Funk, News, zAufi

Datenlasten steigen: Mobilfunker sorgen sich um Stromverbrauch

Dieses Themenfoto zeigt einen Mobilfunkmasten am südöstlichen Stadtrand von Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Dieses Themenfoto zeigt einen Mobilfunkmasten am südöstlichen Stadtrand von Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Offene Netzarchitekturen, KI, Nachhaltigkeit und Abhängigkeiten beschäftigen Branche auf der „Connect“ in Dresden

Dresden, 21. Juni 2024. Wie sich der Energieverbrauch der Handy-Netze bei wachsenden Datenlasten bewältigen und wie sich die Abhängigkeit von chinesischen Spezialelektronik-Anbietern wie Huawei durch offene Netzarchitekturen à al „Open RAN“ verringern lassen, waren zentrale Diskussionspunkte der Telekommunikations-Konferenz „Connect 2024“, die der Weka-Verlag dieser Tage in Dresden ausgetragen hat. Die rund 100 Experten aus Wirtschaft und Forschung diskutieren im Hilton-Hotel am Elbufer zudem den Wandel der Branche durch den massiven Einsatz „Künstlicher Intelligenz“ und den schrittweisen Umstieg vom Mobilfunk der fünften auf die sechsten Generation, also von 5G auf 6G.

Dresden gilt als wichtiger Forschungsstandort für 5G und 6G

Dass die sächsische Landeshauptstadt erneut Austragungsort für die „Connect“ war, hat viel mit den Forschungsstärken am Standort zu tun: „Wir haben seit langem enge Kooperationen mit der TU Dresden“, betont Hannes Rügheimer vom veranstaltenden Weka-Verlag aus Haar bei München. Das „5G Lab“ der Uni habe seinerzeit wesentlich zur Entwicklung von 5G beigetragen und arbeite längst auch schon an 6G. Als Pioniere dieser Forschungen gelten insbesondere die Dresdner Professoren Gerhard Fettweis und Frank Fitzek, die auch dazu beigetragen haben, dass das Exzellenzcluster Ceti entstand und sich Branchengrößen wie Vodafone mit einem großen Entwicklungszentrum in Dresden angesiedelt haben. Zudem richtet die Uni auch wichtige Branchenkongresse wie den „6G Summit“ aus.

Kann ich mein Leben einem öffentlichen Mobilfunk-Netz anvertrauen?

Gerade bei der nächsten Mobilfunkgeneration 6G werde „Trust“, also Vertrauenswürdigkeit, eine entscheidende Rolle spielen, meinen Dresdner Spezialisten wie Prof. Fettweis, aber auch Weka-Vertreter. Denn um beispielsweise teilautonome Autos per Mobilfunk fernzusteuern, Haushaltsroboter in Wohnungen oder Landmaschinen auf dem Feld zu vernetzen, müssen die Mobilfunknetze noch mal ein ganzes Stück zuverlässiger, reaktionsschneller und angriffssicherer als die heutigen 4G- und 5G-Netze werden. Der Tenor der Experten: Europa sollte dazu übergehen, die Chips für Smartphones und Mobilfunknetze selbst zu bauen. „Aus generellen Erwägungen sollten wir uns dafür nicht von Asien und den USA abhängig machen“, zitiert eine Weka-Sprecherin Einschätzungen der Forscher. Allerdings gibt es auch skeptische Stimmen zum vielbeschworenen Einsatz von Mobilfunk für das automatische und autonome Fahren: „Würden Sie sich einem autonom fahrenden Auto in einem öffentlichen Netz anvertrauen?“, fragte Michael Martin von „1&1“ die Konferenzteilnehmer rhetorisch. „Ich nicht.“

Offene Architekturen im Trend

Um mehr Vertrauen in die Netze zu schaffen, setzen mehrere Branchenvertreter mittlerweile auf das Transparenzprinzip, wie es eben auch in „Open RANs“ vorgemacht wird. Dabei handelt es sich um Netzwerke, die weitgehend ohne spezielle Netztechnik aus Fernost in den Sendestationen auskommen, sondern diese Spezialelektronik auf Standard-Computertechnik in Rechenzentren simulieren. Die Ideen dahinter skizzierte unter anderem Michael Martin während der „Connect“: „ORAN macht uns weniger abhängig von einzelnen Hardware-Anbieter, wir können die besten Antennen verwenden, die gerade verfügbar sind, und unserer CO2-Fußabdruck verbessert sich ebenfalls.“

ORAN-Konzept könnte Europas Abhängigkeiten mindern und den Stromverbrauch eindämmen

Denn Open RANs, wie sie auch das Dresdner Barkhausen-Institut erforscht, könnten die deutsche Abhängigkeit von chinesischen Zulieferern mindern, ebenso die Konflikte mit den USA, die in ihren Wirtschaftskrieg gegen die Chinesen auch zunehmend ihre europäischen Verbündeten unter Druck setzen. Und nicht zuletzt könnten solche offenen, hardware-unabhängigen Architekturen auch den Energiebedarf und die Standortprobleme der stark belasteten Handy-Netze dämpfen. Denn Rechenzentren lassen sich effizienter mit Strom versorgen als dezentrale Netzwerktechnik. Zudem schrumpfen die Basisstationen, wenn keine Spezialelektronik mehr darin verbaut wird – was wiederum den Platzbedarf und die Standort-Anforderungen verringert.

Ursprünglich als Nachfolger der Cebit gedacht, heute eine Fachkonferenz

Die „Connect“ selbst hat sich mittlerweile als feste Instanz im Dresder Technologiekonferenz-Kalender etabliert – wenn auch in stark veränderter Form im Vergleich zum Premierenjahr 2019: Damals hatte Weka die „Connect“ noch als Mischung aus Fachtagung und Publikumsmesse im Internationalen Conferenz-Centrum Dresden organisiert. Der Verlag wollte damit eine Art Nachfolger für die kurz zuvor beerdigte Hannoveraner „Cebit“ etablieren. Die Besucherzahlen blieben aber unter den Erwartungen, dann kam auch noch Corona. Nach der Pandemie schwenkte der Verlag deshalb ganz darauf um, die „Connect“ als Fachkonferenz auszurichten.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Vor-Ort-Besuch, Connect, O2, Oiger-Archiv, Wikipedia, Sächsische Zeitung

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt