Mega-Akku neben Textilfabrik in Mühlhausen

Zu wenig Puffer für Solar- und Windstrom: Großakku auf Industriebrache als Energiewende-Turbo
Mühlhausen, 28. März 2026. Um schwankende Stromlieferungen von Solar- und Windkraftanlagen in den Stromnetzen auszugleichen, baut „Scale Energy“ neben einer Textilfabrik im thüringischen Mühlhausen einen Groß-Akku mit einem Fassungsvermögen von vier Megawattstunden (MWh). Das hat das Berliner Energie-Unternehmen angekündigt.
Energiespeicher soll bereits Ende 2026 ans Netz gehen
Eine Besonderheit des Projektes: Während andere Akku-Projekte manchmal jahrelang brauchen, soll der Mühlhausen-Akku bereits nach wenigen Monaten – nämlich vor Jahresende 2026 – ans Netz gehen. Denn der Energiespeicher entsteht auf ungenutzten, aber infrastrukturell erschlossenen Flächen der „Cordenka“-Kordelfabrik in Thüringen. Außerdem liegt laut „Scale Energy“ schon die Netzzusage der Stadtwerke Mühlhausen vor.
„Das Projekt in Mühlhausen zeigt, wie schnell Batteriespeicher realisierbar sind, wenn bestehende Industrieinfrastruktur intelligent genutzt wird.“
Christoph Kößler, Geschäftsführer von Scale Energy
„Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist die Nutzung bestehender Standortressourcen: Cordenka stellt am Standort vorhandene Infrastruktur sowie nicht betriebsnotwendige Flächen zur Verfügung“, betonen die Berliner. „Dadurch kann das Projekt deutlich schneller umgesetzt werden als vergleichbare Greenfield-Vorhaben, bei denen Flächen erst erschlossen und Netzanschlüsse neu hergestellt werden müssen.“
Das Cordenka-Werk in Mühlhausen geht auf die 2008 gegründete Industrie-Kordel-Fabrik „Cordus“ zurück. Seit der Übernahme im Jahr 2011 investierten die Obernburger drei Millionen Euro in den Thüringer Standort.
Fabrik und Energieunternehmen wittern „wirtschaftliche Potenziale am Strommarkt“
Mit dem Groß-Akkumulator wollen beide Partner Geld verdienen: Sie konstruieren ihn so, dass er Schwankungen im Stromnetz ausgleichen kann. „Zusätzlich eröffnet die Vermarktung der Speicherkapazität am Strommarkt wirtschaftliche Potenziale“, heißt es in der gemeinsamen Mitteilung des Energieunternehmens und der Textilfabrik-Kette.
Großakkus können Schwankungen ausbügeln – sind aber keine Notstromaggregate für ganze Städte
Anders als etwa Pumpspeicherwerke können Großakkus der Megawatt-Klasse keine ganzen Kommunen oder Fabriken stunden- oder gar tagelang versorgen, wenn der Strom ausfällt. Sie können dafür aber schnell reagieren und kurzfristige Lastschwankungen in den Stromnetzen ausgleichen. Der Bedarf an solchen schnellen Puffern ist deutschlandweit eigentlich groß, weil immer mehr Solar- und Windkraftwerke entstehen. Das Problem dabei: Mal liefern sie zu wenig, mal zu viel Strom. Zudem stehen sie oft an den „falschen“ Orten, um lokal zu wirken: etwa in Norddeutschland, während die großen Energiefresser der Industrie viel weiter südlich und westlich stehen.
Manko an Stromtrassen und Pumpspeicher bremst Energiewende schon seit Jahren aus
Eine Lösung wären neue Stromtrassen und neue Pumpspeicherwerke. Die werden aber häufig von Bürgerinitiativen, Lobby-Vereinen und anderen Akteuren hinausgezögert oder verhindert. Für kleinere Energiemengen wären Großakkus ideal. Aber auch hier dauert es meist fünf Jahre, bis alle Genehmigungen, Anschlüsse und dergleichen geschafft sind. Gründe sind oft Bürokratie und überlastete Mittel- und Hochspannungsnetze. Von daher könnte der von Scale Energy eingeschlagene Weg, alte, aber bereits erschlossene Industrieflächen dafür zu nutzen, eine Lösung aufzeigen.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: Scale Energy, Cordus, Cordenka, ingenieur.de/VDI, EEHD, Wikipedia
Monate statt Jahre: Groß-Akku in Mühlhausen entsteht neben Textilfabrik – und umgeht dabei die sonst üblichen jahrelangen Bürokratie- und Netzausbau-Schlachten

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