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Rückschlag: EU will Lithium-Bergbau im Erzgebirge nicht als „strategisch wichtig“ einstufen

Aus Lithium allein - hier eine Probe im sächsischen Industriemuseum - lassen sich noch keine Hauptakkus für Elektroautos bauen. Dafür muss unter anderem das Metall zu Lithiumhydroxid raffiniert werden. Das soll ein Großkonverter in Guben übernehmen, den die Leag dann mit Ökostrom versorgen will. Foto: Heiko Weckbrodt
Begehrtes Lithium – hier eine Probe im sächsischen Industriemuseum. Foto: Heiko Weckbrodt

„Zinnwald Lithium“ hält dennoch an Abbauplänen fest

Altenberg, 25. März 2025. Für den geplanten Lithium-Bergbau im Erzgebirge gab es heute einen Rückschlag aus Brüssel: Die EU-Kommission hat das Abbau-Projekt von „Zinnwald Lithium“ trotz eines entsprechenden Antrags nicht als „strategisch wichtig“ eingestuft. Das hat das Bergbau-Unternehmen heute in Altenberg mitgeteilt.

Chef rechnet weiter mit steigender Nachfrage

Firmen-Chef Marko Uhlig verbreitet dennoch Optimismus: „Natürlich hätten wir uns eine Auswahl als strategisches Projekt gewünscht“, räumt er ein. „Dennoch stellen wir fest, dass eine solche Anerkennung keine direkten Vorteile in Bezug auf die Finanzierung oder eine beschleunigte Genehmigung des Projekts mit sich bringt.“ Die Entscheidung aus Brüssel ändere nichts an den Abbau-Plänen: „Nach wie vor ist die europäische Batterielieferkette unterentwickelt und die Nachfrage nach Lithium wird steigen“, betont der Geschäftsführer. Zudem habe zumindest der Freistaat Sachsen den Lithium-Abbau „als strategisch bedeutend für das Bundesland eingestuft“.

Zellmontage im Batteriewerk von Accumotive-Daimler in Kamenz. Was aber tun mit den Akkus, wenn sie aus dem Elektroauto wegen Reichweiteverlusten wieder ausgemustert werden? Ist ein Einsatz als stationärer Energiespeicher sinnvoller oder ein direktes Recycling? Foto: Heiko Weckbrodt
Das Archivfoto zeigt die frühere Zellmontage im Batteriewerk von Accumotive-Daimler in Kamenz. Foto: Heiko Weckbrodt

Vorkommen war schon zu DDR-Zeiten bekannt

Hintergrund: Bereits vor der Wende war den DDR-Geologen bekannt, dass es im Grenzraum zur CSSR unter dem Erzgebirge große Lithium-Lagerstätten gibt. Lange galt der Abbau jedoch als wenig lohnenswert. Das änderte sich erst, als sich Bund und EU auf Elektroautos als Vehikel der Zukunft festlegten. Damit schien eine große Nachfrage gerade auch aus der führenden deutschen Autoindustrie am Akku-Material Lithium auf Jahrzehnte gesichert. Zudem ergaben neuere Bohrungen, dass das Lithium-Vorkommen im Erzgebirge noch größer ist als zu DDR-Zeiten angenommen. Zwar sind diese Hoffnungen durch die VW-Krise und den Abschwung in der deutschen Autoindustrie inzwischen deutlich gedämpft. Insofern ist das Lithium-Projekt im Erzgebirge ein weiteres Beispiel dafür, wie weit sich das Aus für die „Umweltprämie“ und der folgende Einbruch der Stromer-Nachfrage in Deutschland im Jahr 2024 durch ganze Wertschöpfungsketten hindurch gefressen hat. Auf lange Sicht besteht aber dennoch kaum Zweifel am Lithium-Bedarf.

Proteste von Anwohnern

Ab 2011 trieben zunächst die Solarworld-Tochter „Solarworld Solicium“ aus Freiberg und später, nach der Pleite des Photovoltik-Herstellers, als Nachfolger ab 2011 die „Deutsche Lithium“ und die „Zinnwald Lithium GmbH“ mit Sitz in Altenberg die Erkundungen sächsischer Bodenschätze voran und bereiteten einen Abbau vor. Mittlerweile haben sich aber auch Anwohner zu Protesten formiert: Sie fürchten, dass eine Wiedergeburt des Bergbaus im Erzgebirge ihre Lebensqualität mindert, den Wert ihrer Immobilien verringert und die Umwelt schädigt. Bisher hat das Bergbau-Unternehmen dennoch peu à peu viele Genehmigungen bekommen. Durch den Antrag an die EU, das Vorhaben nach dem „Critical Raw Materials Act“ (CRMA) als „strategisch“ wichtig einzustufen, hatte sich das Management eine Beschleunigung des Verfahrens erhofft – dies ist nun allerdings misslungen.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Zinnwald Lithium, Wikipedia, Oiger-Archiv, North Data, Sächsisches Oberbergamt

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger