Sachsens Wirtschaft wittern neue Chancen in Südamerika und Indien
US-Zollpolitik sorgt für Neuorientierung
Dresden, 29. März 2026. Angesichts der US-Zollpolitik und schlechterer Absatz-Chancen in China orientieren sich exportorientierte Unternehmen in Sachsen auf neue Märkte in Südasien und Südamerika. Möglich machen dies auch die jüngsten Freihandelsabkommen.
Potenzial vor allem für Auto- und Maschinenbauer
„Durch das Mercosur-Freihandelsabkommen sehe ich einiges Potenzial für unsere Wirtschaft“, meint Präsident Andreas Sperl von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Dresden. Auch das Milliardenland Indien dürfte in naher Zukunft eine größere Rolle spielen – als Partner, Absatzmarkt und Fachkräfte-Quelle. Vor allem Maschinenbauer, Chemiebetriebe, Autobauer und -zulieferer sowie generell technologieorientierte Unternehmen versprechen sich laut IHK-Sprecher Lars Fiehler gute Geschäfte mit Indien, Brasilien, Argentinien, Chile und weiteren Ländern. Womöglich eröffnet auch das jüngste Freihandelsabkommen, das EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) mit Australien abgeschlossen hat, neue Außenhandelswege für den Freistaat.
Ein Anknüpfungspunkt: Indien will eigene Chipindustrie aufbauen
Gerade mit Indien knüpfen sächsische Delegationen bereits seit geraumer Zeit neue Beziehungen. Dabei standen bisher vor allem wissenschaftliche Zusammenarbeit und Fachkräfte-Akquise im Fokus, aber auch ein Ausbau des Handels. Ein weiterer Anknüpfungspunkt ist der Wunsch der Inder, eine eigene Halbleiter-Industrie aufzubauen, der bisher aber nur durchwachsene Erfolge hatte. Sachsen wiederum ist der wichtigste Chipproduktions-Standort in Europa und hat jahrzehntelange Mikroelektronik-Erfahrungen mit Halbleiter-Ökosystemen.
Besondere historische Beziehung zwischen Chile und Ostdeutschland
Auch die Marktöffnung der Mercosur-Staaten könnte für neue Impulse sorgen. Dort versuchen bereits seit geraumer Zeit die Chinesen wirtschaftlich Fuß zu fassen, etwa im Autosektor. Es bleibt abzuwarten, ob die oft deutlich teureren europäischen Anbieter hier Chancen haben. Aber auch hier gibt es mögliche historische Anknüpfungspunkte für Sachsen: Chile beispielsweise ist zumindest assoziiertes Mercosur-Mitglied. Während der Regierungszeit von Salvador Allende hatten Chile und die DDR recht enge und freundschaftliche Beziehungen. Und nach dem Pinochet-Putsch nahm Ostdeutschland viele Exilchilenen auf.
Exportvolumen noch gering, aber im Aufschwung
Die sächsischen Exporte in die Mercosur-Kernstaaten Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay stiegen 2025 um ein Zehntel auf 414 Millionen Euro und erreichten damit einen neuen Rekordwert. Dabei exportierten die Sachsen vor allem Autos, Autoteile, Maschinen und Milcherzeugnisse nach Südamerika. Brasilien war unter den Mercosur-Staaten mit 349 Millionen Euro Handelsvolumen der mit Abstand wichtigste Partner von Sachsen. Nach Indien wiederum exportiert Sachsen vor allem Maschinen, Elektrotechnik, Mikroelektronik und Chemieerzeugnisse im Wert von einer knappen halben Milliarde Euro pro Jahr. Nach Australien exportieren die sächsischen Unternehmen jährlich Maschinen, Autos, Elektrogüter und anderen Waren im Wert von etwa 200 Millionen Euro. Zum Vergleich: 2025 umfassten die sächsischen Ausfuhren insgesamt ein Volumen von 50,6 Milliarden Euro. Zusammen machen Mercosur, Indien und Australienweniger als drei Prozent des sächsischen Exportvolumens aus, aber mit steigender Tendenz.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: IHK DD, Bundesregierung, Oiger-Archiv, Statistisches Landesamt Sachsen

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