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Aufgebohrte Immuntherapie gegen Hauptkrebs

Dr. Anja Feldmann. Foto: Ronald Bonss für das HZDR

Dr. Anja Feldmann. Foto: Ronald Bonss für das HZDR

Mediziner aus Dresden und Leipzig wollen Immunsystem der Patienten neu starten – und auch wieder ausschalten, wenn’s brenzlig wird

Dresden/Leipzig, 19. Juni 2024. Mit einer aufgebohrten Immuntherapie wollen Mediziner aus Leipzig und Dresden die Heilungs-Chancen von Hautkrebs-Patienten verbessern. Sie setzen dabei auf eine neue Variante der CAR-T-Zell-Immuntherapie, die bei zu starken Nebenwirkungen auch rasch deaktivierbar sein soll und die durch „Künstliche Intelligenz“ (KI) unterstützt wird. Das hat das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) mitgeteilt, das gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie (IZI) und der Uni Leipzig nun das Projekt „„KI-CARs“ gestartet hat. Ein Ziel sei es dabei, „mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz die körpereigene Immunabwehr gezielt zu aktivieren, um den Tumor wirksamer und zugleich nebenwirkungsärmer zu bekämpfen“.

Krebszellen tricksen Immunsystem aus

„Eigentlich ist unser Immunsystem in der Lage, Tumorzellen zu erkennen und zu bekämpfen“, erklärt HZDR-Forscherin Dr. Anja Feldmann. „Doch unglücklicherweise können Tumorzellen das Immunsystem so beeinflussen, dass es den Krebs nicht mehr erkennt.“ Die Immuntherapie versucht diesen Täuschmechanismus auszuhebeln: Spezielle Medikamente blockieren Proteine, die die Krebszellen nutzen, um das Immunsystem zu unterdrücken. Dadurch können die T-Zellen – die Killerzellen des Immunsystems – die Tumorzellen besser erkennen und bekämpfen. Allerdings kann diese Therapie erhebliche Nebenwirkungen haben, zum Beispiel neben dem Tumor auch gesunde Zellen attackieren oder im Körper eine Entzündungs-Lawine auslösen, einen „Zytokinsturm“. Zudem spreche mehr als die Hälfte der Behandelten gar nicht auf die Medikamente an, so Feldmann.

Daher modifizieren die Projektpartner nun eine Therapiem, die sich so ähnlich bereits Blutkrebs bewehrt hat: Die Ärzte nehmen einem Patienten mit „malignem Melanom“ Blut ab, isolieren daraus T-Zellen, die im menschlichen Immunsystem auch für die Krebsabwehr zuständig sind, und ergänzen sie um zwei verschiedene Rezeptor-Moleküle: chimären Antigenrezeptoren (CAR) sowie Ausschalt-Molekülen. Dadurch können sie das Immunsystem des Patienten neustarten – aber auch durch Ausschaltstoffe die Therapie sofort stoppen, wenn die Nebenwirkungen zu stark werden.

Künstliche Intelligenzen sollen dabei zwei Aufgaben übernehmen: Sie helfen, spezielle Moleküle (Marker) zu finden, die nur bei Hautkrebs vorkommen. Und sie sollen spezielle Target-Moleküle designen, um die Therapie zielgenauer zu machen.

Jährlich fast 24.000 neue Hautkrebs-Fälle

Der Bedarf für neue Therapien gegen Hautkrebs ist jedenfalls groß: In Deutschland erkranken jährlich fast 24.000 Menschen am „malignen Melanom“: dem schwarzen Hautkrebs. Die Tumorart ist besonders aggressiv. Wird sie nicht frühzeitig erkannt, bildet sie Metastasen, also Tochtergeschwülste in anderen Körperteilen. Trotz moderner Therapien liegt die 10-Jahres-Überlebensrate bei fortgeschrittenem Krankheitsverlauf derzeit bei unter 20 Prozent.

Autor: Oiger

Quelle: HZDR

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt