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Ifo: Arbeitsvisa-Verträge könnten Zahl der Asylanträge senken

Illustration: Heiko Weckbrodt

Illustration: Heiko Weckbrodt

München, 19. Mai 2024. Arbeits-Visa zwischen der EU und als „sicher“ definierten anderen Staaten könnten helfen, die Asylantrag-Zahlen zu senken. Das hat das Wirtschaftsforschungs-Institut „Ifo“ aus München vorgeschlagen.

Bisher haben Niedrigqualifizierte nur geringe Arbeitsvisa-Chancen

„Damit wäre eine legale und gesteuerte Zuwanderung möglich“, erklärte Panu Poutvaara, der das Ifo-Zentrum für Migrationsforschung leitet. Denn ein Grund für die Überlastung des europäischen Asylsystems sei der Mangel an Möglichkeiten, legal in die EU zu kommen. „Besonders für niedrig qualifizierte Menschen ist die Chance auf Arbeitsvisa in Europa verschwindend gering.“

Zugang zu Sozialleistungen könnte im Arbeitsvisum ausgeschlossen werden

Demnach könnten Staatsangehörige von Ländern, die ein solches Abkommen mit der EU abschließen, Arbeits-Visa für den EU-Raum unabhängig von der Qualifikation beantragen. „In diesem Rahmen könnten Arbeitsvisa auch befristet ausgestellt werden“, betonen die Forscher. „Zudem könnten sie eingeschränkt werden, damit Visum-Inhaber keinen Zugang zu Sozialleistungen bekommen.“ Dieser Vorschlag entspreche der „Westbalkan-Regelung“, die Deutschland mit Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien sowie Serbien im Jahr 2016 abgeschlossen hatte. In Frage komme solch ein Abkommen beispielsweise mit der Türkei, Venezuela, Kolumbien, Marokko und Algerien sowie andere asiatische und afrikanische Länder.

Gefährliche Reisen und Geld für Schlepper vermeiden

„Die Zuwandernden könnten ein Arbeitsvisum beantragen und legal in die EU einreisen, ohne die gefährliche Reise über das Mittelmeer antreten und Schlepper bezahlen zu müssen“, unterstreicht Ifo-Forscherin Yvonne Giesing. „Auch für die EU wäre dies vorteilhaft, da es die Kosten für Asylanträge verringert, das Geschäft der Schlepper kaputtmacht und mehr legale Beschäftigung schafft.“

Verträge könnten Asylsystem entlasten

Zu ergänzen wäre, dass solche Verträge auch die wachsenden Arbeitskräfte-Lücken in vielen Branchen in Deutschland und der EU schließen könnten. Zudem betonen die Ifo-Forscher in ihrem Aufsatz: „Auch für Asylsuchende, die gemäß der Genfer Flüchtlingskonvention Anrecht auf Asyl haben, brächte eine solche Lösung Erleichterung, da durch eine Entlastung des Asylsystems Entscheidungen schneller getroffen werden könnten.“

Autor: Oiger

Quelle: Ifo

Wissenschaftliche Publikation:

„Vorschläge für eine reformierte europäische Asyl- und Migrationspolitik“ von Clara Albrecht, Yvonne Giesing, Panu Poutvaara und Elitsa Stefanova, in: „ifo Schnelldienst“ 05/2024, Fundstelle im Netz: https://www.ifo.de/publikationen/2024/aufsatz-zeitschrift/vorschlaege-reformierte-europaeische-asyl-migrationspolitik

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt