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Geballte Analysetechnik für Umweltforschung in Dresden

Stephan Beil  (links), Björn Günther und Patrick Wordell-Dietrich (rechts) an einem Isotopen-Massenspektrometer im Chemiegebäude der TU Dresden. Sie koordinieren das neue "Gerätezentrum Umweltanalytik" an der Uni. Foto: Heiko Weckbrodt

Stephan Beil (links), Björn Günther und Patrick Wordell-Dietrich (rechts) an einem Isotopen-Massenspektrometer im Chemiegebäude der TU Dresden. Sie koordinieren das neue „Gerätezentrum Umweltanalytik“ an der Uni. Foto: Heiko Weckbrodt

An der TU Dresden erleichtert ein neues „Gerätezentrum Umweltanalytik“ den gemeinsamen Zugriff auf millionenteure Messanlagen

Dresden/Tharandt/Pirna, 15. Juli 2021. Für die Umweltwissenschaften an der TU Dresden verbessern sich die Forschungsbedingungen. Dafür entsteht derzeit ein neues „Gerätezentrum Umweltanalytik“. Über diese Plattform können die beteiligten Institute und ihre Partner nun zahlreiche Messgeräte und Anlagen gemeinsam nutzen. Derzeit beteiligen sich daran elf Institute aus Dresden und Tharandt mit zunächst 89 Anlagen, die einen Gesamtwert von rund 6,1 Millionen Euro repräsentieren. Später soll das Zentrum rund 200 Geräte umfassen. Die „Deutsche Forschungsgemeinschaft“ (DFG) fördert die dreijährige Aufbauphase mit rund 590.000 Euro.

Von Abwasser bis Werkstoffe: Breite Umweltforschung in und um Dresden

Die hier konzentrierte umweltwissenschaftliche Expertise und Technik sei in dieser Breite deutschlandweit kaum anderswo zu finden, schätzte Dr. Stephan Beil ein, der das Zentrum gemeinsam mit Dr. Björn Günther und Dr. Patrick Wordell-Dietrich unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Karsten Kalbitz koordiniert. „Viele umweltwissenschaftliche Einrichtungen in Deutschland sind hochspezialisiert“, erklärte er. „An der TU Dresden sind die Umweltwissenschaften dagegen sehr breit, sehr divers orientiert und bearbeiten sehr komplexe Forschungsthemen.“ Dazu gehören etwa die Verluste an biologischer Vielfalt, Klimaveränderungen und Wasserverfügbarkeit. Auch entwickeln die Ökoexperten und -expertinnen biobasierte Materialien und Technologien für die Industrie, beispielsweise zellulosebasierte Werkstoffe, Holzmodifikationen oder auch Holz-3D-Druck.

Auch Behörden nutzen besondere Expertise

Für ihre Forschungsprojekte können sie im neuen „Zentrum für Umweltanalytik“ beispielsweise auf Anlagen für Chromatografie, Massenspektrometrie, Erbgut-Analytik, Raster-Elektronen-Mikroskopie, Isotopen-Analyse und andere Untersuchungstechniken zugreifen. Die beteiligten Institute verlagern die Instrumente allerdings nicht physisch in das Zentrum. Vielmehr sind nun bestimmte Laborzeiten an den Geräten für die Kooperationspartner reserviert. Das Zentrum verteilt diese Zeitscheiben dann. Nutzbar sind diese Kapazitäten für eigene Forschungen, aber auch für Analysen, die Ämter oder Industriepartner von der TU erbeten haben. „Behörden konsultieren die Universität beispielsweise bei ungewöhnlichen Wasserverunreinigungen und Havarien, die in keine bekannten Muster passen“, erklärt Stephan Beil.

Fragmentierung der Umweltwissenschaften überwinden

Die nun eingeschlagene Lösung über ein gemeinsames Analytikzentrum soll die Auslastung der teils sehr teuren Anlagen erhöhen, den administrativen Aufwand senken, auf lange Sicht Wartung und Reparaturen am Anlagenpark mitfinanzieren sowie neue, wegweisende Umweltforschungsprojekte ermöglichen, die vorher für ein einzelnes Institut schwerer zu realisieren waren. Auch wollen die Forscher über die gemeinsame Plattform eine drohende „starke Fragmentierung der verschiedenen Disziplinen der Umweltwissenschaften“ überwinden, wie es schon in ihrem DFG-Antrag hieß. Nicht zuletzt sei es gerade für eine Exzellenzuniversität wie die TU Dresden eine sinnvolle Entscheidung, vorhandene Kapazitäten zu bündeln und zusammen nutzbare Technologieplattformen aufzubauen, erklärt Björn Günther.

Offiziell gestartet ist das „Gerätezentrum Umweltanalytik“ am 1. April 2021. Ein Auftakttreffen („Kick-Off-Meeting“) am 6. Juli soll die beteiligten Akteure zusammenbringen. Die DFG-Förderung ist zunächst auf drei Jahre ausgelegt.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quelle: Vor-Ort-Termin/Interview an der TUD

Hinweis: Dieser Beitrag ist zuerst im Unijournal der TU Dresden erschienen