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Den Elektronik-Fehlerteufeln auf der Spur

Celina Scheumann lötet in der Lumiloop-Manufaktur in Dresden ein Kabel an einen Sensor-Controller. Foto: Heiko Weckbrodt
Celina Scheumann lötet in der Lumiloop-Manufaktur in Dresden ein Kabel an einen Sensor-Controller. Foto: Heiko Weckbrodt

Störfelder machen Autos und Flugzeugen voller Elektronik besonders zu schaffen – daher sind  Lumiloop-Sensoren aus Dresden gefragt

Dresden, 26. November 2024. Industriekonzerne, Raumfahrt-Agenturen, ja selbst die Militärs sorgen sich in wachsendem Maße, ob ihre schönen Fahrzeuge, Düsenflieger, Satelliten und anderen Gerätschaften wirklich so gut gegen Störfelder gesichert sind wie bisher gedacht: Bleibt das mit moderner Elektronik vollgestopfter Edelautomobil womöglich abrupt stehen, wenn es eine Radarstation passiert? Reicht ein gezielter Schuss mit einer elektromagnetischen Mobilkanone, um die millionenteure Drohne mit verschmorten Schaltkreisen vom Himmel zu holen?

Trend geht zur Präzisions-Analyse in Verwirbelungskammern

Seien es nun gezielte Attacken oder einfach zunehmender Elektrosmog: Für Hightech-Firmen wird es immer wichtiger heraus zu bekommen, wie zuverlässig ihre Produkte in elektromagnetischen Felder wirklich funktionieren. Und dieser Trend hin zu immer genaueren Analysen füllt auch die Auftragsbücher einer Dresdner TU-Ausgründung seit einiger Zeit: Lumiloop hat sich auf lichtenergie-gespeiste Sensoren spezialisiert, die eben solche Störstrahlung hochpräzise erfassen können. Das baut nun schrittweise seine Kapazitäten im Technologiezentrum Dresden aus.

TU-Professor wünscht sich „Messtechnik an den Grenzen des technisch Machbaren“

„Wir brauchen Messtechnik an den Grenzen des technisch Machbaren“, meint Prof. Hans Georg Krauthäuser, der die Lumiloop-Sensortechnik demnächst in seinen „Moden-Verwirbelungskammern“ an der TU Dresden einsetzen will. Das sind Kammern, die nach und nach die traditionellen „Absorberhallen“ ablösen, weil sich in ihnen besonders preiswert, schnell und realitätsnah Wirbelfelder erzeugen lassen, die dem tatsächlichen Elektrosmog im Alltag sehr nahe kommen. Um diese neuen Prüf-Kammern aber richtig auszumessen, braucht es eben Präzisions-Sensoren wie die von Lumiloop: „Solche Technik war lange Zeit überhaupt nicht verfügbar“, sagt Prof. Krauthäuser. „Und nun bekommen wir sie sogar von einem Dresdner Unternehmen.“

„Feldstärken, bei denen Ihnen die Leiterplatten wegbrennen“

Hintergrund dieser Projekte: Fahr- und Flugzeuge haben immer mehr Elektronik an Bord. Ähnliches gilt auch für Raumsonden und Militärgeräte. Elektronik aber sendet im laufenden Betrieb selbst störende und verräterische elektromagnetische Strahlung ab, was zum Beispiel schlecht für den Tarneinsatz ist oder schlicht schlecht für Gesundheit und WLAN-Empfang. Anderseits ist solch elektronik-lastige Technik aber eben auch angreifbar und störanfällig: durch den allgegenwärtigen Elektrosmog oder gezielte Attacken mit elektromagnetischen Pulswerfern (EMP) angreifbar. „Da sprechen wir im Extremfall über Feldstärken, bei denen Ihnen die Leiterplatten wegbrennen“, erklärt TU-Professor Krauthäuser. Am anderen Ende der Skala sind es manchmal auch ganz schwache Störfelder, die scheinbar unerklärbare Fehler in Flugzeug-Cockpits oder in Raumsonden draußen im All auslösen.

Dresdner Ingenieure entwickelten Lichtenergie-gespeiste Präzisions-Messsonden

Solche kleinen elektromagnetischen Störenfriede aufzuspüren, war noch vor einigen Jahren sehr schwer: Allein schon die Kupferkabel für die Stromversorgung traditioneller Feld-Sensoren reichte, um die Messergebnisse gnadenlos zu verfälschen. Dann gründete sich „Lumiloop“ aus der Dresdner Uni aus und entwickelte hochpräzise Feldmesssonden, die sich von aller Kupfer-Kabelage befreit hatten und ihren Energiebedarf durch Lichtenergie per Glasfaser deckten.

Globaler Kundenkreis

Seither wird das Unternehmen mit Aufträgen aus der Automobil- und Elektronikindustrie, aus Luft- und Raumfahrt wie auch aus dem Militärsektor überhäuft. Zu den Kunden zählen Mercedes und die europäische Raumfahrtagentur Esa ebenso wie große Elektronikhersteller aus Asien und anderswo. Seither haben die Jahresumsätze auf 2,5 Millionen Euro zugelegt. Und das Team um die Gründer Eike Suthau und Samuel Hildebrandt ist auf 25 Köpfe gewachsen – zehn mehr als noch vor zwei Jahren.

Lumiloop-Laborchef Henning Iseke (links) und TU-Professor  Hans Georg Krauthäuser zeigen einen der speziellen Transportkoffer für die lichtgespeisten Feldsensoren von Lumiloop Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt
Lumiloop-Laborchef Henning Iseke (links) und TU-Professor Hans Georg Krauthäuser zeigen einen der speziellen Transportkoffer für die lichtgespeisten Feldsensoren von Lumiloop Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Als Kalibrierungs-Stelle akkreditiert

Zu den Neuzugängen gehört Laborleiter Henning Iseke. Der hat sich auf die Eichung der Präzisionsmesstechnik spezialisiert und hat sogar die offizielle Akkreditierung als Kalibrierungs-Prüfestelle bekommen. Dieser neue Status helfe auch, Kundenaufträge schneller abzuarbeiten, weil externe Kalibrierer mit der schnell wachsenden Lumiloop-Produktion bisher kaum hinterher kamen, erklärt Geschäftsführer Samuel Hildebrandt. Die dafür nötige abgeschirmte Prüfkammer hatte seinerzeit die Sparkassentochter „SIB Innovations- und Beteiligungsgesellschaft“ mitfinanziert.

Gesundheitsüberwacher für Windräder auf der Agenda

Und weitere Schübe sind schon absehbar: Für ein neues Geschäftsfeld entwickeln die Lumiloop-Ingenieure derzeit lichtgespeiste Überwachtungs-Sensoren für Windräder, die bei Bruchgefahren oder Wartungsbedarf automatisch die Windkraftpark-Betreiber alarmieren. Wenn sich dieses Konzept durchsetzen sollte, will Hildebrandt die Belegschaft weiter ausbauen. Die Erweiterungs-Räume dafür hat er sich für alle Fälle schon mal bei der TUD-Leitung gesichert.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Lumiloop, Auskünfte Prof. Krauthäuser (TUD), Oiger-Archiv, Wikipedia

 

 

Lumiloop-Laborchef Henning Iseke (links) und TU-Professor Hans Georg Krauthäuser zeigen einen der speziellen Transportkoffer für die lichtgespeisten Feldsensoren von Lumiloop Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Celina Scheumann lötet in der Lumiloop-Manufaktur in Dresden ein Kabel an einen Sensor-Controller. Foto: Heiko Weckbrodt

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger