NewsWasserstoffwirtschaftzAufi

Elektro-Sprit für Panzer und Flugzeuge

Die Pilotanlage von Sunfire in Dresden-Reick hat mit der Dieselproduktion aus Luft, Wasser und Ökostrom begonnen. Foto: Sunfire/ Cleantech Media
Pilotanlage von Sunfire in Dresden-Reick, die Diesel aus Luft, Wasser und Ökostrom herstellen kann. Foto: Sunfire/ Cleantech Media

Wasserstofftech-Firma „Sunfire“ aus Dresden beteiligt sich an Rüstungsprojekt „Giga PtX“

Dresden/Düsseldorf, 5. November 2025. Damit europäische Panzer, Jagdflugzeuge und Truppentransporter weniger abhängig von Erdöl und Gas aus Arabien, Russland und den USA sind, plant der deutsche Rüstungskonzern „Rheinmetall“ aus Düsseldorf das Projekt „Giga PtX“: Gemeinsam mit dem Dresdner Elektrolyseur-Hersteller „Sunfire“ und weiteren Partnern ein Netz aus Hunderten Elektrosprit-Produktionsanlagen in Europa aufbauen. Die sollen mit Elektrolyseuren von Sunfire Wasserstoff aus Wasser gewinnen und dann daraus mit Kohlendioxid (CO2) synthetischen Diesel, Benzin oder Kerosin erzeugen. Das geht aus einer gemeinsamen Mitteilung von Rheinmetall und Sunfire hervor. Solch ein weitgehend autarkes Netz könne es „den Streitkräften künftig ermöglichen, ihren benötigten Kraft­stoff dezentral und unabhängig von globalen Lieferketten fossiler Energieträger selbst zu produzieren“, heißt es von den Projektpartnern.

„Die Aufrechterhaltung von Lieferketten für fossilen Kraftstoff wird für die europäischen Staaten im Verteidigungsfall herausfordernd sein.“
Armin Papperger, Rheimmetall

„Kriegstüchtigkeit erfordert eine resiliente Energieinfrastruktur“, begründete Rheinmetall-Vorstand Armin Papperger das Vorhaben. „Die Aufrechterhaltung von Lieferketten für fossilen Kraftstoff wird für die europäischen Staaten im Verteidigungsfall herausfordernd sein. Mit den Giga PtX-Anlagen setzen Rheinmetall und seine Partner ein starkes Signal für die industrielle Transformation, den Klimaschutz sowie die sicherheitspolitische Resilienz Europas.“

Armee kann nebenbei die Umwelt retten

Sunfire-Chef Nils Aldag verweist auf die potenziell auch mit Ökostrom betreibbaren und damit dann auch umweltfreundlichen Varianten dieser Technologie: „Europäische Elektrolysetechnologie trägt damit nicht nur zur Dekarbonisierung bei, sondern leistet einen unverzichtbaren Beitrag für ein starkes, widerstandsfähiges Europa.“

Im II. Weltkrieg setzte Deutschland bei Sprit-Not auf Kohleverflüssigung

Ähnlich wie es die deutsche Rüstungsindustrie schon im II. Weltkrieg versucht hatte, wollen die Konsortialpartner Deutschland für den Kriegsfall ein Stück unabhängiger von lieferwilligen Alliierten oder der Kontrolle von Ölfeldern machen: Damals wandelten große Fabriken Braunkohle und andere einheimische Energieträger in Sprit um. Heute steht nicht mehr die Kohleverflüssigung im Fokus, sondern ein Syntheseweg, der zwar auch teure ist, aber letztlich nur Strom, Wasser und Luft braucht: Alkali-Elektrolyseure von Sunfire spalten demnach unter Stromeinsatz das Wasser und Sauer- und Wasserstoff auf, während Luftzerleger – ähnlich derer, die in Chipfabriken Reinstgase gewinnen – Kohlendioxid aus der Atmosphäre abscheiden. Aus beiden Zutaten synthetisieren Fischer-Tropsch-Reaktoren dann zu Kohlenwasserstoffen, die sich wiederum zu künstlichem Diesel, Benzin oder Kerosin raffinieren lassen.

Sunfire hat bereits Pilotanlage gebaut

Ähnliche Pilot-Anlagen für solche „E-Fuels“ hatte Sunfire in der Vergangenheit bereits gebaut, sich dann aber auf Elektrolyseure in Hochtemperatur-Varianten (SOEC) und auf Alkali-Basis spezialisiert. Für das Rheimetall-Projekt „Giga PtX“ (bedeutet soviel wie: ganz viel Elektrosprit aus Strom) wird Sunfire aber nur seine Alkali-Elektrolyseure beisteuern. Optional könnten die Dresdner auch ihre Hochtemperatur-Elektrolyseure liefern, die auf weit höhere Wirkungsgrade jenseits von 85 Prozent kommen. Ineratec aus Karlsruhe liefert unter anderem Wassergas-Konvertierungsreaktoren und Fischer-Tropsch-Syntheseanlagen. Greenlyte kümmert sich um die Luft-CO2-Abscheider. Jede der geplanten „Giga PtX“-Komplexanlagen soll jeweils jährlich 5000 bis 7000 Tonnen Diesel, Schiffsdiesel oder Kerosin herstellen können. Mit diesen Mengen allein könnten Europas Armeen zwar keinen Krieg führen, aber ihre Abhängigkeit von ausländischen Lieferanten etwas verringern.

Sachsen wollen mehr von Aufrüstung profitieren

Dass im Konsortium mit „Sunfire“ eben auch ein Dresdner Technologie-Unternehmen am Bord ist, dürfte auch die sächsische Staatsregierung freuen: Die hatte sich nämlich bisher immer geärgert, dass Sachsens Wirtschaft nur wenig vom schuldenfinanzierten Bundes-Rüstungspaket profitiert.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Sunfire, Rheinmetall, Wikipedia, Oiger-Archiv

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger