Astrophysik & Raumfahrt, Forschung, News, zAufi

Riesenkammer simuliert Weltraum auf Erden

So etwa soll das europäische Athena-Raumschiff aussehen. Visualisierung: Esa

Visualisierung des europäischen Athena-Raumschiffs. Visualisierung: Esa

ILK Dresden entwickelt innovative Anlage für Satelliten-Tests gemeinsam mit Leybold

Dresden, 4. Juni 2024. Um die extreme Hitze und Kälte, die auf Satelliten im Weltraum wirkt, auch auf Erden nachstellen zu können, bauen das private Institut für Luft- und Kältetechnik (ILK) Dresden sowie der Leybold-Konzern gemeinsam eine riesige Thermal-Vakuum-Kammer. Das hat ILK-Ingenieur Moritz Kuhn mitgeteilt. Mit fünf Metern Durchmesser werde diese Weltraum-Kammer neue Maßstäbe für thermische Simulationen setzen, schätzt der für tiefkalte Systeme zuständige Projektleiter ein.

Hitze der Sonne und extreme Kälte des Alls im Vakuum

Die Anlage soll künftig helfen, neue Satelliten vor dem Start in den Orbit durchzutesten. Dabei simuliert die luftleere Kammer auf der einen Seite die extreme Kälte im Weltraum nahe am absoluten Nullpunkt, auf der anderen Seite die Hitze der Sonne. Die dabei auftretenden Temperatur-Unterschiede können die Hülle, die im Innern verbauten Materialien und die Elektronik in einem künstlichen Erdbegleiter stark belasten. Von daher sind Vorab-Tests sinnvoll, um einschätzen zu können, wie lange und wie zuverlässig eine Sonde, ein Satellit oder ein Raumschiff im All funktionieren kann.

Prof. Uwe Franzke leitet das Institut für Luft- und Kältetechnik (ILK) in Dresden. Rechts ist einer der neuen Membran-Wärmetauscher zu sehen, die für bessere Büroluft im Winter sorgen sollen. Foto: Heiko Weckbrodt

Prof. Uwe Franzke. Foto: Heiko Weckbrodt

„Monumentale technische Herausforderungen“

„Unser Institut ist seit vielen Jahren auf Kryotechnik und Tieftemperaturphysik spezialisiert“, betont ILK-Chef Prof. Uwe Franzke. „Mit diesem mächtigen Knowhow sind wir der ideale Partner für Unternehmen wie Leybold, wenn es darum geht, solche monumentalen technischen Herausforderungen zu bewältigen.“

Eine Art riesige Thermoskanne

Für rekordverdächtige Anlage steuert Leybold unter anderem die Vakuumtechnik bei, ein Behälterbauer die Stahlkammer und das ILK die innere Hülle aus Wärmetauscher-Platten. Im Zusammenspiel entsteht daraus eine Art riesige doppelwandige Thermoskanne für Raumfahrt-Experimente.

Seit 60 Jahren ganz schön cool

Das ILK hatte kürzlich sein 60. Gründungsjubiläum gefeiert. Das Institut war vor der Wende eine Art zentraler Ingenierbetrieb für die DDR-Kältetechnik-Industrie gewesen. Heute forscht es als gemeinnützige Privatinstitut für die gesamte Branche in Deutschland an Kryo- und Klimatechnik, innovative Energiespeichern und -gewinnern sowie Anlagen für die Halbleiterindustrie. Das ILK beschäftigt derzeit rund 150 Menschen.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quelle: ILK Dresden

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt