KI soll Spontan-Einstürze à la Carolabrücke erahnen lernen

TU Dresden spickt Forschungsbrücke in Bautzen mit Sensoren und Künstlicher Intelligenz – und macht sie dann kaputt
Bautzen, 2. März 2025. Damit böse Überraschungen wie der Einsturz der Carolabrücke in Dresden nicht mehr ohne weiteres möglich sind, soll „Wackelkandidaten“ künftig mit Sensoren gespickt und dann durch „Künstliche Intelligenzen“ überwacht werden. Um auszuprobieren, wie das funktionieren kann, eröffnet Noch-Verkehrsminister Volker Wissing (CDU) am 19. März im sächsischen Bautzen eine 45 Meter lange Forschungsbrücke. Das hat die Technische Universität Dresden (TUD) angekündigt, die das Verbundforschungsprojekt „Infrastrukturdatenauswertung mit künstlicher Intelligenz“ (IDA-KI) koordiniert.
Sensoren soll Digitalen Zwilling der Brücke speisen
Die Forschungsbrücke sei mit innovativer Sensorik ausgestattet, „um Schäden an Brücken frühzeitig zu erkennen und um eine Zustandsüberwachung ab ,Stunde Null’ zu erproben“, heißt es vom federführenden TUD-Institut für Massivbau. Ziel sei eine zuverlässige Echtzeit-Zustandsbewertung von Brücken. Helfen sollen dabei digitale Zwillinge: Von jeder KI-überwachten Brücke soll die Überwachungs-KI virtuelle Abbilder schaffen und fortlaufend aktualisieren. Mit solchen digitalen Zwillingen wären dann zum Beispiel Belastungs-Simulationen und vorausschauende Wartung möglich.
Forscher wollen auch Sensoren manipulieren und schädigen, damit KI aus Fehlern lernt
Die Testbrücke in Bautzen ist als offenes Labor (Openlab) konzipiert, um frei experimentieren zu können. Zunächst wollen die Ingenieure den Zustand der Brücke mit und ohne Gebrauchslasten als Referenz ein Jahr lang messen. Danach wollen sie die Brücke gezielt belasten und absichtlich stark beschädigen. „Parallel soll redundante Sensorik geschädigt und manipuliert werden, sodass eine Realdatenbasis mit spezifischen Signalcharakteristika zu messtechnischen und strukturellen Anomalien geschaffen werden kann“, heißt es von den Projektpartnern. Letztlich soll die KI dadurch lernen, zukünftig automatisch Messfehler aus Überwachungsdaten herauszufiltern und von echten Schäden zu unterscheiden.
Projektkoordinator ist Prof. Steffen Marx von der TUD. Zum Konsortium gehören neben dem Institut für Massivbau der TUD auch das Institut für Digitales und Autonomes Bauen der TU Hamburg, die MKP GmbH und die Hentschke Bau GmbH. Sie vereinen nach Uni-Angaben „langjährige Erfahrungen in der digitalen Bauplanung, im Bauwerksmonitoring und der KI-basierten Fehlerdiagnostik“.
Autor: hw
Quelle: TUD

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