Laborneubau für Umweltforscher in Leipzig

41 Millionen Euro teurer Komplex soll Forschung an Umwelttechnologien, bakteriellen H2-Generatoren und Ökorisiken forcieren
Leipzig, 22. November 2025. Damit sie ihre Untersuchungen von menschlichen Einflüssen auf unsere Umwelt, von biologischer Vielfalt und ökologischen Risiken ausbauen können, haben die Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig einen Labor- und Büro-Neubau erhalten. Der Komplex umfasst Raum für rund 170 Mitarbeiter. Am 26. November 2025 wollen die Helmholtz-Experten diesen Neubau im Wissenschaftspark Leipzig gemeinsam mit dem sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) und weiteren Gästen offiziell in Betrieb nehmen.
Umweltschutz als Motor wirtschaftlicher Entwicklung gedacht
Zum Auftakt diskutieren Kretschmer, die UFZ-Wissenschaftschefin Katrin Böhning-Gaese, der sachsen-anhaltische Wissenschaftsminister Armin Willingmann (SPD), der neue Helmholtz-Präsident Martin Keller, der Leipziger Wirtschaftsbürgermeister Clemens Schülke (CDU) über „Umwelt- und Klimaschutz als Motor wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Entwicklung“. Die Podiumsdiskussion spiegelt den Anspruch des UFZ, das sich als „eines der weltweit führenden Zentren im Bereich der Umweltforschung“ sieht. Der Neubau soll bei der UFZ-Mission helfen, „die Folgen menschlichen Handelns für die Umwelt besser zu verstehen und Optionen für gesellschaftliche Entscheidungsprozesse zu erarbeiten“.
Gemeinsames Nachwende-Projekt von Sachsen und Sachsen-Anhalt
Das UFZ entstand kurz nach der Wende. Ausgangspunkt war eine Studie des Chemikers und Wissenschaftsmanagers Prof. Hans Wolfgang Levi aus München über den Zustand der Umweltforschung in den neuen Bundesländern. Im Dezember 1990 schlug er in der Folge vor, ein „breit angelegtes Zentrum zur Erforschung der Ökologie industrieller Ballungsgebiete“ in Leipzig oder Halle zu gründen. Ende 1991 gründeten dann der Bund, die Länder Sachsen und Sachsen-Anhalt den Nukleus für das „UFZ-Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle“ und einigen sich auf eine Personalstärke von zunächst 379 Stellen.
Alte Rüstungsschmiede und DDR-Akademie bieten nicht mehr genug Platz
Standen anfangs die ökologischen DDR-Altlasten in Mitteldeutschland besonders im Fokus der Wissenschaftler, verbreiterte sich das Forschungsprogramm schrittweise – hin zu den „Ökosystemen der Zukunft“, Klima, Chemikalien in der Umwelt, Bioökonomie, Mikroplaste und „Ewigkeitschemikalien“. Nach und nach wuchs das UFZ und belegte mehrere Altbauten im Wissenschaftspark Leipzig. Darunter waren ein alter Ziegelbau der einstigen Rüstungsschmiede „Hugo-Schneider-Aktiengesellschaft“ (Hasag), Gebäude der ehemaligen Akademie der Wissenschaften der DDR sowie einige Nachwende-Neubauten. Weil die Belegschaft im UFZ seit der Wende insofern stark gewachsen war, wurde ein Neubau an der Permoserstraße fällig. Immerhin beschäftigt das UFZ heute insgesamt circa 1250 Menschen, darunter davon rund 1050 in Leipzig, knapp 120 in Halle und 80 in Magdeburg.
Deutlich teurer als zunächst gedacht
Doch die Realisierung hat sich lange hingezogen: Eigentlich sollte das Projekt bereits 2017 beginnen und „nur“ 26 Millionen Euro kosten. Baustart war dann im Sommer 2019. Mitte 2024 war das Gebäude bezugsbereit – und kostete letztlich 41 Millionen Euro. In der Praxis haben die Forschungen dort eigentlich „schon“ im Sommer 2025 begonnen, die offizielle Einweihung folgt aber nun erst.
Neue Labore, Büros und Reinräume für 170 Wissenschaftler
Der Neubau umfasst 4600 Quadratmeter Nutzfläche mit 80 neuen Büros, 52 Laboren, Reinräumen, einem Vortragsraum für 100 Besucher, Lager- und Kühlräumen und dergleichen mehr. Etwa 170 Wissenschaftler wollen sich dort „Chemikalien in der Umwelt“, „Umwelt- und Biotechnologie“, Risikoanalysen, bakterieller Wasserstoff-Gewinnung und ähnlichen Themen widmen. Mit seiner Baukubatur aus einem Flachbau und einem 35 Meter hohen Hochhaus orientiert sich der Entwurf laut UFZ an einem „Turm, der bereits seit den 1960er Jahren das städtebauliche Erscheinungsbild des Forschungscampus entlang der Torgauer Straße prägt“.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: UFZ, SSK

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