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Einsteinteleskop vor Augen: Görlitzer Astrophysiker verzahnen sich mit Prag

Blick mit dem Radioteleskop "MeerKAT" auf Supernovae-Überreste im Zentrum unserer Galaxis. Ferne Welten und das geplante Astrophysik-Zentrum in der Lausitz gehören zu den Themen der DPG-Tagungen in Dresden. Abb.: SARAO, Heywood et al. (2022), J.C. Muñoz-Mateos via Desy-Pressemitteilung zum DZA
Blick mit dem Radioteleskop „MeerKAT“ auf Supernovae-Überreste im Zentrum unserer Galaxis. Das entstehende Astrophysik-Zentrum in der Lausitz will sich auch solchen kosmischen „Katastrophen“ widmen Abb.: SARAO, Heywood et al. (2022), J.C. Muñoz-Mateos via Desy-Pressemitteilung zum DZA

Kooperationsabkommen soll Technologie-Entwicklung und Wissenstransfer beschleunigen

Görlitz/Prag, 10. Mai 2025. Um das entstehende Deutsche Großforschungszentrum für Astrophysik (DZA) in Görlitz von Anfang an international zu vernetzen, wollen die Wissenschaftler nicht nur mit den unmittelbaren Nachbarn in Polen – etwa in Breslau – kooperieren, sondern auch mit tschechischen Partner. Entsprechende Vereinbarungen unterzeichnet DZA-Gründungsdirektor Prof. Günther Hasinger in der kommenden Woche in Prag. Das hat der sächsische Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (CDU) angekündigt, der Hasinger auf dieser Reise begleitet.

Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow vor dem Fraunhofer CNT 2.0. Foto: Heiko Weckbrodt
Sebastian Gemkow. Foto: Heiko Weckbrodt

Lausitz soll grenzübergreifende Innovationsregion werden

„Wir haben hier hervorragende Forschungs-Voraussetzungen, setzen jetzt schon technologisch Maßstäbe und wollen von der Lausitz aus grenzübergreifend eine Innovationsregion schaffen“, begründete Gemkow die Kooperationsvereinbarung. „Mit astrophysikalischer Forschung werden wir ein ganz neues Feld für die Kooperationsmöglichkeiten zwischen Sachsen und Tschechien eröffnen und gemeinsam mit Partnern mit großen technologischen Projekten als Freistaat sichtbar werden. Dazu gehört auch das Einsteinteleskop.“

Standort für europäisches Gravi-Großteleskop steht noch nicht fest

Letzteres ist ein Großprojekt, um Schwerkraftwellen aus der Kinderstube des Universums aufzufangen – und auch schwache Gravitationswellen besonders genau zu vermessen. Der unterirdische Standort für das europäische Vorhaben steht noch nicht fest, die Lausitz gehört aber zu den Kandidaten. Die Kooperation mit Polen und Tschechen soll insofern auch dieser Bewerbung aus Sachsen mehr internationales Gewicht geben.

Die Visualisierung zeigt, wie sich das "Nationaal instituut voor subatomaire fysica" (NIKHEF) aus Amsterdam das künftige Einstein-Teleskop vorstellt. Neben den Niederländern bewerben sich auch die Lausitz und Sardinien um den Standort für dieses aufwendige neue Graviationswellen-Teleskop. Grafik: NIKHEF
Die Visualisierung zeigt, wie sich das „Nationaal instituut voor subatomaire fysica“ (NIKHEF) aus Amsterdam das künftige Einstein-Teleskop vorstellt. Neben den Niederländern bewerben sich auch die Lausitz und Sardinien um den Standort für dieses aufwendige neue Graviationswellen-Teleskop. Grafik: NIKHEF

Ein Schwerpunkt des neuen Abkommens mit Prag soll unter anderem die gemeinsame Technologie-Entwicklung für astrophysikalische Instrumente sein, eben Gravitationsmessaufbauten, aber auch Radioteleskope, Computertechnik für die Auswertung der Daten aus dem All und dergleichen mehr. Kooperationspartner für das DZA sollen folgende Institutionen auf tschechischer Seite sein:

  • Tschechische Akademie der Wissenschaften
  • Institut für Astronomie der Tschechischen Akademie der Wissenschaften
  • Institut für Physik der Tschechischen Akademie der Wissenschaften
  • Fakultät für Mathematik und Physik der Karls-Universität Prag
  • Fakultät für Nukleare Wissenschaften und Physikalische Ingenieurwissenschaften der Technischen Universität Prag
  • Fakultät für Elektrotechnik der Tschechischen Technischen Universität Prag

Das DZA selbst ist noch im Werden und derzeit organisatorische wie auch computertechnisch an die TU Dresden angedockt. In den nächsten Jahren sollen aber ein Hauptcampus in Görlitz und ein Standort für ein unterirdisches Labor in der Lausitz entstehen. Ein Großteil der Anschubfinanzierung stammt aus Kohle-Ausstiegskohle.

Autor: hw

Quellen: SMWK, Oiger-Archiv

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger