Ein Viertel weniger Buchläden in Deutschland
Destatis: Zahl der Bucheinzelhändler schrumpft
Wiesbaden/Frankfurt/Berlin, 14. Oktober 2025. Dem „Land der Dichter und Denker“ gehen die Buchläden aus: Seit Vor-Corona-Zeiten ist die Zahl der klassischen Buch-Einzelhändler bis zum Jahr 2023 um fast ein Viertel auf 2980 Buchgeschäfte und Buchladen-Ketten gesunken. Auch die Belegschaften sind in diesem Sektor gesunken: um 19 Prozent auf 22.620 Beschäftigte. Das hat das „Statistische Bundesamt“ (Destatis) in Wiesbaden am Vortag der „Frankfurter Buchmesse“ (15. bis 19. Oktober 2025) mitgeteilt.
Steigende Mieten und Personalkosten und „geändertes Kaufverhalten“
Mögliche Gründe für den Buchgeschäfte-Schwund könnten nach Ansicht der Bundesstatistiker steigende Mieten und Personalkosten sowie „ein geändertes Kaufverhalten“ sein. Sprich: Viele Deutschen kaufen ihre Lektüre inzwischen bevorzugt online ein oder lesen ohnehin weniger, weil sie sich beispielsweise lieber durch Videoströme aus dem Internet unterhalten lassen.
Trend geht zum E-Buch – und das kaufen viele lieber im Internet
Und wer weiter liest, tut dies mittlerweile eher per iPad, eReader oder auf anderen digitalen Endgeräten – was wiederum die Buchauswahl per Internet statt im klassischen Ladengeschäft begünstigt: Mittlerweile liest jeder zweite Deutsche wenigstens gelegentlich elektronische statt Papier-Bücher. In der Altersgruppe der 16- bis 29-Jährigen sind es sogar fast zwei Drittel, haben Umfragen des deutschen Digitalverbandes „Bitkom“ ergeben.
Senioren schätzen Vorteile vergrößerbare Schriften im E-Buch
„Der Trend hin zum digitalen Lesen zeigt sich seit einigen Jahren“, betont Bitkom-Experte Sebastian Klöß. „Heute gibt es nicht nur erschwingliche E-Reader, auch Smartphones oder Tablets lassen sich dank entsprechender Apps problemlos zum Lesen nutzen.“ Und: „Es geht nicht nur um Bequemlichkeit und schnelle Verfügbarkeit, sondern auch darum, dass sich das Lesen individuell anpassen lässt, etwa durch verstellbare Schriftgrößen und Hintergrundfarben.“ Dies wiederum ist wichtig für Senioren – früher eine besonders starke Klientengruppe unter den Buchläden-Besuchern.
Diese Trends drücken die Besucherzahlen und Gewinne im klassischen Einzelhandel der Städte. Und wenn dies auf zu stark steigende Löhne trifft, kann dies gerade kleineren Buchläden den Garaus machen. Beitragen dürfte auch die Verödung vieler Innenstädte, begünstigt durch den generellen Trend zum digitalen Einkauf, autofeindliche Reglungen und überzogenene Renditeerwartungen von Immobilien-Investoren.
Konzentrationsprozess im Einzelhandel
Allerdings gibt es auch gegenläufige Entwicklungen. So sind die Umsätze im Bucheinzelhandel laut Destatis im selben Zeitraum gestiegen: um neun Prozent auf rund vier Milliarden Euro. Eine denkbare Erklärung für diese paradoxe Entwicklung könnten anhaltende Konzentrationsprozesse zu Gunsten größerer Buchhandels-Ketten sein, während die kleinen Buchläden „um die Ecke“ zunehmend aussterben.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: Destatis, Bitkom

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