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Kaspersky nach US-Verbot sauer

Bricht die Firewall? Zu viele Unternehmen tun zu wenig für ihre informationstechnologische Sicherheit, meint das neue Cyber-Sicherheitsnetzwerk Sachsen. Visualisierung: Dall-E

Löchrige Firewall? Die US-Behörden sehen in der Kaspersky-Software ein nationales Sicherheitsrisiko. Visualisierung: Dall-E

Russische Softwarefirma weist Verdacht von sich

Ingolstadt/Moskau/Washington, 21. Juni 2024. Im Konflikt mit Russland hat die US-Behörde für Industrie und Sicherheit den Einsatz von Firewalls, Virenwächtern und andere Sicherheits-Software des russischen Anbieters „Kaspersky“ verboten. Der ist nun sauer: „Das Handelsministerium traf seine Entscheidung – davon ist Kaspersky überzeugt – aufgrund des derzeitigen geopolitischen Klimas und theoretischer Bedenken, nicht basierend auf einer umfassenden Bewertung der Integrität der Lösungen und Dienstleistungen“, protestierte das Unternehmen. „Kaspersky ist nicht an Aktivitäten beteiligt, die die nationale Sicherheit der USA bedrohen.“

Deutsches BSI hatte 2022 von Kaspersky-Virenschilden abgeraten

Verbote oder Einschränkungen von Kaspersky-Sicherheitspaketen in Behörden oder darüber hinaus waren bereits länger ein Diskussionspunkt in den USA und in Europa, vor allem seit dem russischen Angriff auf die Ukraine. Die Bedenken dabei: Das Unternehmen könnte womöglich in seine Firewalls Hintertüren für den russischen Geheinmdienst eingebaut haben, die Russland irgendwann zur Spionage oder Sabotage gegen westliche Behörden und Firmen verwenden könnte, die diese Sicherheitspakete installiert haben. Das deutsche „Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik“ (BSI) hatte bereits im März 2022 vom Einsatz von Kaspersky-Virenwächtern abgeraten. Das war kurz bevor die Satire-Sendung „Magazin Royale“ von Jan Böhmermann dem BSI-Chef Arne Schönbohm eine zu große Nähe zu Russland unterstellte, woraufhin Innenministerin Nancy Faser (SPD) den BSI-Chef rauswarf.

Kaspersky hatte diese Vermutungen freilich zurückgewiesen. Man habe den Amerikanern vielmehr „ein System vorgeschlagen, mit dem die Sicherheit von Kaspersky-Lösungen von einer vertrauenswürdigen dritten Partei unabhängig hätte überprüft werden können“, hieß es von der Softwarefirma. Das Handelsministerium habe dies aber bei seiner Entscheidung nicht berücksichtigt.

Das zum Handelsministerium zugehörige „Bureau of Industry and Security (BIS) hatte gestern entschieden, dass Kaspersky keine Antivirensoftware und Cybersicherheitsprodukte oder -dienstleistungen in den USA oder an US-Amerikaner mehr verkaufen darf. Kaspersky sein ein „nationales Sicherheitsrisiko … aufgrund der offensiven Cyberfähigkeiten der russischen Regierung und der Fähigkeit, die Geschäftstätigkeit von Kaspersky zu beeinflussen oder zu lenken“, hieß es zur Begründung.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Kaspersky

Kommentar: Sicherheitspolitik – oder wieder Wirtschaftspolitik?

Die Bedenken und letztlich die Entscheidung der Amerikaner sind angesichts der Eiszeit zwischen den USA und Russland schon irgendwie nachvollziehbar. Wenn die USA Russland als Feind sehen, dann dürfte es schwer sein, mit letzter Sicherheit den Hintertür-Verdacht auszuräumen.

Allerdings ist auch nicht auszuschließen, dass die Biden-Regierung ähnlich wie schon im Wirtschaftskrieg mit China auch hier wieder Sicherheitspolitik und wirtschaftliche Eigeninteressen vermischt: Bereits bei den Sanktionen gegen Huawei lag der Verdacht nahe, dass die Amerikaner einen nationalen Champion der Chinesen niederringen wollten, um US-Unternehmen wie Apple, Qualcomm & Co. aufzupäppeln, nachdem die Chinesen mit ihren Smartphones und Netzwerk-Infrastrukturen an der Konkurrenz vorbeigezogen waren. Ebenso hilft auch in diesem Fall das Kaspersky-Verbot dessen Konkurrenten – von denen ein Großteil in den USA residiert.

Autor: Heiko Weckbrodt

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt