Erzgebirgler schicken Protestbrief gegen Lithium-Bergwerke an EU

Bürgerinitiativen wollen verhindern, dass Kommission den Abbau des Akku-Rohstoffs als strategisch wichtig einstuft
Altenberg, 29. Oktober 2024. Um zu verhindern, dass die Behörden die von „Zinnwald Lithium“ geplanten Lithium-Bergwerke im Erzgebirge mehr oder minder im Eilverfahren genehmigen, haben vier Bürgerinitiativen und drei Organisationen einen Protestbrief an die EU-Kommission geschrieben. In dem Schreiben an Binnenmarkt-Generaldirektorin Kerstin Jorna fordern sie, „Zinnwald Lithium PLC“ und „European Metals Holding“ nicht als „strategisches Projekt“ nach dem Gesetz über kritische Rohstoffe („Critical Raw Materials Act“ = CRMA) einzustufen. Das hat die federführende „Bürgerinitiative Bärenstein“ mitgeteilt.
Anwohner fürchten, mit ihren Bedenken übergangen zu werden
„Wenn die Lithium-Bergbauprojekte im Erzgebirge den Status von strategischen Projekten erhalten, werden sie in einem schnelleren und einfacheren Genehmigungsverfahren behandelt“, argumentiert Britta Weber von der Bürgerinitiative Bärenstein. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass dabei der Natur- und Landschaftsschutz sowie die Anliegen der lokalen Bevölkerung gegenüber den Zielen des Bergbaus als vorrangiges öffentliches Interesse der EU als nachrangig betrachtet oder übergangen werden.“
Furcht vor explosiven Wirkungen
Dahinter steht die Befürchtung, der neue Lithium-Bergbau könne die Natur zerstören und die Erzgebirgs-Gemeinden schädigen: „Anwohner und Grundstückseigentümer haben große Angst, dass durch die massiven Sprengungen zur Gewinnung des Lithiums die Oberfläche einstürzen und Gebäude beschädigt werden oder sogar zusammenbrechen könnten“, erklärt Kristine Hennig aus Zinnwald. „Die geplante Mine soll unterhalb von noch bestehenden, alten Stollen und Schächten in den Berg gesprengt werden. Die quälende Frage, die uns täglich begleitet, ist die nach dem ,Ob’ und ,Wie’ wir hier weiterleben können.“
„Zerstörerischer Bergbau“
Weber ergänzt: „Wir hier im Osterzgebirge wissen aus der Vergangenheit von 500 Jahren Bergbau sehr genau, welch gravierende Auswirkungen dies auf Mensch und Umwelt hat“, betont Weber. „Seit 1991 wurde hart daran gearbeitet, der Region eine umweltverträgliche Entwicklungsrichtung zu geben. Wir werden unser natürliches, soziales und kulturelles Erbe nicht erneut dem zerstörerischen Bergbau überlassen.“
Wertverlust von Immobilien befürchtet
Ähnlich argumentiert auch Kamila Vítek Derynková aus Cinovec (Tschechisch-Zinnwald): „s besteht nicht nur die Gefahr von negativen Auswirkungen auf Natur und Landschaft, sondern auch eine Reihe von negativen Auswirkungen auf die Menschen in der näheren und weiteren Umgebung sowie auf die Wirtschaft der Region. Dazu gehören der Verlust von Trinkwasserquellen, der zunehmende Güter- und Schwerlastverkehr, Staubemissionen durch den Umschlag und Transport von Materialien – die giftig sein können, die Beeinträchtigung von Tourismus, Freizeitaktivitäten und Landwirtschaft, Bodensenkungen und Gebäudeschäden sowie der Wertverlust von Immobilien.“
Steigender Lithium-Bedarf durch Elektroauto-Produktion erwartet
Hintergrund: Durch die staatliche Energiewende und die Forderung, aus ökologischen Gründen viel mehr Elektroautos als bisher in Europa herzustellen, gab es zunächst viele Pläne, eigene große Akku-Fabriken hierzulande zu bauen. Und die brauchen viel Lithium für die Energiespeicher.
Inzwischen haben sich angesichts der schwachen Nachfrage für Stromer und die Branchen-Krise zwar viele Fabrik-Pläne zerschlagen oder schrumpfen. Da aber Lithium-Abbau eine langfristige Angelegenheit mit jahrelangem Vorlauf ist, will beispielsweise „Zinnwald Lithium“ in Altenberg ein bereits zu DDR-Zeiten entdecktes Vorkommen nun endlich erschließen. Dafür will das Unternehmen über eine halbe Milliarde Euro investieren und zirka 400 Arbeitsplätze schaffen. Wegen der besonderen Bedeutung für Energie- und Verkehrswende haben solche Vorhaben gute Chancen, als strategisch wichtig eingestuft zu werden. Dies kann die Genehmigungsverfahren beschleunigen und Zuschüsse erleichtern. Dagegen gibt es aber Widerstand von Menschen aus dem Osterzgebirge auf deutscher und tschechischer Seite.
Autor: hw
Quellen: Bürgerinitiative Bärenstein, Oiger-Archiv

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