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Investitionen in Sachsens Industrie um 6,2 % geschrumpft

Die Lohnlücke zwischen Ost und West liegt in Deutschland bei etwa 15 %. Themenfoto: Heiko Weckbrodt
Themenfoto: Heiko Weckbrodt

Landesstatistiker veröffentlichen bedenkliche 2023er Zahlen

Kamenz, 13. Januar 2025. Die anhaltende Stagnation und Multikrise in Deutschland schlägt sich spürbar in den Langfrist-Ausgaben für Sachsens Industrie nieder – früher ein Zugpferd der Wirtschaft im Freistaat: 2023 investierte die sächsische Industrie nur noch 3,9 Milliarden Euro in ihre Betriebe und damit 6,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Das geht aus aktuellen Berechnungen des statistischen Landesamtes in Kamenz hervor – Zahlen für 2024 liegen noch nicht vor.

Starke Rückgang vor allem bei den „Zugpferden“

Am meisten investierten zwei Leitindustrien im Freistaat, wobei auch hier die Rückgänge am stärksten sind: Die Autoindustrie steckte 799 Millionen Euro (-6 %) in ihre Anlagen, Fabrikbauten und dergleichen, in der Halbleiter- und Elektronikindustrie waren es 751 Millionen Euro (-39,1 %). Zu beachten ist hier allerdings, dass in beiden Branchen wenige große Fabrikbauten oder Umrüstungsprogramme für starke Ausschläge nach oben oder unten bewirken können. Man denke dabei beispielsweise an den Ausrüstung der VW-Werke in Zwickau für die inzwischen obsolete Elektroauto-Produktion oder die Investitionen von Bosch, Infineon & Co. in ihre Dresdner Chipfabriken.

Eine Ausnahme war die metallverarbeitende Industrie in Sachsen, die ihre Investitionen um 27,5 Prozent auf 317 Millionen Euro steigerte. Besonders hohe Investitionsquoten – also gemessen am Umsatz – verzeichneten übrigens die Papier-, Elektronik- und Chemieindustrie.

Sprunghafte Politik, sinkende Wettbewerbsfähigkeit und hohe Energiepreise drücken auf die Investitionsbereitschaft

Die Ursachen für die Investitionszurückhaltung haben die Wirtschafts-Kammern und Unternehmer im Freistaat bereits mehrfach genannt: Hohe Energiepreise und Lohnkosten, wachsende Bürokratie, Fachkräftemangel und die erstarkende Konkurrenz aus China und anderen Ländern setzen die Industrie ohnehin unter Druck. Außerdem empfinden viele Unternehmer die Politik von Bundesregierung und EU mit ihren immer neuen Vorschriften und Änderungen als zu sprunghaft, daher scheuen viele von ihnen seit geraumer Zeit langfristige Investitionen. Ein Beispiel unter vielen ist die kurzfristig wegen Geldnot gestoppte „Umweltprämie“ für Elektroauto-Käufer. Dies ließ den deutschen Stromermarkt einbrechen und dürfte sich 2024 noch stärker in den Investitionen niedergeschlagen haben: Inzwischen hat VW seine Elektroauto-Produktion im einstigen Vorreiter-Land Sachsen massiv zusammengestrichen, an weitere Groß-Investitionen ist da kaum zu denken. Hinzu kommt die eher schwache Nachfrage auch aus dem Ausland für deutsche Maschinen, Autos und Ausrüstungen, die früher die Exporte stark angekurbelt hatten.

Autor: hw

Quellen: Statist. LA Sachsen, Oiger-Archiv

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger