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Ostdeutsche Unternehmer benoten Bundes-Wirtschaftspolitik besonders schlecht

Bundeskanzler Friedrich Merz. Foto: Marvin Ibo Güngör für die Bundesregierung via Bundeskanzleramt
Kommt nicht gut weg: die Wirtschaftspolitik der Regierung um Bundeskanzler Friedrich Merz. Foto: Marvin Ibo Güngör für die Bundesregierung via Bundeskanzleramt

Ifo-Dresden-Umfrage: „Baufirmen und Einzelhändler sind besonders kritisch“

Dresden, 9. März 2026. Die Stromkosten, Sozialabgaben und Umweltauflagen drücken, dazu kommen viele, viele Seiten bürokratischer Nachweise, die immer wieder auszufüllen sind – und diese Lasten machen den kleineren ostdeutschen Betrieben viel mehr zu schaffen als großen altbundesrepublikanischen Unternehmen. Entsprechend schärfer ist auch die Kritik aus dem Osten: In einer Umfrage von Ifo Dresden haben westdeutsche Firmen die Bundes-Wirtschaftspolitik im Schnitt mit 4,14 bewertet, die ostdeutschen Unternehmer hingegen benoteten die Merz-Regierung sogar nur mit 4,27.

Viele geben nur Note 6

Hinzu kommt: Auch die besonders negativen Bewertungen kommen vor allem aus dem Osten der Republik. „Deutlich mehr Unternehmen im Osten als im Westen geben der Regierung die Note 6“, berichtet Ifo-Dresden-Vize Joachim Ragnitz. „Baufirmen und Einzelhändler sind besonders kritisch.“

Erheblicher Reformbedarf

Der Reformbedarf ist offensichtlich in allen Handlungsfeldern groß: Besonders schlecht schnitt in der Umfrage die Sozial- und Rentenpolitik ab, die die Gesamtnote erhielt. In den Bereichen Finanzpolitik (Ost: 4,18, West: 4,00), Energie- und Klimapolitik (Ost: 4,32, West: 4,16) und Industriepolitik (Ost: 4,30, West: 4,11) zeigten sich deutliche Unterschiede. „Die Ergebnisse zeigen, dass Reformen auf nahezu allen Feldern dringend erwartet werden“, betont Ifo-Dresden-Chef Marcel Thum.

Dass die ostdeutschen Unternehmer die Wirtschaftspolitik spürbar kritischer sehen als ihre westdeutschen Kollegen, dürfte mehrere Gründe haben. So dominieren hier besonders kleine Betriebe. Allein in Sachsen haben 77 Prozent der Unternehmen weniger als zehn Mitarbeiter und haben nach sechs Krisenjahren seit Corona kaum noch Rücklagen. Zudem ist das Lohnniveau immer noch niedriger als im Westen. Dadurch setzen die Mindestlohnsprünge der jüngsten Vergangenheit ostdeutsche Bäcker, Gaststätten, Essenslieferanten und andere Kleinbetriebe besonders unter Druck.

Autor: hw

Quellen: Ifo Dresden, Oiger-Archiv, welt.de

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger