Syphilis kam aus Amerika

Leipzig, 3. Januar 2025. Die Syphilis wurde Ende des 15. Jahrhunderts durch europäische Eroberer aus Amerika nach Europa eingeschleppt. Das hat eine Untersuchung des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie (Eva) in Leipzig ergeben. Die weltweite Ausbreitung der Geschlechtskrankheit sei „erst der Kolonialzeit zuzuschreiben“, betonen die Forscher.
Die Vorgeschichte: Im Frühjahr 1495 wurde der Italienfeldzug Karls VIII. von Frankreich durch den Ausbruch einer bis dahin unbekannten Krankheit unterbrochen, die eine hohe Sterblichkeitsrate aufwies, sich rasch über ganz Europa ausbreitete und bei den Überlebenden zu schweren körperlichen und geistigen Schäden führte. Die so dokumentierte Epidemie gilt heute als erster historischer Nachweis der Syphilis.
Wo und wann die Krankheit ihren Ursprung hatte, ist jedoch seit Jahrzehnten umstritten. Der Ausbruch gegen Ende des 15. Jahrhunderts, kurz nachdem Kolumbus und seine Mannschaft von ihren ersten Entdeckungsreisen nach Amerika zurückgekehrt waren, ließ manche vermuten, dass der Kontakt mit neuen Ländern und Menschen zu dem plötzlichen Auftreten der Krankheit beigetragen haben könnte. Darüber entspann sich eine lange Kontroverse in der Forschung.
Die Eva-Wissenschaftler sind aber nun überzeugt, diese Frage klar mit der „Import“-Variante beantworten zu können. Mit modernen Methoden gelang es dem Team, fünf alte Genome von Syphilis und verwandten Erregern aus Mexiko, Chile, Peru und Argentinien zu rekonstruieren und zu analysieren. „Wir konnten die Beziehungen zwischen diesen ausgestorbenen Formen und den Stämmen, die heute weltweit die Gesundheit beeinflussen, sicher bestimmen”, berichtet Bioinformatiker Lesley Sitter. „Die Daten zeigen eindeutig, dass die Syphilis und ihre bekannten Verwandten ihren Ursprung in Amerika haben, und ihre Einschleppung nach Europa ab dem späten 15. Jahrhundert stimmt mit diesen Daten überein“, betont Eva-Gruppenleiterin Kirsten Bos.
Quelle: MPI-Eva
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