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Silicon Saxony: Chipindustrie braucht mehr Lehrlinge

Mit der atomarern Ätz-Spalt-Technik von Alixlabs bearbeiteter Wafer. Foto: Alixlab
Foto: Alixlab

Verband sieht trotz festgefahrener Pläne für zentrale Azubischmiede „Sam“ weiter großes Interesse am Ausbau der Ausbildungskapazitäten

Dresden, 7. März 2026. Auch wenn die Pläne für das „Sächsische Ausbildungszentrum Mikrotechnologie“ (Sam) derzeit festgefahren erscheinen – der Bedarf für eine zentrale Azubi-Schmiede für Sachsens Halbleiterindustrie ist weiter da und groß. „Grundsätzlich besteht weiterhin ein großes Interesse, die Ausbildungskapazitäten für die Mikroelektronik in Sachsen auszubauen“, hat der Branchenverband „Silicon Saxony“ aus Dresden auf Oiger-Anfrage betont. Denn fest stehe, „dass der Fachkräftebedarf in der Mikroelektronik durch die laufenden und angekündigten Investitionen in der Branche weiter steigen wird“.

3. Säule der Mikroelektronik-Berufsausbildung im Freistaat etabliert

Derzeit ruht die Mikroelektronik-Berufsausbildung in Sachsen vor allem auf drei Säulen: In Schulen wie dem „Beruflichen Schulzentrum für Elektrotechnik Dresden“ lernen die Lehrlinge das theoretische Rüstzeug für die spätere Arbeit im Reinraum – für diese Berufsschule ist bereits ein großer Neubau in Dresden-Prohlis geplant. Zweite Säule ist die praktische Übung in den Chipfabriken von Infineon, Globalfoundries, Bosch, X-Fab oder demnächst auch ESMC. Weil Mikroelektronik aber eine Technologie mit kurzen Innovationszyklen ist, Berufsschulen in der Regel keine kompletten Reinräume haben und erfahrungsgemäß immer noch Bildungslücken zu schließen sind, hat sich in Sachsen eben auch eine dritte Säule etabliert: Private Zentren wie die „Dresden Chip Academy“ (DCA) und „Mea“ in Kesselsdorf schließen solche Lücken und bringen die Azubis auf den neuesten Stand der Technik. Dabei fokussiert sich die DCA vor allem (aber nicht nur) auf angehende Mikrotechnologen, Mea auf die Mechatroniker.

DCA und Mea planten zentrale Ausbildungsschmiede Sam

Wegen des Chipbooms in Dresden und auf Initiative vor allem von Infineon wollten DCA und Mea ihre Kapazitäten zu besagtem Sam kombinieren, wobei die Mea dafür ihren Campus in Kesselsdorf hätte ausbauen können und die DCA einen neuen Standort mit moderner Ausrüstung hätte bauen wollen. In Summe hätte das – je nach Standort und Ausbaustufe – mindestens 120 Millionen Euro gekostet. Die Investitionen sollten sich zu wesentlichen Teilen aus Fördergeldern finanzieren, vor allem aus dem Kohleausstiegsgeld für die Lausitz. Das mit dem Land entwickelte Konzept sah zudem vor, dass Silicon Saxony das Sam weltweit bewerben und dafür die überregionale Lehrlings-Akquise übernehmen könnte.

Konzept derzeit festgefahren

Eine Einigung über den Standort oder die von den Trägern gewünschten Lehrlings-Auslastungsgarantien kam jedoch nicht zustande. Nun will das sächsische Wirtschaftsministerium nun die Suche nach Trägern, Konzept und Standort neu beginnen. Inzwischen redet man dort auch nur noch vom Sam als „Ausbildungscluster Mikroelektronik“ – wohl auch, weil unklar ist, ob überhaupt noch ein Neubau für die dritte Säule entsteht. Mea jedenfalls hat sich bereits darauf festgelegt, in Kesselsdorf zu bleiben, wo das Unternehmen auch Platz für eventuelle Erweiterungen habe.

Branchenverband verwundert

„Nach unserem Kenntnisstand entwickeln die bestehenden Ausbildungspartner ihre Angebote weiter“, heißt es dazu vom „Silicon Saxony“. „Gleichzeitig beobachten wir die aktuelle Diskussion über ein mögliches Ausbildungszentrum mit Interesse. Einige Punkte, die im vergangenen Jahr bereits geklärt schienen, werden derzeit offenbar erneut geprüft.“ Wie ein mögliches Ausbildungszentrum organisatorisch und strukturell ausgestaltet werde, sei „Gegenstand der laufenden Abstimmungen und möglicher Ausschreibungsverfahren“.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Silicon Saxony, Oiger-Archiv, vertrauliche Quellen

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger