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Sachsens Wirtschaft rechnet mit hartem Winter

Der Konjunkturindikator der Industrie- und Handelskammern in Sachsen bildet den Saldo zwischen positiven und negativen Geschäftserwartungen (blau) beziehungsweise aktuellen Lageeinschätzungen (rot) ab. Grafik: IHK DD, L, CH

Der Konjunkturindikator der Industrie- und Handelskammern in Sachsen bildet den Saldo zwischen positiven und negativen Geschäftserwartungen (blau) beziehungsweise aktuellen Lageeinschätzungen (rot) ab. Grafik: IHK DD, L, CH

Geschäftserwartungen sacken ab

Dresden, 30. Oktober 2022. Die Geschäftserwartungen der sächsichen Wirtschaft sind drastisch abgesackt. Das hatte die Herbstumfrage 2022 der Industrie- und Handelskammern Dresden, Leipzig und Chemnitz ergeben.

Energiekrise, Krieg, Inflation und Corona-Nachwehen wirken zusammen

„Eine ganze Reihe von wirtschaftlichen Problemen stellen die Unternehmen aktuell vor massive Herausforderungen“, hieß es in einer Kammer-Zusammenfassung. „Dazu zählen insbesondere die Folgen des Ukrainekrieges, die drastischen Energiepreissteigerungen, weiterhin bestehende Lieferengpässe, die Inflation, aber auch Folgen der noch immer nicht überwundenen Corona-Pandemie.“

Krisen stoßen auf starke Mindestlohnerhöhung

Zudem dürfte auch die jüngste starke Erhöhung der Mindestlöhne die betriebe unter Druck setzen. Denn solche staatlichen Eingriffe fressen sich erfahrungsgemäß durch das gesamte untere Lohngefüge, da die Unternehmer den Entgelt-Abstand für qualifizierte und langjährige Leistungsträger zu den Hilfsarbeitern und Neueinsteigern erhalten müssen. Die Bundesampel hatte im Oktober die Mindestlöhne auf zwölf Euro erhöht. Nach mehreren Erhöhungen in kurzer Folge ist das gegenüber dem Vorkrisenjahr 2019 eine Steigerung um 30 Prozent – während für andere Werktätige die Einkommen eher gesunken sind.

Saldo sinkt von -16 auf -44

Mehr als jedes zweite Unternehmen rechnet nun damit, dass sich die Geschäftslage in den nächsten Monaten weiter verschlechtern wird. Ein knappes Zehntel erwartet bessere Geschäfte, 40 Prozent eine gleichbleibende Lage. Per Saldo sackt der Saldo aus guten und schlechten Prognosen von -16 auf -44 ab. „Der Rückgang der Erwartungen umfasst alle Branchen“, informierten die Kammern.

Rücklagen durch Corona-Jahre und Inflation aufgefressen

Zudem sind die Rücklagen großer Teile der sächsischen Wirtschaft mittlerweile aufgebraucht: „Nach zweieinhalb Jahren Corona-Pandemie und über einem Jahr zunehmender Kostensteigerungen bei Energie, Rohstoffen und Arbeit gehen die Reserven zunehmend zur Neige. Nur noch 54 % der Betriebe berichten von einer unproblematischen Finanzlage“, so die IHKs. „Die von finanziellen Problemen betroffenen Unternehmen benennen als Gründe vor allem Eigenkapitalrückgänge, Liquiditätsengpässe und vermehrt auch Forderungsausfälle, die wieder an Bedeutung gewinnen.“ In diesem Zuge will ein Drittel der Befragten seine Investitionen zusammenstreichen – was wiederum die Auftragslage im Maschinenbau und anderen Sektoren in der Folge weiter drücken dürfte. Ein Viertel der Unternehmer planen zudem, Beschäftigte zu entlassen oder sich anderweitig von ihnen zu trennen.

Quellen: IHK DD, DGB, Oiger-Archiv