen, um eine stärkere Verhandlungsposition gegenüber den Gewerkschaften aufzubauen. Seine primären Wunschpartner Infineon, X-Fab und Bosch wollen aber nicht mitmachen.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: SMWA, Bosch, Infineon, X-Fab, Oiger-Archiv

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger