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Prognose: KI krempelt Mobilfunk-Branche um

Florian Streicher (l.) und Alexander Seitz von O2 Telefonica stehen neben der neuen Avatarin "Aura". Foto: Heiko Weckbrodt

Florian Streicher (l.) und Alexander Seitz von O2 Telefonica stehen neben der neuen Avatarin „Aura“. Foto: Heiko Weckbrodt

Avatare, künstliche Programmierer und KI-Lehrer zur „Connect“-Tagung in Dresden vorgeführt

Dresden, 18. Juni 2024. Künstliche Intelligenz wird die deutsche Telekommunikations-Wirtschaft (TK) in den kommenden Monaten und Jahren stark verändern. Das hat Enrique Moreno vom Software-Unternehmen „NTT Data Deutschland“ auf der Technologiekonferenz „Connect 2024“ in Dresden prognostiziert.

Der Mensch schweigt und ruht sich aus, der fast identisch wirkende Avatar übernimmt den Vortrag: Enrique Moreno von "NTT Data" zeigt, wozu KI und Bewegtbild-Generatoren inzwischen imstande sind. Foto: Heiko Weckbrodt

Der Mensch schweigt und ruht sich aus, der fast identisch wirkende Avatar übernimmt den Vortrag: Enrique Moreno von „NTT Data“ zeigt, wozu KI und Bewegtbild-Generatoren inzwischen imstande sind. Foto: Heiko Weckbrodt

Digitaler Zwilling übernimmt mitten im Vortrag

Wie tief der Wandel sein wird, demonstrierte Moreno gleich live während der Konferenz: Einen Teil seines Vortrages delegierte er an einen mit KI-Hilfe binnen Minuten geschaffenen digitalen Zwilling seiner selbst. Dieser Avatar sah aus wie Moreno, gestikulierte wie er und parlierte in verschiedenen Sprachen mit Morenos Stimme – nur mit weniger spanischen Akzent im Englischen, worauf der TK-Experte augenzwinkernd gleich selbst hinwies.

Auch zielgruppen-genaue Werbung im Blick

Und diese KI-Technologie ebnet eben nicht nur Fake-Videos den Boden, sondern lässt sich auch sehr sinnvoll und legal einsetzen, um Kunden bei Problemen zu helfen und sie zu betreuen, neue Bildungsangebote mit digitalen Lehrern zu erstellen und genau auf bestimmte Zielgruppen zugeschnittene Werbung zu produzieren.

Keine Frage von Jahren, sondern von Monaten

Bereits jetzt setze NTT – die übrigens euch eine größere Niederlassung in den ehemaligen Nagema-Hochhäusern in Dresden betreiben – ChatGPT und andere KI-Instanzen systematisch ein – bisher vor allem unternehmensintern. „Was mir beim Einsatz rasch klar geworden ist: Wir dürfen nicht ewig warten und den KI-Einsatz lange vorbereiten – das muss binnen Monaten statt Jahren geschehen“, erklärte der NTT-Manager. Denn die Konkurrenz schläft nicht und erst kürzlich hatte der Dresdner Telekom-MMS-Technikchef Frank Schönefeld die Prognose gewagt: Wer als Software-Unternehmen nicht sofort auf den KI-Zug aufspringt, ist in drei bis fünf Jahren weg vom Fenster.

Und Ähnliches gilt eben auch für die Betreiber vom Mobil- und Festnetzen, denn die Anwendungsmöglichkeiten für KI gerade im TK-Sektor weiten sich derzeit rasch aus: Die Künstlichen Intelligenzen können die Weiterbildung von Mitarbeitern unterstützen, in der Forschung und Entwicklung helfen., aber auch in der Genese neuer Inhalte fürs Internet. Beim Design und in der Produktion, bei der Programmierung und bei der Fehlersuche in Software-Projekten, die vorausschauende Wartung von Anlagen und Geschäftsprozesse optimieren oder die Kundenbetreuung eben durch Avatare revolutionieren.

O2 präsentiert Dialog-Avatarin „Aura“

Und solche Lösungen nähern sich längst dem Praxiseinsatz, wie unter anderem Vertreter von „O2 Telefonica“ während der „Connect“ im Dresdner „Hilton“ vorführten: Sie präsentierten mit „Aura“ bereits eine voll dialogfähige KI-Avatarin, die „O2“-Kunden in Zukunft bei Problemen helfen soll, aber auch persönliche Akzente setzt, beispielsweise Selfies von sich macht.

Generell sind KI-Technologien – ähnlich wie in anderen Branchen – in der TK gerade in aller Munde. Auch Vodafone und andere Protagonisten wollen Künstliche Intelligenz in wachsendem Maße einsetzen – nicht nur für die bereits aufgezählten Anwendungen, sondern beispielsweise auch für Datenanalysen von Mobilfunk-Anwendungen in Industrie und anderen Wirtschaftsbereichen.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Connect-Vorträge und Auskünfte NTT Data, O2, Vodafone, Wikipedia, Oiger-Archiv

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt