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Syphilis kam aus Amerika

Darío Ramirez bei Laborarbeiten an pathologischen menschlichen Knochen am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie. Foto: Rodrigo Nores via MPI-Eva
Darío Ramirez bei Laborarbeiten an pathologischen menschlichen Knochen am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie. Foto: Rodrigo Nores via MPI-Eva

Leipzig, 3. Januar 2025. Die Syphilis wurde Ende des 15. Jahrhunderts durch europäische Eroberer aus Amerika nach Europa eingeschleppt. Das hat eine Untersuchung des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie (Eva) in Leipzig ergeben. Die weltweite Ausbreitung der Geschlechtskrankheit sei „erst der Kolonialzeit zuzuschreiben“, betonen die Forscher.

Die Vorgeschichte: Im Frühjahr 1495 wurde der Italienfeldzug Karls VIII. von Frankreich durch den Ausbruch einer bis dahin unbekannten Krankheit unterbrochen, die eine hohe Sterblichkeitsrate aufwies, sich rasch über ganz Europa ausbreitete und bei den Überlebenden zu schweren körperlichen und geistigen Schäden führte. Die so dokumentierte Epidemie gilt heute als erster historischer Nachweis der Syphilis.

Wo und wann die Krankheit ihren Ursprung hatte, ist jedoch seit Jahrzehnten umstritten. Der Ausbruch gegen Ende des 15. Jahrhunderts, kurz nachdem Kolumbus und seine Mannschaft von ihren ersten Entdeckungsreisen nach Amerika zurückgekehrt waren, ließ manche vermuten, dass der Kontakt mit neuen Ländern und Menschen zu dem plötzlichen Auftreten der Krankheit beigetragen haben könnte. Darüber entspann sich eine lange Kontroverse in der Forschung.

Die Eva-Wissenschaftler sind aber nun überzeugt, diese Frage klar mit der „Import“-Variante beantworten zu können. Mit modernen Methoden gelang es dem Team, fünf alte Genome von Syphilis und verwandten Erregern aus Mexiko, Chile, Peru und Argentinien zu rekonstruieren und zu analysieren. „Wir konnten die Beziehungen zwischen diesen ausgestorbenen Formen und den Stämmen, die heute weltweit die Gesundheit beeinflussen, sicher bestimmen”, berichtet Bioinformatiker Lesley Sitter. „Die Daten zeigen eindeutig, dass die Syphilis und ihre bekannten Verwandten ihren Ursprung in Amerika haben, und ihre Einschleppung nach Europa ab dem späten 15. Jahrhundert stimmt mit diesen Daten überein“, betont Eva-Gruppenleiterin Kirsten Bos.

Quelle: MPI-Eva

Wisssenschaftliche Publikation:

„Ancient genomes reveal a deep history of Treponema pallidum in the Americas“ von Rodrigo Barquera, T. Lesley Sitter, Casey L. Kirkpatrick, Darío A. Ramirez, Arthur Kocher, Maria A. Spyrou, Lourdes R. Couoh, Jorge A. Talavera-González, Mario Castro, Tanya von Hunnius, Evelyn K. Guevara, W. Derek Hamilton, Patrick Roberts, Erin Scott, Mariana Fabra, Gabriela V. Da Peña, Aryel Pacheco, Mónica Rodriguez, Eugenio Aspillaga, Anthi Tiliakou, Elizabeth A. Nelson, Karen L. Giffin, Raffaela A. Bianco, Adam B. Rohrlach, María de los Ángeles García Martínez, Fabiola A. Ballesteros Solís, Antti Sajantila, Shelley R. Saunders, Rodrigo Nores, Alexander Herbig, Johannes Krause, and Kirsten I., in: „Nature“, 18 December 2024, DOI: 10.1038/s41586-024-08515-5
Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger