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Creditreform: „Ein Großteil der Unternehmen in Deutschland ist geradezu verzweifelt“

Die Ökonomen haben ihre Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft weiter herunterkorrigiert. Grafik: Heiko Weckbrodt
Grafik: Heiko Weckbrodt

Geschäftsklimaindex weiter gesunken

Neuss/Dresden, 27. April 2025. Das Vertrauen der mittelständischen Unternehmer in den Wirtschaftsstandort Deutschland ist nachhaltig erschüttert. Das schätzt „Creditreform“ aus Neuss ein und stützt sich dabei auf eine Umfrage unter rund 1200 mittelständischen Betrieben. Der „Creditreform-Geschäftsklimaindex für den Mittelstand“ (CGK) sei im Frühjahr 2025 auf mit minus 2,9 Punkte gesunken – im Vorjahr lag er bei minus 1,4 Punkten.

Mittelstand verliert Vertrauen in Wirtschaftsstandort Deutschland

„Fünf Jahre nach Pandemie-Beginn und viele Krisen später ist ein Großteil der Unternehmen in Deutschland geradezu verzweifelt“, analysiert Creditreform-Wirtschaftsforscher Patrik-Ludwig Hantzsch. „Vom politisch erhofften Aufschwung ist aktuell nichts zu spüren. Im Gegenteil: Trotz oder wegen der angekündigten Wirtschaftswende bleibt der Mittelstand misstrauisch, da die derzeitigen Aussichten keine nachhaltige Besserung versprechen.“

Als Bremsfaktoren für Investitionen gelten unter anderem Bürokratie, hohe Energiepreise und andere Standortschwächen sowie die generell pessimistischen Konjunkturerwartungen. Angesichts der trüben Aussichten baut jedes fünfte Unternehmen derzeit Personal ab, nur 15 Prozent stocken ihre Belegschaften auf. In Sachsen beispielsweise planen 77 Prozent der Betriebe keine Neueinstellungen, hier melden 35 Prozent Umsatzeinbußen, teilt Creditreform Dresden mit.

Wachsende Liquiditätsprobleme

Zudem berichteten die Unternehmen häufiger als im Vorjahr von Zahlungsausfällen – ein zusätzlicher Belastungsfaktor in der aktuellen Lage. „Die Nachfrage nach Krediten ist vor allem deshalb wieder gestiegen, weil viele Unternehmen wieder mit Liquiditätsproblemen zu kämpfen haben“, erläutert Hantzsch. Der Bedarf an wichtigen Investitionskrediten ist dagegen leicht rückläufig.

Landesstatistiker: Stotternder Motor in der Industrie

Die Wirtschaftsflaute schlägt sich in Sachsen vor allem im verarbeitenden Gewerbe sehr deutlich nieder: Im Jahr 2024 sind die Industrie-Umsätze um vier Prozent auf 75,1 Milliarden Euro gesunken, meldet das Statistische Landesamt in Kamenz. Rechnet man Inflationseffekte heraus, betrug der Rückgang sogar fünf Prozent. Die Zahl der Betriebe und der Beschäftigten sank um je zwei Prozent. Haupt–Umsatzbringer blieb – trotz einer schweren Krise – immer noch die Autoindustrie mit 24,2 Milliarden Euro, gefolgt vom Maschinenbau mit 8,2 Milliarden Euro und der Nahrungs- und Futtermittelindustrie mit sechs Milliarden Euro.

Autor: Oiger

Quelle: Creditreform, Statistisches Landesamt Sachsen

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger