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„Intelligente Roboter könnten nächster Exportschlager ‘Made in Germany‘ werden“

Dieser Mimik-Roboter demonstriert einen anderen Forschungsschwerpunkt im Ceti: Kann eine elaborierte Mimik die Akzeptanz für Roboter im Alltag verbessern - oder erreicht an damit das Gegenteil? Foto: Heiko Weckbrodt

Mimik-Roboter im Ceti Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

TU Dresden beteiligt sich am neuen „Robotics Institute Germany“ (RIG)

Berlin/Dresden, 19. Juni 2024. Um Deutschland in der Robotik sowie deren Verbindung zu Künstlicher Intelligenz (KI) eine Führungsposition zu sichern, haben Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) ein „Robotics Institute Germany“ (RIG) gegründet. Dabei handelt es sich um kein reales Institut, sondern um einen Verbund aus zehn Unis und 25 weitere Instituten und Unternehmen – darunter auch die TU Dresden. Der Bund hat bis 2028 insgesamt 20 Millionen Euro Fördergelder versprochen.

„Moment für KI-basierte Robotik ist deshalb genau jetzt“

„Deutschland ist sowohl in der KI- als auch der Robotikforschung bereits sehr gut aufgestellt“, betont Stark-Watzinger. „Der Moment für KI-basierte Robotik ist deshalb genau jetzt.“ Wirtschafts-Staatssekretär Udo Philipp meint: „Für den Industrie- und den Wirtschaftsstandort Deutschland ist KI-basierte Robotik eine entscheidende technologische Stellschraube.“

Anpassungsfähige Roboter gefragt

KI-basierte beziehungsweise „intelligente“ Robotik meint Roboter, die mehr können als die ewig gleichen Arbeitsschritte wie ihre Standard-Stahlkollegen etwa in Autofabriken: Durch KI-Hilfe sollen sie auch mit wechselnden Aufgaben, sich verändernden Umgebungen und unvorhersehbaren Problemen in einem gewissen Ausmaß selbst zurecht kommen – ohne dass der Mensch ständig eingreifen muss. Dies erweitere „die Einsatzmöglichkeiten von Robotern auch abseits abgeschirmter industrieller Fertigungszellen“, schätzt etwa die Deutsche Technikakademie „Acatech“ ein. So werden kollaborative Roboter (Kobots) beispielsweise schon im Handwerk eingesetzt. Auch roboter- und KI-gestützte Operationen spielen in großen Krankenhäusern bereits eine wachsende Rolle. Zudem arbeiten viele deutsche Unternehmen an „No Code“-Unterricht für Roboter, damit auch Facharbeiter ohne Software-Spezialausbildung Roboter anlernen können. Freilich sind noch viele technologische und wirtschaftliche Herausforderungen zu lösen, bis sich Roboter frei in ihnen unbekannten Räumen bewegen und zumindest kleine Aufgaben weitgehend selbst lösen können: Dazu bedarf es einer neuen Generation von Robotik-Sensoren, spezialisierter KI, neuer Standards und dergleichen mehr.

„Riesenchance für Deutschland“

Freilich verknüpfen die Befürworter dieses Technologiepfades auch große Hoffnung mit der Verbindung aus Robotik und KI: „Intelligente Roboter könnten der nächste große Exportschlager ‘Made in Germany‘ werden“, meint beispielsweise RIG-Koordinatorin Prof. Angela Schoellig vom Konsortialführer TU München. Ähnlich sieht das Dr. Tina Klüwer vom „Künstliche Intelligenz Entrepreneurship Zentrum by Science & Startups“: „KI-getriebene Robotik ist eine Riesenchance für Deutschland.“ Hintergrund: Im umsatzstarken Markt für Industrieroboter hatte Deutschland unlängst mit Kuka seinen letzten großem Hersteller an die Chinesen verloren. Angesichts von Resilienz-Trends, Industrie 4.0, hohen Personalkosten und verschärftem internationalen Wettbewerbsdruck sind nun allerdings auch intelligente Robotiksysteme für einen neuen Automatisierungsschub gefragt – und damit könnte Deutschland womöglich punkten.

Mensch und Maschine arbeiten in der Ceti-Bar in Dresden eng zusammen: Der Barmann lernt den Roboter an, der wird vorerst noch per Datenbrille von einem Menschen ferngesteuert. Foto: Heiko Weckbrodt

Mensch und Maschine arbeiten in der Ceti-Bar in Dresden eng zusammen. Foto (bearbeitet, freigestellt: Heiko Weckbrodt

Sachsen profilieren sich als „Robot Valley“

Mitmischen wollen hier auch die Sachsen, die sich schon seit geraumer Zeit als „Robotik Valley Saxony“ zu positionieren versuchen. Sie verweisen unter anderem auf ihr „Centre for Tactile Internet with Human-in-the-Loop“ (Ceti), die robotergestützte Chirurgie im Uniklinikum Dresden, neue Ansätze für Mensch-Maschine-Interaktionen in ihrer neu eröffneten Roboterbar, aber auch die Kobotik-Forschungen an der TU Chemnitz oder die Freiberger Experimente mit KI-Robotern, die Elektronikschritt sortieren. So beteiligen sich von der TUD Kommunikationstechnik-Professor Frank Fitzek und die auf KI-Robotik-OPs spezialisierte Professorin Stefanie Speidel am RIG. „Die TUD hat sich über Jahre hinweg zu einem führenden Standort für Robotik und Künstliche Intelligenz entwickelt“, argumentiert Rektorin Prof. Ursula Staudinger von der Technischen Universität Dresden (TUD). „Mit ihrer Mitgliedschaft im Robotics Institute Germany trägt die TUD dazu bei, weit über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus innovative Spitzenforschung für Anwendungen mit transformativem Potential zur Verfügung zu stellen.“

Stefanie Speidel ist Professorin für „Translationale Chirurgische Onkologie“ am "Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen" (NCT) Dresden. Die Informatikerin entwickelt intelligente Assistenzsystemefür die Krebschirurgie. Foto: André Wirsig für das NCT

Stefanie Speidel ist Professorin für „Translationale Chirurgische Onkologie“ am „Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen“ (NCT) Dresden. Die Informatikerin entwickelt intelligente Assistenzsysteme für die Krebschirurgie. Foto: André Wirsig für das NCT

Am RIG beteiligen sich neben der TU München unter anderem das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), die Universität Bonn, die TU Berlin, die TU Darmstadt, die Universität Bremen, die Universität Stuttgart, die RWTH Aachen, die TU Dresden, die TU Nürnberg, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), das Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, drei Fraunhofer-Institute (IPA, IOSB und IML) und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) sowie 19 weitere Partner.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: TUD, BMBF, Acatech, Wikipedia, Oiger-Archiv

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt