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Pierburg Sachsen baut auch Super-Caps und E-Rad-Abtriebe statt nur Pumpen

Kernkomponenten wie der elektromotor und die Langzeit-Speicherkraft des Akkus bestimmen wesentlich die Leistungskraft eines Elektrofahrrades. Foto: Heiko Weckbrodt

E-Bikes und Pedelecs sind gefragt. Pierburg will daher in seinem Werk Hartha künftig auch Pedelec-Antriebe herstellen. Foto: Heiko Weckbrodt

Rheinmetall-Tochter investiert 31 Millionen Euro in sein Werk Hartha, Sachsen gibt Millionen-Zuschuss

Hartha, 10. Juli 2024. Der Automobil-Zulieferer „Pierburg Pump Technology“ investiert knapp 31 Millionen Euro in seine Pumpen-Fabrik in Hartha und bekommt dafür 7,66 Millionen Euro Zuschuss vom Freistaat Sachsen. Das hat das sächsische Wirtschaftsministerium mitgeteilt.

Unternehmen will sich neue Märkte jenseits der schwächelnden Autoindustrie erschließen

Hintergrund: Die Rheinmetall-Tochter will sich unabhängiger vom Auf und Ab im Pumpenmarkt und speziell in der Automobilindustrie machen. Die Fabrik Hartha soll daher künftig auch Pedelec-Antriebe, Wasserstoff-Systemkomponenten, Hauswärmepumpen, Schaltschutz-Teile und Superkondensatoren („DC-Links“) produzieren. Letztere sind schnell aufladbare Stromspeicher, die immer öfter mit Akkus etwa von Elektroautos und -lastern gekoppelt werden. Für diese zusätzlichen Produktlinien schafft das Unternehmen nun neue Maschinen und Montagelinien an, baut außerdem eine Halle aus. Ein Grund dafür ist der „hohe Wettbewerbsdruck im derzeitigen Kerngeschäft, der Herstellung von Wasserumwälzpumpen“.

Wirtschafts-Staatssekretär: „Pierburg hat die Zeichen der Zeit erkannt“

„Pierburg Pump Technology hat die Zeichen der Zeit erkannt“, lobte Wirtschaftsstaatssekretär Thomas Kralinski, als er heute den Fördermittelbescheid an „Pierburg Pump Technology“-Chef Christoph Müller übergab. Das Unternehmen meistere die Transformation der Zulieferbranche mit klugen Konzepten. „Pierburg stellt sich breiter auf und erschließt sich mit neuen Technologien auch über den automotiven Bereich hinaus neue Märkte.“

Über 100 Jahre E-Motor-Traditionen

Die Pumpen- und Elektromotorenfabrik Hartha kann sich auf über 100 Jahre Industrietraditionen stützen: 1922 gründeten der Kaufmann Emil Oemig und der Ingenieur Gustav Richard Sander die Firma Sander & Oemig und stellten mit 25 Beschäftigten an der Dresdner Straße in Hartha Elektrokleinmotoren her, heißt es in einer „Rheinmetall“-Chronik. „Nach einem Konkurs 1924 gründeten Emil Oemigs Verwandte Alfred und Rudolf Oemig gemeinsam mit dem Ingenieur Paul Groschopp die Firma als Alfred Oemig & Co. AG im gleichen Jahr neu. Der Betrieb wuchs auf 280 Mitarbeiter an und 1937 fand die Firma an der heutigen Sonnenstraße 29 in Hartha einen größeren Standort.“

Elmos war einer der größten Elektromotor-Hersteller der DDR

Nach dem Krieg wurde die Firma enteignet und verstaatlicht. Ab 1948 firmierte das Unternehmen als VEB Elektromotorenwerk („Elmo“). Bis in die 1980er Jahre wuchs Elmo zu einem der größten Elektromotoren-Produzenten der DDR und belieferte den ganzen RGW-Raum. Nach der Wende übernahm Pierburg das Werk Hartha von der Treuhand. Die Fabrik stellte in den Folgejahren Elektromotoren und Saugrohre her, wuchs dann aber vor allem durch die Pumpen-Entwicklung. Vor allem Wasserumwälzpumpen und elektrische Kühlmittelpumpen wurden zum Umsatztreiber. Hauptabnehmer ist die Automobilindustrie. Inzwischen umfasst das Werk Hartha zirka 45.000 Quadratmeter und beschäftigt rund 400 Mitarbeiter. „Das Werk zählt damit zu den größten Arbeitgebern in der Region“, schätzt der Arbeitgeberverband „Sachsenmetall“ ein.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: SMWA, Rheinmetall, Sachsenmetall, Pierburg, Wikipedia

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt