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Wilde Schimpansen entwickeln Malaria-Abwehr ähnlich wie Menschen

Über 98 Prozent unseres Erbgutes teilen wir uns mit Schimpansen. Foto: Kevin Langergraber via Senckenberg
Über 98 Prozent unseres Erbgutes teilen wir uns mit Schimpansen. Foto: Kevin Langergraber via Senckenberg

Senckenberg Görlitz an internationaler Studie beteiligt

Görlitz/London, 10. Januar 2024. Schimpansen haben sich auf genetisch ähnliche Weise wie Menschen an Malaria angepasst, um nicht daran zu erkranken. Das hat eine Erbgut-Analyse von 388 Schimpansen von 30 verschiedenen wilden Schimpansen-Populationen ergeben.

Resistenz-Gen für Sichelzellenanämie verantwortlich

„Wir haben Hinweise auf genetische Anpassungen in Genen gefunden, die mit bestimmten Krankheitserregern in Verbindung stehen“, informiert Prof. Dr. Hjalmar Kühl vom Senckenberg-Museum für Naturkunde in Görlitz, der an der internationalen Studie beteiligt war. „Die stärksten Hinweise haben wir in Genen, die mit Malaria in Verbindung stehen entdeckt. Dazu gehören zwei Gene, die auch beim Menschen für Anpassung und Resistenz gegen Malaria bekannt sind: GYPA und HBB – letzteres ist für die Sichelzellenanämie beim Menschen verantwortlich.“

Nur begrenzte Wege zu Resistenzen gegen Malaria

Diese wiederum könnte ein Indiz dafür sein, dass auch die Menschen kaum noch neue genetische Pfade haben, um gegen Malaria immun zu werden: „Es ist aus evolutionärer Sicht bemerkenswert, dass wir Hinweise auf eine Malaria-Anpassung bei Schimpansen gefunden haben, die mit denselben Genen verbunden ist, die auch die Malariaresistenz beim Menschen beeinflussen“, meint Studien-Erstautor Dr. Harrison Ostridge vom Genetik-Institut des „University College London“. „Dies deutet darauf hin, dass es möglicherweise nur begrenzte Wege gibt, wie wir Resistenzen gegen den Malariaparasiten entwickeln können.“

Allerdings könnte die Untersuchung durchaus neue Wege für die Behandlung menschlicher Patienten aufweisen, meint Ostridge: „Die enge genetische Verwandtschaft zwischen den großen Menschenaffen hat dazu geführt, dass Krankheiten von Affen auf Menschen überspringen bzw. unabhängig bei beiden auftreten können, wie beispielsweise HIV/AIDS und Malaria. Das Studium wilder Schimpansen ist daher äußerst nützlich, um diese und andere Infektionskrankheiten beim Menschen zu verstehen und möglicherweise neue Behandlungen oder Impfstoffe zu entwickeln.“

Quelle: Senckenberg Görlitz

Wissenschaftliche Publikation:

„Local genetic adaptation to habitat in wild chimpanzees“ von Harrison J. Ostridge u.a., in: „Science387, eadn7954 (2025), Fundstelle im Netz: https://www.science.org/doi/10.1126/science.adn7954

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger