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Kälteinstitut ILK plant 12 Millionen Euro teuren Ausbau in Dresden

Auch dafür braucht das Kälteinstitut ILK Dresden eine neue Versuchshalle: Mit Flüssigeisanlagen wie in diesem Modell - nur eben größer - will das ILK Dresden Tagebauseen in der Lausitz anzapfen, um mit der gewonnenen thermischen Energie dann die Lausitz zu heizen. Foto: Heiko Weckbrodt

Auch dafür braucht das Kälteinstitut ILK Dresden eine neue Versuchshalle: Mit Flüssigeisanlagen wie in diesem Modell – nur eben größer – will das ILK Dresden die Weser in Bremen und Tagebauseen in der Lausitz anzapfen, um mit der gewonnenen thermischen Energie dann die Lausitz zu heizen. Foto: Heiko Weckbrodt

Direktor Franzke sieht gute Chancen, den gordischen B-Plan-Knoten endlich zu lösen

Dresden, 30. Mai 2024. Mit Blick auf den wachsenden Bedarf an Energiespeichern, Tiefkühlkammern und anderem thermodynamischen Spezialanlagen aus Sachsen plant das private „Institut für Luft- und Kältetechnik“ (ILK) Dresden eine Erweiterung. „Wir gehen von etwa zwölf Millionen Euro Kosten aus“, sagte ILK-Chef Prof. Uwe Franzke auf Oiger-Anfrage anlässlich des 60. Instituts-Jubiläums.

Neue Versuchshalle, Labore und Büros sollen am Stammsitz in Striesen entstehen

Mit dem Geld möchte Uwe Franke einen mehrgeschossigen Neubau mit Versuchshalle und Laboren sowie einen kleineren Büroanbau am Stammsitz im Dresdner Stadtteil Striesen errichten lassen. Die Experimentalhalle soll etwa 600 bis 700 Quadratmeter umfassen. Darauf sollen sich zwei Etagen mit jeweils etwa ebenso viel Nutzfläche für Chemie- und Physiklabor anschließen. Außerdem ist ein kleinerer Kopfbau mit einigen Hundert Quadratmetern Fläche für neue Büros und Besprechungsräume vorgesehen – er soll sich direkt an das Stammgebäude andocken. All dies soll den ILK-Forschern neue Möglichkeiten eröffnen, neue Technologien für die Energiewende, die Raumfahrt, Gebäudetechnik und Fabrikversorgung zu entwickeln. Der Baustart ist frühestens 2025, wahrscheinlich aber eher etwas später.

Der alte und der neue ILK-Direktor: Gunter Heinrich (links) und Uwe Franzke schneiden die Geburtstagstorte zum 60. Instituts-Jubiläum an. Foto: Heiko Weckbrodt

Der alte und der neue ILK-Direktor: Gunter Heinrich (links) und Uwe Franzke schneiden die Geburtstagstorte zum 60. Instituts-Jubiläum an. Foto: Heiko Weckbrodt

„Die haben nur gewartet, dass wir den Karren vor die Wand fahren“

Hintergrund: Das 1964 gegründete ILK war zu DDR-Zeiten ein Querschnitts-Forschungsinstitut fürs Kältetechnik-Kombinat ILKA und andere Betriebe der Branche. Nach der Wende wusste die alte Bundesrepublik mit diesen industrienahen DDR-Forschungsstrukturen nichts so recht anzufangen. Deshalb nahm ein Kernkollektiv um den langjährigen ILK-Direktor Prof. Günter Heinrich das Heft des Handelns selbst in die Hand, wandelten den ehemaligen Kombinatsbetrieb in ein gemeinnütziges Privatinstitut für die gesamte Kälte- Wärme- und Klimaindustrie in Deutschland um und organisierten einen Trägerverein aus Branchenvertretern, dem das ILK seither gehört. „Ehrlich gesagt hatte ich bei vielen Politikern damals den Eindruck, dass die damit gerechnet haben, dass wir scheitern werden“, erinnert sich der heutige ILK-Chef Franzke. „Ich glaube, die haben nur darauf gewartet, dass wir den Karren vor die Wand fahren, um dann die Hände heben und sagen zu können: An uns lag es nicht!“.

Das ILK in Dresden-Striesen. Foto: Heiko Weckbrodt

Das ILK in Dresden-Striesen. Foto: Heiko Weckbrodt

Vom Kombinats-Forschungsbetrieb zum gemeinnützigen Privatinstitut für deutsche Industrie

Tatsächlich entwickelte sich aber das ILK zu einem Vorzeigebeispiel für die erfolgreiche Transformation eines DDR-Staatsbetriebes in privatwirtschaftliche Strukturen: Das Interesse an einer industrienahen Querschnitts-Forschungseinrichtung wie in der DDR war in der gesamtdeutschen Branche groß, die Expertise der ILK-Fachleute anerkannt, die neue unternehmerische Ausrichtung funktionierte – und bald trudelten auch renommierträchtige Großaufträge in Dresden-Striesen ein: Als die meisten Kühlschränke weltweit noch mit umweltschädlichen Fluorkohlenwasserstoffen (FCKW) liefen, predigten die Striesener Wissenschaftler das Kühlen mit umweltneutralem Wasser. Die gläserne VW-Manufaktur Dresden gehörte zu den ersten, die auf dieses ILK-Konzept setzten. Durch dieses Vertrauens-Signal von Volkswagen bestärkt, kooperierten immer mehr große Akteure fortan mit den Dresdnern, nicht nur bei Wasserkühlungen, sondern auch anderen innovativen thermodynamischen Lösungen. Zu den Prestige-Projekten, an denen sich das Institut beteiligte, gehörten der Reichstag und das Kanzleramt in Berlin, auch häuften sich Aufträge aus der Chipindustrie und weiteren Branchen.

Flüssigeis-Heizungen, Moos-Luftfilter und Weltraum-Kammern

Zu den jüngeren Forschungsvorhaben gehören beispielsweise ein Inselquartier in Bremen, das unter anderem mit der ILK-Flüssigeis-Technologie energetisch versorgt werden soll, eine riesige Weltraum-Simulationskammer gemeinsam mit Leybold, auch Versuche mit Luftfiltern aus biologischen Materialien wie Moosen oder Experimente gemeinsam mit dem Uniklinikum, Zellimplantate schonend tiefzukühlen und zu reanimieren.

Erweiterungsprojekt erwies sich als schwere Geburt

Dass all diese Innovationsprojekte mehr Platz brauchen, als der Altbau an der Bertolt-Brecht-Allee oder der bereits existierende Hallenanbau bieten, war dem Team um Prof. Franzke schon seit einigen Jahren klar. Allerdings hatte der Stadtrat in seinem Bebauungsplan für Striesen eine wichtige Grenze zwischen Wohnvierteln und Gewerbegebieten mitten durchs ILK-Gelände gezogen – dadurch schienen neue Erweiterungen jenseits der Bestandsgebäude lange Zeit unmöglich. Zeitweise hatte die Stadtspitze dem Vernehmen nach sogar mit der Idee geliebäugelt, das ILK in den geplanten Wissenschaftspark Ost gen Reick zu verlagern oder zumindest dort die Erweiterung zu ermöglichen. Doch eine Dauerpendelei zwischen Striesen und Reick erschien dann doch weder als effizient noch als umweltfreundlich. Zudem ist der Wissenschaftspark Ost immer noch kaum über Vorarbeiten hinausgekommen.

Daher hat Uwe Franzke den vormaligen Wirtschaftsbürgermeister und heutigen Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) so lange „belatschert“, bis Bewegung in die Sache kam. „Der Bebauungsplan soll bald geändert werden“, weiß der Professor zu berichten. Voraussichtlich im Herbst oder gegen Jahresende werde wohl der Stadtrat über die neuen Vorschläge entscheiden. Danach könnten die ILK-Architekten und Ingenieure die Feinplanung fertigstellen, den Bauantrag stellen und schließlich los bauen – wann immer das genau sein wird.

Institut sieht sich als Praxisbrücke vom Forscher-Elfenbeinturm in die Betriebe

Dass das Institut, Dresden und die deutsche Kältetechnik-Industrie diese Erweiterung brauchen, daran lassen die Forscher keinen Zweifel. „Wir sehen uns als ganz wichtige Brücke zwischen den Elfenbeintürmen der Grundlagenforschern und der Wirtschaft“, betont Uwe Franzke. „Durch unsere Anwendungsforschung wird aus diesem Wissen konkrete Wertschöpfung in den Betrieben.“

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: ILK, Auskünfte Uwe Franzke, Wikipedia, Oiger-Archiv

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt